Nasdaq PSX (Philadelphia Stock Exchange) Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Nasdaq BX (Boston Exchange) Nächster Begriff: NYSE Arca
Ein alternativer Handelsplatz von Nasdaq, der den elektronischen Handel mit Aktien auf Basis der ehemaligen Philadelphia Stock Exchange ermöglicht, um zusätzliche Liquidität und wettbewerbsfähige Preise zu bieten
Nasdaq PSX (Philadelphia Stock Exchange) ist ein US-amerikanischer Aktienhandelsplatz und einer von drei nationalen Wertpapiermärkten, die von der Nasdaq-Gruppe betrieben werden. Die Plattform hat ihren Ursprung in der 1790 gegründeten Philadelphia Stock Exchange (PHLX), der ältesten Börse der Vereinigten Staaten. Heute wird sie unter dem Namen Nasdaq PSX als rein elektronischer Handelsplatz für Aktien betrieben, mit Fokus auf differenzierte Marktmodelle und wettbewerbsfähige Gebührenstrukturen.
Im Gegensatz zur Hauptbörse Nasdaq Stock Market und dem ebenfalls zur Gruppe gehörenden Nasdaq BX (ehemals Boston Exchange) dient Nasdaq PSX als komplementäre Plattform im fragmentierten US-Aktienmarkt, ohne eigene Emittentenfunktion. Stattdessen ermöglicht sie den Handel mit bereits an anderen nationalen Börsen gelisteten Aktien über ein spezielles Order-Matching-Modell.
Historische Entwicklung
Die Philadelphia Stock Exchange wurde 1790 gegründet und war über Jahrhunderte ein zentraler Handelsplatz für Aktien und Derivate in den USA. Im Laufe des 20. Jahrhunderts nahm ihre Bedeutung als regionale Börse sukzessive ab, insbesondere durch die zunehmende Zentralisierung des Aktienhandels in New York und die Entwicklung elektronischer Handelsplattformen.
Im Jahr 2007 wurde die PHLX von Nasdaq, Inc. übernommen. Seitdem wurde der Börsenplatz technologisch modernisiert und vollständig in die Nasdaq-Handelsinfrastruktur integriert. Die Umbenennung in Nasdaq PSX (Philadelphia Stock Exchange) markierte den Wandel zur elektronischen Plattform mit neuem Marktmodell und alternativen Preisbildungsmechanismen.
Technologische Grundlage
Nasdaq PSX basiert – wie alle Nasdaq-Märkte – auf der hochperformanten INET-Handelsplattform, die für ihre niedrige Latenz, hohe Stabilität und skalierbare Architektur bekannt ist. Die Plattform verwendet standardisierte Schnittstellen wie:
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OUCH-Protokoll: Für Ordereingabe und -verwaltung,
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ITCH-Protokoll: Für den Echtzeit-Zugang zu Marktdaten,
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FIX-Protokoll: Für institutionelle Verbindungen.
Die Matching Engine verarbeitet alle Orders nach spezifischen Regeln, die sich vom Standardmodell anderer Nasdaq-Märkte unterscheiden. PSX ist insbesondere bekannt für sein „Price/Time/Priority + Queue Allocation“-Modell, das sowohl Preis- als auch Zeitkomponenten berücksichtigt, aber auch eine gewichtete Verteilung nach Quote-Größe (Quote-Size Pro-Rata) enthalten kann – abhängig vom jeweils geltenden Marktmodell.
Marktmodell und Besonderheiten
Nasdaq PSX wurde ursprünglich eingeführt, um ein alternatives Marktmodell zu etablieren, das sich von den typischen „Price-Time-Priority“-Systemen unterscheidet, die auf den meisten anderen Börsen verwendet werden. Ziel war es, zusätzliche Liquidität zu gewinnen und insbesondere Market Makern sowie größeren Liquiditätsanbietern durch alternative Ausführungslogiken einen Anreiz zu bieten.
In früheren Versionen des PSX-Modells wurde beispielsweise ein „Pro-Rata Allocation“-Modell getestet, bei dem eingehende Orders anteilig auf bereits bestehende Orders verteilt wurden – je nach Größe und Rang. In späteren Phasen wurde das Modell jedoch wieder stärker an die übliche Preis-Zeit-Priorität angepasst, um Interoperabilität mit anderen Märkten zu verbessern und regulatorischen Anforderungen zu entsprechen.
Heute verwendet Nasdaq PSX im Wesentlichen ein leicht modifiziertes Price-Time-Modell mit zusätzlichen Funktionalitäten für:
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Self-Match Prevention: Vermeidung von Eigengeschäften.
