Nasdaq BX (Boston Exchange) Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Nasdaq Nordic Nächster Begriff: Nasdaq PSX (Philadelphia Stock Exchange)

Ein alternativer Handelsplatz von Nasdaq, der den elektronischen Handel mit Aktien ermöglicht, um zusätzliche Liquidität und wettbewerbsfähige Preise außerhalb des Hauptmarkts zu bieten

Nasdaq BX (Boston Exchange) ist ein elektronischer Handelsplatz für Aktien in den Vereinigten Staaten und Teil der Nasdaq-Gruppe. Die Plattform ist ein sogenannter „Alternative Display Facility“ innerhalb des US-Aktienmarktes und richtet sich primär an Broker-Dealer, Market Maker und algorithmische Handelsteilnehmer, die eine kosteneffiziente Ausführungsalternative mit differenziertem Gebührenmodell suchen. Nasdaq BX ist rechtlich als nationale Wertpapierbörse („national securities exchange“) von der US-Börsenaufsicht SEC zugelassen, operiert aber als sekundärer Handelsplatz im Vergleich zur Hauptbörse Nasdaq Stock Market.

Nasdaq BX ist nicht zu verwechseln mit der Nasdaq-Hauptbörse oder Nasdaq PSX. Vielmehr ist sie einer von insgesamt drei US-amerikanischen Aktienmärkten unter dem Dach der Nasdaq, Inc., neben:

  1. Nasdaq Stock Market (NASDAQ): Der Hauptmarkt mit der größten Marktkapitalisierung und höchsten Liquidität.

  2. Nasdaq BX (Boston Exchange): Eine ergänzende Plattform mit eigenständiger Gebührenstruktur und Matching-Logik.

  3. Nasdaq PSX (Philadelphia Stock Exchange): Fokus auf wettbewerbsintensiven Orderausgleich und Preisgestaltungsmodelle.

Historischer Hintergrund

Nasdaq BX hat seine Wurzeln in der Boston Stock Exchange (BSE), einer der ältesten Börsen in den USA, gegründet im Jahr 1834. Die BSE war historisch eine regionale Börse mit Schwerpunkt auf nordostamerikanische Werte. Im Zuge des technologischen Wandels und zunehmenden Wettbewerbs zwischen elektronischen Handelsplattformen verlor sie an Bedeutung.

Im Jahr 2007 wurde die BSE von der Nasdaq übernommen. In den folgenden Jahren wurde die Börse vollständig modernisiert und unter dem Namen Nasdaq OMX BX neu positioniert – mit Fokus auf elektronischen Aktienhandel. Seitdem firmiert die Plattform unter dem Namen Nasdaq BX und ist vollständig in die technologische Infrastruktur der Nasdaq integriert.

Technologische Basis

Nasdaq BX nutzt – wie auch andere Märkte der Nasdaq – die INET-Technologieplattform, die für ihre niedrige Latenz, hohe Skalierbarkeit und stabile Orderausführung bekannt ist. Diese Plattform unterstützt die standardisierten Protokolle OUCH (für Ordereingabe und -management), ITCH (für Echtzeit-Marktdaten) und FIX (für institutionelle Anbindungen).

Zentrale technologische Merkmale sind:

  • Matching Engine mit Preis-Zeit-Priorität: Orders werden nach Preis und Eingang geordnet verarbeitet.

  • Multicast-Datenfeeds: Marktdaten werden über performante Kanäle in Echtzeit verteilt.

  • Ordertypen und Ausführungsstrategien: Unterstützung von Limit-Orders, Midpoint Pegs, Hidden Orders, Intermarket Sweep Orders (ISO) und Self-Match Prevention.

Marktmodell und Handelslogik

Nasdaq BX unterscheidet sich insbesondere durch sein Gebühren- und Anreizmodell von anderen Nasdaq-Märkten. Während die Hauptbörse Nasdaq ein sogenanntes „maker-taker“-Modell verwendet – d. h., Liquiditätsanbieter (maker) erhalten Rabatte und Liquiditätsnehmer (taker) zahlen Gebühren –, nutzt Nasdaq BX ein inverses Modell oder ein „taker-maker“-Modell:

  1. Taker-maker-Modell: Teilnehmer, die Liquidität nehmen (also Orders aus dem Orderbuch heraus ausführen), erhalten einen Rabatt.

