Matic Network Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Polygon Nächster Begriff: MATIC-Token (Polygon)

Eine frühere Bezeichnung für Polygon, eine Layer-2-Skalierungslösung für Ethereum, die schnelle, kostengünstige Transaktionen durch Sidechains und Rollups ermöglicht, während sie die Sicherheit der Ethereum-Blockchain nutzt

Matic Network war die ursprüngliche Bezeichnung eines Blockchain-Projekts, das sich der Skalierung von Ethereum verschrieben hatte. Das Projekt wurde 2017 gegründet und entwickelte eine Layer-2-Lösung auf Basis von Plasma und einem Proof-of-Stake-System, um die Transaktionsgeschwindigkeit zu erhöhen und die Kosten zu senken. Im Februar 2021 wurde das Projekt offiziell in Polygon umbenannt. Die Umbenennung markierte eine strategische Neuausrichtung: Aus einer spezifischen Skalierungslösung wurde eine umfassende Plattform für Ethereum-kompatible Multi-Chain-Systeme.

Ursprünge und technologische Basis

Matic Network wurde von einem indischen Entwicklerteam gegründet – darunter Jaynti Kanani, Sandeep Nailwal und Anurag Arjun. Ihr Ziel war es, Ethereum durch eine skalierbare Infrastruktur zu ergänzen, ohne dessen Sicherheitsmodell oder Dezentralisierung zu beeinträchtigen. Die erste Lösung basierte auf zwei zentralen Komponenten:

  1. Plasma-Framework: Ein Mechanismus zur Abwicklung von Transaktionen außerhalb der Ethereum-Mainchain. Dabei werden sogenannte "Child Chains" verwendet, deren Zustände in regelmäßigen Abständen über Merkle-Roots auf der Ethereum-Blockchain verankert werden.

  2. Proof-of-Stake-Validatorennetzwerk: Anstelle von energieintensivem Mining setzte Matic Network auf ein eigenständiges Netzwerk von Validatoren, das auf einem PoS-Konsens basierte. Dadurch konnten Transaktionen schnell und effizient verarbeitet werden.

Diese Kombination ermöglichte deutlich schnellere Blockzeiten (rund 1 Sekunde) und signifikant niedrigere Transaktionskosten im Vergleich zu Ethereum – eine Lösung, die besonders für dezentrale Finanzanwendungen (DeFi), Spiele und NFT-Projekte attraktiv war.

Einführung des MATIC-Tokens

Der MATIC-Token war von Beginn an zentraler Bestandteil des Netzwerks und wurde zunächst als ERC-20-Token auf Ethereum ausgegeben. Seine Funktionen umfassten:

  • Zahlung von Gebühren innerhalb der Matic-Kette,

  • Staking durch Validatoren und Delegatoren zur Sicherung des Netzwerks,

  • Belohnungssystem zur Anreizsetzung für Netzwerkteilnehmer.

Die Tokenverteilung erfolgte unter anderem über einen Initial Exchange Offering (IEO) auf Binance Launchpad im Jahr 2019, bei dem rund 5 Millionen US-Dollar eingeworben wurden.

Limitierungen des Matic-Modells

Obwohl Matic Network mit seiner Plasma-PoS-Architektur einen funktionierenden Layer-2-Ansatz bot, zeigte sich mit zunehmender Nutzung, dass Plasma bestimmte funktionale Einschränkungen mit sich brachte:

  • Eingeschränkte Smart-Contract-Funktionalität auf Plasma-Chains

  • Komplexität bei Exit-Mechanismen, insbesondere im Fall böswilliger Aktivitäten

  • Abhängigkeit von Ethereum für Finalität und Sicherheit

Diese Einschränkungen veranlassten das Team, das Projekt technisch und strategisch neu auszurichten.

Rebranding zu Polygon

Im Februar 2021 erfolgte die Umbenennung von Matic Network zu Polygon. Das Rebranding ging mit einer umfassenden Erweiterung des Projektziels einher: Polygon sollte nicht mehr nur eine spezifische Layer-2-Lösung darstellen, sondern ein umfassendes Framework für skalierbare, interoperable Ethereum-fähige Blockchains.

Das Rebranding beinhaltete folgende strategische Änderungen:

  1. Einführung eines Multi-Chain-Systems, vergleichbar mit dem Ansatz von Polkadot oder Cosmos – jedoch vollständig EVM-kompatibel.

  2. Integration zusätzlicher Skalierungstechnologien, darunter ZK-Rollups, Optimistic Rollups und Validium.

  3. Beibehaltung der PoS-Chain, die weiterhin unter dem Namen Polygon PoS betrieben wird – technisch handelt es sich um die frühere Matic-Chain.

Trotz des Namenswechsels wurde der MATIC-Token nicht ersetzt, sondern bleibt bis heute der native Token des gesamten Polygon-Ökosystems.

Bedeutung der PoS-Chain im Polygon-Ökosystem

Die frühere Matic-Chain – heute Polygon PoS – ist nach wie vor die am weitesten verbreitete Komponente innerhalb des Polygon-Ökosystems. Ihre technische Basis blieb erhalten:

  • EVM-Kompatibilität: Anwendungen, die auf Ethereum laufen, können ohne Änderungen auf der Polygon PoS Chain betrieben werden.

  • Niedrige Gebühren und hohe Geschwindigkeit: Ideal für kostensensitive dApps wie dezentrale Börsen, NFT-Marktplätze und Blockchain-Games.

  • Validatorennetzwerk: Mehr als 100 unabhängige Validatoren sichern das Netzwerk durch Staking von MATIC-Tokens.

Auch nach der Umbenennung wurde die Weiterentwicklung dieser Chain aktiv vorangetrieben, unter anderem durch die Einführung von EIP-1559 zur Tokenverbrennung und durch Verbesserungen im Bereich der Cross-Chain-Kommunikation.

Übergang zu Polygon 2.0

Im Jahr 2023 wurde die Vision von Polygon 2.0 vorgestellt. Diese umfasst unter anderem:

  • Die Umstellung des MATIC-Tokens auf POL, einen neuen Governance- und Staking-Token für das künftige Multi-Chain-System.

  • Die stärkere Integration von ZK-Technologien (Zero-Knowledge Proofs) in Form von Polygon zkEVM und Polygon CDK.

  • Die Harmonisierung von Sicherheits- und Governance-Strukturen über verschiedene Chains hinweg.

Die ehemalige Matic-Chain bleibt weiterhin ein Bestandteil dieses Ökosystems, wird langfristig jedoch in ein einheitlicheres System überführt.

Fazit

Matic Network war der Ursprung des heutigen Polygon-Ökosystems und legte mit seiner Plasma-basierten PoS-Chain den Grundstein für schnelle, günstige und Ethereum-kompatible Transaktionen. Mit der Umbenennung in Polygon wurde der Fokus deutlich erweitert: Aus einer einzelnen Skalierungslösung entstand ein umfassendes Framework für Ethereum-kompatible Multi-Chain-Systeme. Der MATIC-Token, einst zentrales Element des Matic-Netzwerks, blieb erhalten und entwickelte sich zur wirtschaftlichen Grundlage eines der größten Layer-2-Ökosysteme weltweit. Matic Network war somit nicht nur ein technischer Vorläufer, sondern auch ein strategischer Meilenstein in der Entwicklung skalierbarer Blockchain-Infrastrukturen.