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Hidden Orders und Midpoint Peg Orders: Für institutionelle Ausführungen mit minimalem Markteinfluss.
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Intermarket Sweep Orders (ISO): Erlauben Orderausführung auch bei temporärer Verletzung des Best-Execution-Prinzips, sofern andere Märkte bereits berücksichtigt wurden.
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Order Routing Services: Anbindung an andere Märkte zur Sicherstellung der besten Ausführungspreise im Sinne der Regulation NMS.
Rolle im US-Aktienmarkt
Nasdaq PSX ist – wie auch Nasdaq BX – eine nationale Wertpapierbörse gemäß den Bestimmungen der Securities and Exchange Commission (SEC). Die Plattform besitzt jedoch keine eigene Emittentenliste, sondern verarbeitet ausschließlich den Handel mit Aktien, die an anderen US-Börsen zugelassen sind. Dieser sogenannte Unlisted Trading Privilege (UTP) erlaubt es national anerkannten Börsen, Wertpapiere auf Zweitplätzen zu handeln, was zu einer höheren Marktliquidität und mehr Ausführungsoptionen führt.
Im stark fragmentierten US-Markt konkurriert PSX mit anderen Handelsplätzen wie:
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NYSE National,
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Cboe BYX und Cboe EDGA,
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IEX,
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sowie mit alternativen Handelssystemen (ATS) und Dark Pools.
PSX spielt insbesondere für algorithmische Händler, Smart Order Router und Liquiditätsanbieter eine Rolle, die von der Differenzierung der Marktmodelle profitieren möchten.
Zugangswege und Marktteilnehmer
Der Zugang zu Nasdaq PSX steht professionellen Marktteilnehmern offen:
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Broker-Dealer mit direkter Zulassung,
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institutionelle Investoren über Broker-Infrastruktur,
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Market Maker und algorithmische Handelsfirmen.
Die technische Anbindung erfolgt über dieselben Kanäle wie bei anderen Nasdaq-Märkten. Die gemeinsame INET-Plattform erleichtert den Multimarkt-Zugang und reduziert technische Komplexität.
Regulatorische Einbindung
Als registrierte Börse unterliegt Nasdaq PSX allen regulatorischen Anforderungen der SEC, insbesondere:
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Regulation NMS (National Market System): Vorschriften zur Preisverlinkung, Transparenz und Gleichbehandlung.
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Regulation ATS und Best Execution Rules: Anforderungen an faire und effiziente Orderausführung.
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Regelmäßige Transparenzberichte: Offenlegung von Handelsvolumen, Transaktionen, Preisqualität und Quote-Ausführungen.
Zusätzlich ist Nasdaq PSX an den nationalen Consolidated Tape Plans beteiligt, die zur Aggregation und Verbreitung von Marktdaten dienen.
Bedeutung und Perspektiven
Nasdaq PSX ist ein spezialisiertes Marktsegment innerhalb des breiten Spektrums der US-Wertpapiermärkte. Die Plattform bietet ergänzende Liquidität, alternative Preisbildungsmodelle und differenzierte Ausführungslogiken für Marktteilnehmer mit spezifischen Anforderungen. Obwohl das gehandelte Volumen im Vergleich zur Hauptbörse gering ist, trägt PSX zur Gesamtliquidität bei und erhöht den Wettbewerb um Orderausführungen.
Die Plattform ist integraler Bestandteil von Smart-Order-Routing-Strategien vieler institutioneller Marktteilnehmer und dient als Instrument zur Optimierung von Handelskosten. Sie profitiert von der technologischen Stärke der Nasdaq-Gruppe und kann flexibel an neue Marktbedingungen angepasst werden.
Fazit
Nasdaq PSX ist eine elektronische US-Börse mit historischen Wurzeln in der Philadelphia Stock Exchange und heute Teil der Nasdaq-Gruppe. Die Plattform bietet ein alternatives Marktmodell für den Aktienhandel, das sich durch technologisch differenzierte Orderausführungsmechanismen und ein spezielles Gebührenmodell auszeichnet. Als sekundärer Handelsplatz ohne eigene Emittentenliste ergänzt PSX das Angebot im US-Aktienhandel durch zusätzliche Liquidität und Wahlmöglichkeiten für professionelle Marktteilnehmer. Ihre Rolle liegt weniger in der Volumenführerschaft, sondern in der funktionalen Diversifizierung innerhalb eines hochdynamischen und fragmentierten Börsenumfelds.