Modifizierte Duration Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Duration Nächster Begriff: Durchschnittsvolumen
Eine Finanzkennzahl, die die prozentuale Preisänderung eines Finanzinstruments, wie einer Anleihe, bei einer Änderung der Rendite um einen Prozentpunkt misst und die Zinssensitivität anzeigt
Die modifizierte Duration ist ein zentrales Maß im Bereich der festverzinslichen Wertpapiere und beschreibt die prozentuale Kursveränderung einer Anleihe bei einer Änderung des Marktzinses um einen Prozentpunkt. Sie ist eine Weiterentwicklung der sogenannten Macaulay Duration und wird im Finanzmanagement vor allem zur Messung des Zinsänderungsrisikos eingesetzt.
Anders als die Macaulay Duration, die eine zeitgewichtete Kapitalbindungsdauer in Jahren angibt, hat die modifizierte Duration eine direkte ökonomische Aussagekraft im Hinblick auf Kursrisiken: Sie quantifiziert, wie empfindlich der Kurs eines Rentenpapiers auf Veränderungen des Zinssatzes reagiert.
Definition und Formel
Die modifizierte Duration (\( D_{\text{mod}} \)) ergibt sich aus der Macaulay Duration (\( D_{\text{Mac}} \)) durch folgende Umrechnung:
$$ D_{\text{mod}} = \frac{D_{\text{Mac}}}{1 + r} $$
Dabei ist:
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\( D_{\text{mod}} \): Modifizierte Duration (in Jahren, aber als Risikomaß zu interpretieren)
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\( D_{\text{Mac}} \): Macaulay Duration (in Jahren)
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\( r \): Marktzins (Periodenzinssatz, z. B. Effektivzins bei jährlicher Zahlweise)
Die modifizierte Duration zeigt an, um wie viel Prozent sich der Barwert eines festverzinslichen Wertpapiers ändert, wenn sich das Zinsniveau um 100 Basispunkte (1 Prozentpunkt) verändert – unter der Annahme einer linearen Beziehung und konstanter Zahlungsströme.
Beispiel
Angenommen, eine Anleihe mit zehnjähriger Laufzeit, 5 % Kupon, jährlicher Zinszahlung und einem Marktzins von 5 % hat eine Macaulay Duration von 7,8 Jahren. Dann ergibt sich:
$$ D_{\text{mod}} = \frac{7{,}8}{1 + 0{,}05} = 7{,}43 $$
Das bedeutet: Steigt der Marktzins um 1 Prozentpunkt, sinkt der Kurs der Anleihe um ca. 7,43 %. Umgekehrt steigt der Kurs um denselben Prozentsatz bei einem gleich großen Zinsrückgang – unter der vereinfachenden Annahme linearer Preis-Zins-Beziehung.
Einflussfaktoren auf die modifizierte Duration
Die Höhe der modifizierten Duration hängt von mehreren Faktoren ab:
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Restlaufzeit
Je länger die Laufzeit der Anleihe, desto höher die Duration – da spätere Zahlungen stärker gewichtet werden und empfindlicher auf Zinsänderungen reagieren. -
Kuponhöhe
Je höher der Kupon, desto kürzer die effektive Kapitalbindung – hohe Kupons führen zu früheren Rückflüssen, was die Duration verkürzt. -
Marktzinsniveau
Bei höheren Zinssätzen sinkt der Barwert der späteren Zahlungen stärker, was ebenfalls zu einer geringeren Duration führt. -
Zahlungshäufigkeit
Je öfter Zinsen gezahlt werden (z. B. halbjährlich statt jährlich), desto kürzer ist die Duration.
Bedeutung in der Praxis
Die modifizierte Duration ist ein zentrales Instrument des Zinsrisikomanagements, insbesondere für:
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Anleiheportfolios von Banken, Versicherungen und Fonds
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Asset-Liability-Management (ALM): Abstimmung von Vermögenswerten und Verbindlichkeiten hinsichtlich Zinsänderungssensitivität
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Hedging-Strategien: Aufbau von Gegenpositionen mit identischer Duration zur Neutralisierung von Zinsrisiken
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Sensitivitätsanalyse: Bewertung der Auswirkungen von Zinsänderungen auf Anleihebewertungen
Zur Immunisierung von Portfolios wird häufig angestrebt, dass die durchschnittliche modifizierte Duration des Portfolios dem Anlagehorizont entspricht. So können Kursverluste durch Zinsänderungen mit Wiederanlagerenditen kompensiert werden.
Grenzen und Ergänzungen
Trotz ihrer hohen Aussagekraft hat die modifizierte Duration methodische Begrenzungen:
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Linearitätsannahme
Die modifizierte Duration geht von einer linearen Kurs-Zins-Beziehung aus. Tatsächlich ist diese Beziehung jedoch konvex, besonders bei größeren Zinsänderungen. Zur Korrektur wird die Konvexität als Ergänzungsmaß eingesetzt. -
Ungeeignet für strukturierte Produkte
Bei Anleihen mit eingebetteten Optionen (z. B. kündbare Bonds) oder variabler Verzinsung versagt die klassische Duration, da sich die Zahlungsströme zinsabhängig verändern. Hier kommen effektive Durationsmodelle oder Szenarioanalysen zum Einsatz. -
Statische Perspektive
Die modifizierte Duration betrachtet das Zinsänderungsrisiko nur zum Bewertungszeitpunkt und unterstellt unveränderte Zahlungsströme. Für dynamische Risikomodelle ist sie daher nur eingeschränkt geeignet.
Fazit
Die modifizierte Duration ist ein zentrales Maß zur Beurteilung des Zinsänderungsrisikos festverzinslicher Wertpapiere. Sie quantifiziert die prozentuale Kursveränderung bei einer marginalen Änderung des Marktzinses und ist somit ein unverzichtbares Instrument im Zins- und Portfoliomanagement. Ihre Aussagekraft ist besonders bei geringen Zinsänderungen hoch, verliert jedoch bei nichtlinearen Marktreaktionen und komplexen Instrumenten an Genauigkeit. In der professionellen Praxis wird sie deshalb oft zusammen mit der Konvexität und weiteren Risikoindikatoren eingesetzt, um ein umfassendes Bild des Zinsrisikos zu erhalten.