Mar-a-Lago Accord Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Swap-Linien (Central Bank Liquidity Swap Lines, CBLS) Nächster Begriff: Plaza Accord (1985)

Eine informelle Verständigung zwischen den USA und China über wirtschaftspolitische Rücksichtnahme und Kooperation

Der Begriff „Mar-a-Lago Accord“ ist in der finanzpolitischen Debatte vergleichsweise neu und noch nicht im selben Maße etabliert wie klassische Abkommen wie das Plaza Accord (1985) oder das Louvre Accord (1987). Er wird vor allem in wirtschaftspolitischen Analysen und Kommentaren verwendet, um ein hypothetisches oder implizites Übereinkommen zwischen wirtschaftlichen Großmächten – insbesondere den USA und China – zu beschreiben, das auf eine koordinierte Stabilisierung der globalen Finanzmärkte und Wechselkurse abzielt. Der Begriff bezieht sich auf das exklusive Anwesen „Mar-a-Lago“ in Florida, das im Besitz von Donald Trump ist und während seiner Präsidentschaft häufig für informelle diplomatische Treffen genutzt wurde.

Ursprung und Hintergrund

Der Ausdruck „Mar-a-Lago Accord“ gewann nach dem Treffen zwischen dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping im April 2017 an Bedeutung. Auch wenn bei diesem Treffen kein formelles Abkommen unterzeichnet wurde, vermuteten viele Analysten und Beobachter eine stillschweigende Verständigung beider Staaten über strategisch wichtige Themen der Währungs- und Handelspolitik.

Die Parallele zum Plaza Accord von 1985, bei dem sich führende Industrienationen auf eine koordinierte Abwertung des US-Dollars einigten, liegt darin, dass auch der „Mar-a-Lago Accord“ als Symbol für eine potenzielle internationale Kooperation zur Vermeidung von Währungskriegen und Handelsungleichgewichten betrachtet wird. Es handelt sich dabei also nicht um ein offizielles Abkommen, sondern eher um einen Begriff zur Beschreibung geopolitischer Entwicklungen.

Inhaltliche Annahmen des Mar-a-Lago Accord

Obwohl kein Vertragstext existiert, wird der „Mar-a-Lago Accord“ häufig in folgenden Kontexten verwendet:

  • Vermeidung eines Handelskrieges: Die USA und China könnten sich stillschweigend darauf verständigt haben, protektionistische Maßnahmen zu begrenzen und übermäßige Eskalationen im Handelsstreit zu vermeiden.

  • Stabilisierende Wechselkurspolitik: China könnte zugesagt haben, eine größere Wechselkursflexibilität des Yuan zuzulassen, um Manipulationsvorwürfen zu begegnen.

  • Makroökonomische Rebalancierung: Beide Seiten könnten vereinbart haben, strukturelle Ungleichgewichte im Handel nicht einseitig, sondern gemeinsam anzugehen – etwa durch verstärkten Binnenkonsum in China und höhere Ersparnisquoten in den USA.

Diese Annahmen beruhen größtenteils auf Marktbeobachtungen und Interpretationen politischer Aussagen und Maßnahmen nach dem Treffen. Eine konkrete schriftliche Vereinbarung wie beim Plaza Accord fehlt.

Reaktionen der Märkte und wirtschaftliche Interpretation

Nach dem Treffen in Mar-a-Lago zeigten die Finanzmärkte ein gemischtes, aber insgesamt stabiles Verhalten. Die Volatilität am Devisenmarkt blieb begrenzt, und der chinesische Yuan wertete gegenüber dem US-Dollar in den folgenden Monaten leicht auf. Analysten sahen darin ein Zeichen, dass China möglicherweise weniger intervenierte, um seine Währung künstlich zu schwächen – was einer der zentralen Streitpunkte war.

