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Einer der prägendsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts, der die Wirtschaftspolitik vieler Länder stark beeinflusst hat
Milton Friedman war einer der einflussreichsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts und gilt als führender Vertreter der Monetarismus-Theorie sowie als prominenter Befürworter des freien Marktes. Seine Arbeiten zur Geldpolitik, Inflation und Rolle des Staates in der Wirtschaft haben die Wirtschaftswissenschaft nachhaltig geprägt. Friedman war ein entschiedener Gegner des Keynesianismus und plädierte für eine Politik der Geldmengensteuerung anstelle von staatlichen Konjunkturprogrammen. Für seine Forschung erhielt er 1976 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften.
Leben und akademischer Werdegang
Milton Friedman wurde am 31. Juli 1912 in Brooklyn, New York, als Sohn jüdischer Einwanderer aus Österreich-Ungarn geboren. Er studierte Mathematik und Wirtschaftswissenschaften an der Rutgers University, der University of Chicago und der Columbia University. In den 1940er Jahren arbeitete er für verschiedene staatliche Institutionen, bevor er eine akademische Laufbahn einschlug.
1946 wurde Friedman Professor an der University of Chicago, wo er über drei Jahrzehnte lehrte und die sogenannte „Chicago School of Economics“ mitprägte. Diese Denkschule setzte sich für freien Wettbewerb, Deregulierung und eine begrenzte Rolle des Staates ein.
Neben seinen wissenschaftlichen Arbeiten engagierte sich Friedman auch als politischer Berater und Kommentator. Besonders einflussreich war sein Buch „Kapitalismus und Freiheit“ (1962), in dem er seine wirtschaftspolitischen Ansichten ausführlich darlegte.
Monetarismus: Friedmans zentrale Wirtschaftstheorie
Friedman gilt als Begründer des Monetarismus, einer wirtschaftstheoretischen Strömung, die die Geldmenge als wichtigsten Faktor für Wirtschaftswachstum und Inflation betrachtet. In Abgrenzung zum Keynesianismus, der staatliche Eingriffe zur Steuerung der Wirtschaft befürwortet, argumentierte Friedman, dass langfristiges Wachstum nur durch eine kontrollierte Geldpolitik erreicht werden könne.
Die wichtigsten Prinzipien des Monetarismus sind:
- Inflation als monetäres Phänomen: Friedman betonte, dass Inflation stets durch ein übermäßiges Wachstum der Geldmenge verursacht wird („Inflation is always and everywhere a monetary phenomenon“).
- Geldmengenregel: Er schlug vor, die Geldmenge in einem festen, vorhersehbaren Tempo zu steigern, um Wirtschaftsschwankungen zu minimieren.
- Ablehnung diskretionärer Geldpolitik: Zentralbanken sollten keine kurzfristigen Eingriffe vornehmen, sondern eine konstante Geldpolitik verfolgen.
- Langfristige Wirkung wirtschaftspolitischer Maßnahmen: Friedman argumentierte, dass wirtschaftliche Eingriffe des Staates kurzfristig zwar Beschäftigung und Wachstum fördern können, langfristig aber zu Inflation und Instabilität führen.
Kritik am Keynesianismus
Friedman widersprach der keynesianischen Vorstellung, dass staatliche Konjunkturprogramme langfristig Arbeitslosigkeit senken können. Er entwickelte die Theorie der natürlichen Arbeitslosenquote, die besagt, dass es eine strukturelle Untergrenze für Arbeitslosigkeit gibt, unter die der Staat die Beschäftigung nicht dauerhaft steigern kann, ohne Inflation zu erzeugen.
Besonders in den 1970er Jahren gewann seine Kritik an Einfluss, als viele westliche Länder mit „Stagflation“ (gleichzeitige hohe Inflation und Arbeitslosigkeit) kämpften – eine Entwicklung, die der Keynesianismus nicht überzeugend erklären konnte.
Wirtschaftspolitische Ansichten und Reformvorschläge
Neben seinen Arbeiten zur Geldpolitik trat Friedman für eine umfassende Deregulierung der Wirtschaft und eine Begrenzung staatlicher Eingriffe ein. Er vertrat unter anderem folgende Positionen:
- Freie Märkte und Privatisierung: Friedman argumentierte, dass staatliche Monopole ineffizient seien und durch privaten Wettbewerb ersetzt werden sollten.
- Abschaffung der Wehrpflicht: Er setzte sich erfolgreich für die Beendigung der Wehrpflicht in den USA ein.
- Bildungsgutscheine („School Vouchers“) für ein wettbewerbsorientiertes Schulsystem: Eltern sollten selbst entscheiden können, auf welche Schulen ihre Kinder gehen, um den Bildungssektor durch Wettbewerb zu verbessern.
- Negative Einkommensteuer: Eine Reform des Sozialsystems, bei der ärmere Haushalte direkte finanzielle Unterstützung erhalten, anstatt von zahlreichen einzelnen Sozialleistungen abhängig zu sein.
Einfluss auf die Wirtschaftspolitik
Friedmans Theorien beeinflussten maßgeblich die Wirtschaftspolitik vieler Länder. In den 1980er Jahren wurden seine Ideen insbesondere von Ronald Reagan in den USA und Margaret Thatcher in Großbritannien umgesetzt. Zentralbanken begannen, sich stärker auf die Kontrolle der Geldmenge zu konzentrieren, und viele Länder reduzierten staatliche Eingriffe in die Wirtschaft.
Seine Gedanken zur Geldpolitik fanden auch in der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Deutschen Bundesbank Anwendung, die eine strikt auf Preisstabilität ausgerichtete Geldpolitik verfolgten.
Kritik an Friedmans Theorien
Trotz seines großen Einflusses gibt es auch Kritik an Friedmans Ansätzen:
- Unterschätzung von Marktversagen: Kritiker argumentieren, dass freie Märkte nicht immer effizient sind und es Situationen gibt, in denen staatliche Eingriffe notwendig sind (z. B. Umweltpolitik, Finanzkrisen).
- Fehlende Kontrolle über Geldmengenwachstum: In der Praxis zeigte sich, dass Zentralbanken Schwierigkeiten hatten, die Geldmenge exakt zu steuern. Die strikte Anwendung des Monetarismus führte in einigen Fällen zu wirtschaftlicher Instabilität.
- Soziale Ungleichheit: Einige seiner Vorschläge, wie die Reduzierung staatlicher Sozialleistungen, wurden kritisiert, weil sie einkommensschwache Bevölkerungsgruppen benachteiligen könnten.
Fazit
Milton Friedman war einer der prägendsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts und hat die Wirtschaftspolitik vieler Länder stark beeinflusst. Seine Theorien zum Monetarismus und seine Kritik am Keynesianismus führten zu einem Umdenken in der Geldpolitik und trugen zur Deregulierung vieler Wirtschaftszweige bei. Während seine Ideen bis heute umstritten sind, bleibt sein Werk ein zentraler Bestandteil der modernen Wirtschaftswissenschaft und ein wichtiger Bezugspunkt für wirtschaftsliberale Denkrichtungen.