Multi-Asset-Zertifikate Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Montanwerte Nächster Begriff: Mündelgelder

Ein strukturiertes Wertpapier, das die Wertentwicklung mehrerer Anlageklassen wie Aktien, Anleihen, Rohstoffe oder Währungen in einem Produkt bündelt und Anlegern eine diversifizierte Teilnahme an unterschiedlichen Märkten ermöglicht

Multi-Asset-Zertifikate sind strukturierte Finanzprodukte, deren Wertentwicklung von mehreren unterschiedlichen Anlageklassen gleichzeitig abhängt. Sie gehören zur Kategorie der Zertifikate und ermöglichen es Anlegern, mit einem einzigen Finanzinstrument in ein breit diversifiziertes Portfolio zu investieren. Die zugrunde liegenden Basiswerte können dabei aus verschiedenen Segmenten stammen, etwa Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Währungen oder Indizes.

Grundkonzept und Aufbau

Das zentrale Merkmal von Multi-Asset-Zertifikaten ist die Kombination mehrerer Anlageklassen innerhalb eines strukturierten Produkts. Im Gegensatz zu klassischen Zertifikaten, die sich meist auf einen einzelnen Basiswert beziehen, bilden Multi-Asset-Zertifikate ein Bündel verschiedener Vermögenswerte ab.

Die Struktur eines solchen Zertifikats wird vom Emittenten festgelegt. Dieser definiert, welche Basiswerte enthalten sind, wie diese gewichtet werden und nach welchen Regeln die Wertentwicklung berechnet wird. Häufig erfolgt die Abbildung über einen internen oder externen Index, der die verschiedenen Anlageklassen kombiniert.

Die Rückzahlung des Zertifikats hängt somit nicht von der Entwicklung eines einzelnen Marktes ab, sondern von der aggregierten Performance mehrerer Märkte.

Funktionsweise

Die Funktionsweise von Multi-Asset-Zertifikaten basiert auf der Entwicklung der zugrunde liegenden Basiswerte. Je nach Ausgestaltung kann die Performance unterschiedlich berechnet werden. In vielen Fällen wird eine gewichtete Durchschnittsentwicklung herangezogen, wobei einzelne Anlageklassen unterschiedlich stark in die Gesamtperformance eingehen.

Darüber hinaus können zusätzliche Mechanismen integriert sein, die das Rendite-Risiko-Profil beeinflussen. Dazu zählen etwa:

  1. Kapitalschutzkomponenten, bei denen ein Teil des eingesetzten Kapitals am Laufzeitende abgesichert ist.

  2. Partizipationsraten, die festlegen, in welchem Umfang Anleger an Kurssteigerungen teilnehmen.

  3. Barrieren oder Schwellenwerte, die bestimmte Auszahlungsbedingungen auslösen.

Die konkrete Ausgestaltung variiert stark zwischen verschiedenen Emittenten und Produkten.

Anlageziele und Einsatzmöglichkeiten

Multi-Asset-Zertifikate werden häufig eingesetzt, um eine breite Streuung über verschiedene Märkte hinweg zu erreichen, ohne mehrere Einzelinvestitionen tätigen zu müssen. Sie eignen sich insbesondere für Anleger, die eine diversifizierte Anlagestrategie mit einem strukturierten Produkt umsetzen möchten.

Die Anlageziele können unterschiedlich sein:

  1. Teilnahme an der Entwicklung mehrerer Märkte gleichzeitig.

  2. Reduktion von Schwankungen durch Diversifikation.

  3. Erzielung von Erträgen unter bestimmten Marktbedingungen, etwa durch strukturierte Auszahlungsprofile.

Einige Produkte sind darauf ausgelegt, auch in seitwärts gerichteten Märkten Erträge zu generieren, während andere stärker auf Wachstumschancen ausgerichtet sind.

Vorteile

Multi-Asset-Zertifikate bieten eine Reihe von Vorteilen, die sie für bestimmte Anlegergruppen attraktiv machen. Ein wesentlicher Vorteil ist die Bündelung verschiedener Anlageklassen in einem einzigen Produkt, wodurch eine Diversifikation erreicht wird, ohne dass mehrere Einzelanlagen verwaltet werden müssen.

