National Currency Act (1863) Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Eigenkapitalveränderungsrechnung Nächster Begriff: National Bank Act (1864)

Ein US-amerikanisches Gesetz, das die Schaffung eines nationalen Bankensystems ermöglichte, eine einheitliche Währung durch Banknoten einführte, die durch Staatsanleihen gesichert waren, und die Nachfrage nach Staatsobligationen während des Bürgerkriegs steigerte

Der National Currency Act von 1863 war ein zentrales Gesetz in der Geschichte des US-amerikanischen Bank- und Währungssystems. Es wurde während des Amerikanischen Bürgerkriegs (1861–1865) verabschiedet und markierte den Übergang von einem dezentralen, von Einzelstaaten geprägten Bankwesen hin zu einem stärker zentralisierten System unter Bundesaufsicht. Ziel des Gesetzes war es, ein einheitliches nationales Währungssystem zu schaffen, die Finanzierung des Bürgerkriegs zu sichern und das Vertrauen in Banknoten zu erhöhen. Der National Currency Act bildete die Grundlage für die spätere Einführung des National Banking Systems und wurde bereits 1864 durch den umfassenderen National Bank Act ersetzt, dessen Kerninhalte jedoch auf dem ursprünglichen Gesetz basierten.

Historischer Kontext

Vor der Verabschiedung des National Currency Act existierte in den Vereinigten Staaten ein uneinheitliches Währungssystem. Banknoten wurden von zahlreichen staatlich lizenzierten Privatbanken ausgegeben, die auf Ebene der Bundesstaaten reguliert wurden. Diese sogenannten „State Banks“ emittierten eigene Banknoten, die durch unterschiedliche Vermögenswerte gedeckt waren und nicht überall als Zahlungsmittel akzeptiert wurden. Dies führte zu einem fragmentierten Zahlungsverkehr, mangelndem Vertrauen in viele Banknoten sowie erheblichen Schwierigkeiten bei überregionalen Handelsbeziehungen.

Mit dem Ausbruch des Bürgerkriegs verschärfte sich die finanzielle Lage der Bundesregierung. Die Union benötigte neue Wege zur Kriegsfinanzierung, insbesondere durch die Ausgabe von Staatsanleihen und die Schaffung eines zuverlässigen Währungssystems. Der damalige US-Finanzminister Salmon P. Chase war maßgeblich an der Konzeption des Gesetzes beteiligt.

Wesentliche Inhalte des National Currency Act

Der National Currency Act, der im Februar 1863 vom US-Kongress verabschiedet wurde, enthielt mehrere zentrale Bestimmungen zur Reform des Bankensystems:

  1. Schaffung nationaler Banken
    Das Gesetz erlaubte die Gründung von sogenannten National Banks, die vom Bund reguliert und zugelassen wurden. Diese Banken mussten bestimmte Eigenkapitalanforderungen erfüllen und sich einer bundesweiten Aufsicht unterstellen.

  2. Herausgabe von nationalen Banknoten
    Nationale Banken durften Banknoten emittieren, die durch den Erwerb von US-Staatsanleihen gedeckt sein mussten. Diese Noten wurden vom Bundesfinanzministerium geprüft und über eine zentrale Druckerei hergestellt.

  3. Deckungspflicht mit Staatsanleihen
    Um Banknoten herauszugeben, mussten die Nationalbanken eine entsprechende Menge an US-Staatsanleihen beim Finanzministerium hinterlegen. Diese Regelung diente nicht nur der Absicherung der Banknoten, sondern auch der direkten Kriegsfinanzierung.

  4. Bundesaufsicht und Bankenregulierung
    Das Gesetz schuf das Amt des Comptroller of the Currency, eine bundesstaatliche Aufsichtsbehörde innerhalb des Finanzministeriums, die für die Zulassung und Überwachung der Nationalbanken zuständig war.

  5. Standardisierung der Währung
    Die neu geschaffenen Banknoten waren landesweit akzeptiert, einheitlich gestaltet und staatlich garantiert. Dadurch wurde das Vertrauen in Papiergeld erheblich gestärkt und der bargeldbasierte Zahlungsverkehr vereinfacht.

Ziele und wirtschaftspolitische Wirkung

Das zentrale Ziel des National Currency Act war es, ein einheitliches, stabiles und sicheres Währungssystem zu etablieren. Zugleich verfolgte die Bundesregierung fiskalische Interessen, indem sie durch die Deckungspflicht der Banknoten eine konstante Nachfrage nach Staatsanleihen erzeugte. Damit trug das Gesetz wesentlich zur Finanzierung der Union im Bürgerkrieg bei.

Die Einführung nationaler Banknoten reduzierte die Zahl der im Umlauf befindlichen, uneinheitlichen und oft wertunsicheren „State Bank Notes“. Gleichzeitig förderte das Gesetz die Konzentration des Bankwesens auf Bundesebene, was langfristig zu einer stärkeren Zentralisierung des Finanzsystems führte.

Kritik und Grenzen

Trotz seiner weitreichenden Bedeutung wurde der National Currency Act auch kritisch betrachtet:

  1. Benachteiligung der State Banks
    Die neuen nationalen Banken erhielten steuerliche und regulatorische Vorteile, wodurch viele State Banks unter Druck gerieten. Dies führte zu einem schrittweisen Bedeutungsverlust der dezentralen Bankenlandschaft.

  2. Kapitalanforderungen
    Die gesetzlich geforderten Mindestkapitalanforderungen für Nationalbanken waren relativ hoch. Dadurch konnten sich kleinere Banken, insbesondere in ländlichen Regionen, die Umstellung oft nicht leisten.

  3. Begrenzter Umfang der Reform
    Der National Currency Act regelte ausschließlich das Bankwesen und die Währungsausgabe, schuf jedoch noch kein zentrales Notenbanksystem im heutigen Sinne. Die Notenemission blieb dezentral auf die Nationalbanken verteilt, wenn auch unter bundeseinheitlicher Kontrolle.

Weiterentwicklung: National Bank Act von 1864

Bereits im Jahr 1864 wurde der National Currency Act durch den National Bank Act ersetzt, der die bestehenden Regelungen erweiterte, konkretisierte und dauerhaft verankerte. Viele Grundelemente – wie die bundesweite Bankenlizenz, die Deckungspflicht mit Staatsanleihen und die Rolle des Comptroller of the Currency – blieben jedoch bestehen.

Der National Bank Act stellte somit die konsolidierte Weiterentwicklung des ursprünglichen Gesetzes dar und war über Jahrzehnte das Fundament des US-amerikanischen Bankensystems, bis zur Einführung der Federal Reserve im Jahr 1913.

Fazit

Der National Currency Act von 1863 war ein historisch bedeutender Schritt zur Standardisierung der US-Währung, zur Zentralisierung der Bankenaufsicht und zur Finanzierung der Bundesregierung während des Bürgerkriegs. Mit der Einführung nationaler Banken und einheitlicher, durch Staatsanleihen gedeckter Banknoten wurde ein neues, vertrauenswürdiges Währungssystem geschaffen, das die zersplitterte Landschaft der State Banks schrittweise ablöste. Trotz einiger struktureller Schwächen war das Gesetz ein Meilenstein auf dem Weg zu einem zentral regulierten Bankensystem in den Vereinigten Staaten. Seine Grundprinzipien wurden im nachfolgenden National Bank Act weiterentwickelt und bildeten über Jahrzehnte die Grundlage des US-amerikanischen Finanzwesens.