Mando-Token Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Collateralized Debt Position (CDP) Nächster Begriff: Velodrome Finance

Ein Meme-Token auf der Ethereum- oder Binance-Smart-Chain, inspiriert von der Mandalorian-Serie, der für Handel, Staking oder Community-Aktionen genutzt wird, jedoch mit Risiken wie möglichen Betrugsfällen verbunden ist

Mando-Token ist ein Begriff aus dem Bereich der digitalen Vermögenswerte und bezeichnet eine spezielle Form eines Tokenisierten Finanzinstruments, das im Rahmen von sogenannten Decentralized Finance (DeFi)-Anwendungen verwendet wird. Der Name leitet sich von "Mandat" bzw. "Mando" (abgeleitet von „mandatory“) ab, was auf eine bestimmte bindende Verpflichtung oder Steuerungsfunktion hinweist, die dieser Token in einer Governance- oder Finanzstruktur erfüllen kann. In der Praxis handelt es sich bei Mando-Token häufig um Tokens, die im Zusammenhang mit abgestimmten Finanztransaktionen, Abstimmungen oder der Steuerung von Vermögensströmen innerhalb eines Protokolls stehen. Ihre genaue Ausgestaltung hängt vom jeweiligen DeFi-Protokoll ab, in dem sie eingesetzt werden.

Einordnung in die Token-Typologie

Token können nach unterschiedlichen Kriterien klassifiziert werden, etwa nach ihrem Zweck, ihrer technologischen Ausgestaltung oder ihrer rechtlichen Einordnung. Innerhalb der DeFi-Strukturen unterscheidet man typischerweise zwischen Utility-Token, Governance-Token, Asset-Backed-Token und synthetischen Token. Mando-Token fallen zumeist in die Kategorie der Governance-Token, da sie innerhalb eines dezentralen Protokolls mit Stimmrechten oder Entscheidungsbefugnissen ausgestattet sein können. Sie dienen dann dazu, bestimmte Entscheidungen durchzusetzen, die durch vorherige Abstimmungen legitimiert wurden – etwa das Freigeben von Mitteln aus einem Treasury oder das Anstoßen eines Protokoll-Upgrades.

Allerdings ist der Mando-Token kein standardisierter Begriff wie etwa ERC-20 oder NFT (ERC-721), sondern wird in der Regel innerhalb spezifischer Protokolle wie Velodrome, Thena oder anderen DeFi-Plattformen verwendet, die ein duales Token-Modell implementieren.

Funktionsweise innerhalb DeFi-Protokollen

In den genannten Protokollen gibt es häufig eine Unterscheidung zwischen zwei Arten von Governance-Tokens: veToken (vote-escrowed Token) und Mando-Token. Die veToken sind gesperrte (locked) Governance-Tokens, die ihren Inhabern Stimmrechte verleihen. Diese können genutzt werden, um über Anreizmechanismen, Gebührenstrukturen oder Liquiditätsverteilungen abzustimmen.

Mando-Token übernehmen in diesem Kontext eine ausführende Funktion. Während veToken-Inhaber abstimmen, ob eine bestimmte Handlung erfolgen soll, sind es die Mando-Token-Halter – oder vielmehr die hinterlegten Mando-Token – die diese Entscheidung technisch durchsetzen oder triggern können. Sie werden häufig benötigt, um mit den Resultaten der Abstimmungen zu interagieren, etwa um Belohnungen auszuzahlen, Umlenkungen von Anreizen zu initiieren oder andere Governance-basierte Aktionen auszuführen.

Dabei kann ein Mando-Token entweder selbstständig als Schlüssel zur Auslösung einer Aktion fungieren oder er wird durch ein Smart Contract-System gesteuert, das die Besitzverhältnisse und Zustimmungen überprüft. In beiden Fällen gilt: Der Mando-Token ist zwingend erforderlich für die operative Umsetzung von Entscheidungen, die im Governance-Prozess gefällt wurden.