Weitere Vorteile sind:

  1. Zugang zu unterschiedlichen Märkten und Anlageklassen.

  2. Individuell gestaltbare Rendite-Risiko-Profile durch strukturierte Elemente.

  3. Möglichkeit, spezifische Markterwartungen gezielt umzusetzen.

  4. Vereinfachte Handhabung im Vergleich zu einem selbst zusammengestellten Portfolio.

Insbesondere für Anleger mit begrenztem Zeitaufwand für Portfolioverwaltung kann dies von Bedeutung sein.

Risiken und Besonderheiten

Trotz der Diversifikation sind Multi-Asset-Zertifikate mit spezifischen Risiken verbunden. Ein zentrales Risiko ist das Emittentenrisiko. Da es sich um Schuldverschreibungen handelt, hängt die Rückzahlung von der Zahlungsfähigkeit des Emittenten ab. Im Falle einer Insolvenz kann es zu einem Totalverlust kommen, unabhängig von der Entwicklung der zugrunde liegenden Basiswerte.

Weitere Risiken ergeben sich aus der Struktur des Produkts:

  1. Komplexität der Auszahlungsmechanismen, die schwer nachvollziehbar sein können.

  2. Abhängigkeit von mehreren Märkten, wodurch unerwartete Wechselwirkungen entstehen können.

  3. Eingeschränkte Transparenz hinsichtlich der genauen Gewichtung und Anpassung der Basiswerte.

  4. Liquiditätsrisiken, insbesondere bei weniger gehandelten Zertifikaten.

Zudem können Kostenstrukturen, etwa in Form von impliziten Gebühren, die Rendite beeinflussen.

Abgrenzung zu ähnlichen Anlageformen

Multi-Asset-Zertifikate unterscheiden sich von Multi-Asset-Fonds dadurch, dass sie keine Sondervermögen darstellen. Während Fondsvermögen rechtlich vom Vermögen der Kapitalverwaltungsgesellschaft getrennt ist, sind Zertifikate Forderungen gegenüber dem Emittenten.

Im Vergleich zu Exchange Traded Funds (ETFs) weisen Multi-Asset-Zertifikate häufig eine stärkere Strukturierung auf, etwa durch Kapitalschutzmechanismen oder bedingte Auszahlungsprofile. ETFs hingegen bilden in der Regel passiv einen Index ab und sind transparenter in ihrer Zusammensetzung.

Auch gegenüber klassischen strukturierten Produkten mit einem einzelnen Basiswert bieten Multi-Asset-Zertifikate eine breitere Streuung, allerdings auf Kosten höherer Komplexität.

Bedeutung im Marktumfeld

Multi-Asset-Zertifikate sind Teil des Marktes für strukturierte Produkte und werden vor allem von Banken emittiert. Sie richten sich sowohl an institutionelle Investoren als auch an private Anleger, wobei letztere häufig über den Börsenhandel Zugang erhalten.

Im Marktumfeld gewinnen solche Produkte insbesondere in Phasen erhöhter Unsicherheit an Bedeutung, da sie die Möglichkeit bieten, Risiken über mehrere Anlageklassen zu verteilen. Gleichzeitig erlauben sie eine gezielte Steuerung von Renditeprofilen durch strukturierte Elemente.

Die Entwicklung dieses Segments ist eng mit der Innovationsfähigkeit der Emittenten verbunden, die kontinuierlich neue Produktvarianten auf den Markt bringen.

Fazit

Multi-Asset-Zertifikate sind strukturierte Finanzinstrumente, die eine Investition in mehrere Anlageklassen innerhalb eines einzigen Produkts ermöglichen. Sie bieten eine breite Diversifikation und flexible Gestaltungsmöglichkeiten hinsichtlich Rendite und Risiko. Gleichzeitig sind sie mit spezifischen Risiken verbunden, insbesondere dem Emittentenrisiko und der teilweise hohen Komplexität der Produktstruktur. Für Anleger können sie eine interessante Ergänzung im Portfolio darstellen, erfordern jedoch ein fundiertes Verständnis der zugrunde liegenden Mechanismen und Risiken.