Aus ökonomischer Sicht lässt sich ein möglicher „Mar-a-Lago Accord“ als Versuch interpretieren, durch bilaterale Abstimmung makroökonomische Spannungen zu entschärfen, ohne dass formale internationale Institutionen wie der IWF direkt involviert sind. Damit steht er im Gegensatz zu multilateralen Lösungen, wie sie in der Vergangenheit häufiger angestrebt wurden.

Vergleich mit dem Plaza Accord

Ein direkter Vergleich mit dem Plaza Accord von 1985 verdeutlicht die Unterschiede:

Aspekt Plaza Accord Mar-a-Lago Accord
Form Schriftlich vereinbart Informell, ohne Vertrag
Teilnehmer USA, Japan, Deutschland, Frankreich, UK USA, China
Ziel Abwertung des US-Dollars Abbau wirtschaftlicher Spannungen, Vermeidung Handelskrieg
Ergebnis Deutliche USD-Abwertung Leichte Yuan-Aufwertung, keine Eskalation im Handel
Koordination Multilateral Bilateral

Bedeutung in der globalen Finanzarchitektur

Obwohl der „Mar-a-Lago Accord“ kein offizieller Bestandteil der internationalen Finanzgeschichte ist, hat er dennoch symbolischen Charakter. Er steht für eine neue Art von informellen, strategischen Absprachen zwischen den dominanten Wirtschaftsmächten in einer Welt multipolarer Kräfteverhältnisse. Die Rolle klassischer Institutionen wie IWF oder G7 wird dabei durch bilaterale Kanäle ergänzt oder teilweise ersetzt.

Dies kann aus Sicht der Finanzmärkte stabilisierend oder destabilisierend wirken, je nachdem, wie transparent und nachvollziehbar solche Absprachen sind. Kritiker argumentieren, dass eine informelle Verständigung demokratisch weniger legitimiert ist und schwerer zu kontrollieren sei. Befürworter hingegen loben die Flexibilität und Geschwindigkeit solcher informellen Abstimmungen.

Mathematische Betrachtung: Wechselkurspolitik und Leistungsbilanz

Ein zentrales wirtschaftliches Thema im Kontext des „Mar-a-Lago Accord“ ist die Wechselkursanpassung zur Korrektur von Leistungsbilanzungleichgewichten. Die Handelsbilanz eines Landes lässt sich annähernd darstellen durch:

\[ \text{Leistungsbilanz} = Exporte - Importe \]

Ein überbewerteter Wechselkurs führt zu teureren Exporten und günstigeren Importen, was die Leistungsbilanz verschlechtert. Umgekehrt gilt:

\[ \text{Realwechselkurs} = \frac{E \cdot P^*}{P} \]

Dabei ist:

  • \( E \): Nomineller Wechselkurs (Einheiten Fremdwährung pro Inlandswährung)

  • \( P^* \): Preisniveau im Ausland

  • \( P \): Preisniveau im Inland

Ein Rückgang des Realwechselkurses macht inländische Produkte international wettbewerbsfähiger – eine Strategie, die mit Währungsabwertungen wie im Plaza Accord verfolgt wurde. Im Fall des „Mar-a-Lago Accord“ wäre dies gleichbedeutend mit einer Aufwertung des Yuan oder einer kontrollierten Stabilisierung ohne Interventionen.

Fazit

Der „Mar-a-Lago Accord“ stellt kein offizielles Finanzabkommen dar, sondern bezeichnet eine informelle Verständigung zwischen den USA und China über wirtschaftspolitische Rücksichtnahme und Kooperation. Auch wenn die Bezeichnung etwas spekulativ ist, spiegelt sie die moderne Realität geopolitisch geprägter Wirtschaftsdiplomatie wider. In einer globalisierten Welt, in der Märkte zunehmend sensibel auf politische Signale reagieren, haben solche symbolischen Verständigungen durchaus Wirkungskraft. Langfristig hängt die Bedeutung des Begriffs davon ab, ob sich solche informellen Arrangements als tragfähige Ergänzung zu traditionellen multilateralen Lösungen etablieren können.