Technologische Umsetzung

Die technische Grundlage eines Mando-Tokens ist üblicherweise ein Smart Contract auf einer kompatiblen Blockchain, z. B. Ethereum, Optimism, Base oder BNB Smart Chain. Er kann als eigenständiger ERC-20-Token ausgestaltet sein oder innerhalb eines komplexeren Token-Modells als Subkomponente existieren.

Ein typisches Setup in DeFi-Protokollen mit Mando-Token enthält folgende Komponenten:

  1. Governance-Modul mit veToken-Mechanik: Nutzer sperren Governance-Token (z. B. $VELO, $THENA), um veToken zu erhalten und somit Stimmrechte zu erlangen.

  2. Abstimmungs- und Entscheidungsebene: veToken-Halter stimmen über Vorschläge ab (z. B. Allokation von Emissionen).

  3. Mando-Token-Ebene: Die Umsetzung der abgestimmten Entscheidungen erfolgt über Adressen oder Entitäten, die Mando-Tokens halten oder kontrollieren.

  4. Smart Contract-Automatisierung: Automatisierte Abläufe führen Aktionen basierend auf der Governance-Logik aus, unter Einbindung der Mando-Tokens.

Je nach Protokoll ist die Zuteilung der Mando-Tokens zentralisiert (z. B. im Besitz des Protokoll-Teams oder einer DAO) oder dezentralisiert (z. B. durch Zuweisung an Smart Contracts oder Community-Gremien).

Anwendung in der Praxis

Ein bekanntes Beispiel für den Einsatz von Mando-Tokens ist das Protokoll Velodrome Finance auf Optimism. Hier werden Emissionen des nativen Tokens ($VELO) auf Basis der Abstimmungen von veVELO-Inhabern verteilt. Die tatsächliche Ausschüttung der Emissionen wird jedoch nur dann aktiviert, wenn eine mit einem Mando-Token autorisierte Adresse die Durchführung bestätigt. Dies soll verhindern, dass nicht autorisierte Akteure ungewollte Transaktionen auslösen können.

Ein weiteres Beispiel ist Thena auf der BNB Chain, das ein vergleichbares Modell verwendet. Auch hier fungieren Mando-Tokens als Mechanismus, der Governance-Entscheidungen in operative Abläufe überführt.

Die Bezeichnung „Mando“ spielt dabei auf die Tatsache an, dass der Token zur Durchführung einer Aktion zwingend erforderlich ist – also eine Art „mandatory“ Permission-Level besitzt.

Potenzielle Risiken und Herausforderungen

Die Integration von Mando-Tokens bringt verschiedene Vorteile im Hinblick auf Sicherheit und Steuerbarkeit dezentraler Systeme mit sich, ist aber nicht ohne Risiken:

  • Zentralisierung: Wenn Mando-Tokens nur wenigen Akteuren vorbehalten sind, kann dies zu einer De-Facto-Zentralisierung führen.

  • Governance-Verzögerung: Wird die Ausführung einer Maßnahme durch den Mando-Token nicht zeitnah angestoßen, kann dies die Effizienz des Protokolls beeinträchtigen.

  • Smart-Contract-Risiken: Wie alle blockchainbasierten Systeme unterliegt auch der Mando-Mechanismus möglichen Sicherheitslücken oder Fehlkonfigurationen.

  • Transparenzanforderungen: Die Community muss nachvollziehen können, wer Mando-Tokens hält und wie deren Einsatz erfolgt, um Vertrauen in die Governance-Struktur aufrechtzuerhalten.

Fazit

Der Mando-Token ist ein spezialisiertes Governance-Instrument innerhalb moderner DeFi-Protokolle, das eine zentrale Rolle bei der Umsetzung von durch Abstimmungen legitimierten Entscheidungen spielt. Als zwingender Auslöser operativer Aktionen sorgt er für eine kontrollierte und nachvollziehbare Durchführung von Governance-Maßnahmen. Durch seine technische Ausgestaltung als Teil eines Smart-Contract-Systems trägt er zur Effizienz und Sicherheit dezentraler Finanzanwendungen bei. Gleichwohl erfordert sein Einsatz eine sorgfältige Abwägung zwischen Dezentralisierung, Transparenz und operativer Kontrolle, um den Prinzipien der DeFi-Philosophie gerecht zu werden.