  2. Maker zahlen: Teilnehmer, die Liquidität bereitstellen (also passive Orders platzieren), zahlen eine Gebühr.

Dieses Modell richtet sich an bestimmte institutionelle Handelsstrategien, bei denen es von Vorteil ist, durch sofortige Ausführung Gebühren zu vermeiden oder Rückvergütungen zu erhalten. Damit positioniert sich Nasdaq BX im Wettbewerb mit anderen Plattformen wie Cboe BYX oder NYSE National, die ähnliche Modelle anbieten.

Regulierung und Marktstatus

Nasdaq BX ist bei der Securities and Exchange Commission (SEC) als nationale Wertpapierbörse registriert und unterliegt damit den regulatorischen Anforderungen der US-Börsengesetzgebung, insbesondere:

  • Regulation NMS (National Market System): Vorgaben zur Preisverlinkung, Orderweiterleitung und Gleichbehandlung von Orders.

  • Best Execution und Order Routing Transparenz: Anforderungen zur fairen Ausführung und Dokumentation von Orders.

  • Meldepflichten und Marktdatenpublikation: Veröffentlichung von Orderbuchdaten, Handelsvolumen und Transaktionen in standardisierter Form.

Trotz ihrer Registrierung als nationale Börse hat Nasdaq BX keine eigene Emittentenplattform. Unternehmen können an BX nicht direkt gelistet werden. Stattdessen werden an BX Wertpapiere gehandelt, die an anderen Märkten gelistet sind, vor allem an der Nasdaq Stock Market oder an der NYSE. Damit fungiert Nasdaq BX als sogenannter Unlisted Trading Privilege (UTP) Market, der Zugriff auf sämtliche national gelistete Aktien hat.

Marktteilnehmer und Zugangswege

Der Zugang zu Nasdaq BX steht professionellen Marktteilnehmern offen, darunter:

  • Broker-Dealer mit direkter Mitgliedschaft,

  • algorithmische Handelsfirmen (Algo-Trader),

  • Market Maker,

  • institutionelle Investoren über Broker-Infrastruktur.

Die technische Anbindung erfolgt über dieselben Gateways wie für andere Nasdaq-Märkte. Die einheitliche Schnittstelle vereinfacht die Teilnahme über mehrere Märkte hinweg. Viele Teilnehmer nutzen Nasdaq BX selektiv, um bestimmte Ausführungsbedingungen zu optimieren, etwa durch kostengünstigen Zugriff auf Liquidität oder zur Umsetzung spezialisierter Handelsstrategien.

Rolle im US-Markt und Bedeutung

Obwohl Nasdaq BX gemessen am Handelsvolumen deutlich kleiner ist als die Hauptbörse Nasdaq oder Konkurrenten wie NYSE und Cboe, erfüllt die Plattform eine wichtige Rolle im hoch fragmentierten US-Aktienmarkt. Insbesondere durch ihr alternatives Gebührenmodell trägt sie zur Vielfalt der Ausführungsoptionen bei und ermöglicht Wettbewerb um Transaktionen.

In den USA sind über ein Dutzend nationale Börsen aktiv, ergänzt durch alternative Handelssysteme (ATS) und Dark Pools. Nasdaq BX ist in diesem Umfeld ein ergänzender Handelsplatz, der durch seine spezielle Positionierung insbesondere für bestimmte algorithmische und kostenoptimierte Strategien relevant ist.

Die Plattform bietet außerdem eine zusätzliche Quelle für Marktdaten, Preisbildung und Liquidität. Marktteilnehmer berücksichtigen Nasdaq BX bei Smart-Order-Routing-Systemen, die automatisch den besten Ausführungsplatz auf Basis von Preis, Kosten und Ausführungsgeschwindigkeit wählen.

Fazit

Nasdaq BX ist ein elektronischer Aktienhandelsplatz der Nasdaq-Gruppe mit Ursprung in der Boston Stock Exchange. Heute fungiert die Plattform als sekundäre Börse mit speziellem Gebührenmodell (taker-maker), technologischer Integration in die Nasdaq-INET-Infrastruktur und regulatorischer Anerkennung als nationale Börse. Obwohl Nasdaq BX keine eigene Emittentenplattform betreibt, bietet sie als sogenannter UTP-Markt Zugang zu einer Vielzahl von US-Aktien und erfüllt eine Nischenrolle im Gesamtgefüge der US-Wertpapiermärkte. Ihr Beitrag liegt vor allem in der Förderung von Wettbewerb, Kosteneffizienz und differenzierten Handelsstrategien im elektronischen Börsenhandel.