National Recovery Administration (NRA) Börsenlexikon Vorheriger Begriff: National Industrial Recovery Act (NIRA) Nächster Begriff: Bank Holiday von 1933

Ein ambitionierter Versuch, die Wirtschaft durch staatliche Regulierung zu stabilisieren

Die National Recovery Administration (NRA) war eine zentrale Regierungsbehörde der Vereinigten Staaten, die 1933 im Rahmen des New Deal unter Präsident Franklin D. Roosevelt gegründet wurde. Sie wurde durch den National Industrial Recovery Act (NIRA) ins Leben gerufen und hatte das Ziel, die US-Wirtschaft während der Großen Depression durch Regulierung von Industrie und Arbeitsmarkt zu stabilisieren.

Hintergrund und Notwendigkeit der NRA

Die Weltwirtschaftskrise, die 1929 mit dem Börsencrash begann, hatte die US-Industrie schwer getroffen. Die industrielle Produktion war stark gesunken, Unternehmen mussten schließen, und die Arbeitslosigkeit stieg auf über 25 %. In dieser Situation kam es zu einem verstärkten Wettbewerb, in dem Unternehmen versuchten, sich durch Lohnsenkungen und Preiskämpfe über Wasser zu halten. Dies führte zu einer deflationären Spirale, in der sinkende Löhne die Kaufkraft der Bevölkerung reduzierten, wodurch die Nachfrage weiter einbrach.

Die US-Regierung suchte nach einer Möglichkeit, die Wirtschaft zu stabilisieren, Arbeitsplätze zu schaffen und gerechtere Arbeitsbedingungen zu schaffen. Der National Industrial Recovery Act (NIRA) von 1933 sollte diese Probleme durch staatliche Regulierung der Industrie lösen. Die National Recovery Administration wurde als ausführendes Organ des NIRA geschaffen, um diese Maßnahmen zu überwachen und durchzusetzen.

Ziele und Aufgaben der NRA

Die NRA hatte drei zentrale Ziele:

  1. Regulierung der Industrie: Durch die Einführung von „Codes of Fair Competition“ (Wettbewerbsrichtlinien) sollten ruinöse Konkurrenzkämpfe vermieden und die industrielle Produktion stabilisiert werden.
  2. Verbesserung der Arbeitsbedingungen: Durch Mindestlöhne, Höchstarbeitszeiten und das Recht auf Gewerkschaftsbildung sollte die Situation der Arbeiter verbessert werden.
  3. Förderung der Kaufkraft: Durch höhere Löhne und stabilisierte Preise sollte die Nachfrage nach Gütern gesteigert werden, um die Wirtschaft anzukurbeln.

Umsetzung und Maßnahmen

Die NRA setzte auf freiwillige Teilnahme der Unternehmen, um die neuen Industrievorschriften umzusetzen. Unternehmen, die sich den Regeln unterwarfen, durften das „Blue Eagle“-Logo der NRA führen, das als Zeichen wirtschaftlicher Fairness und Patriotismus galt.

Zu den wichtigsten Maßnahmen der NRA gehörten:

  • Wettbewerbsregeln für Industrien: Unternehmen mussten Mindestpreise festlegen, um exzessiven Preiswettbewerb zu verhindern.
  • Mindestlöhne und Höchstarbeitszeiten: Dies sollte sicherstellen, dass mehr Menschen zu fairen Bedingungen arbeiten konnten.
  • Schutz der Gewerkschaften: Arbeitnehmer erhielten das Recht, sich gewerkschaftlich zu organisieren und Tarifverhandlungen zu führen.
  • Regulierung der Produktionsmengen: Um Überproduktion zu vermeiden und Preise stabil zu halten, wurden teilweise Produktionsbeschränkungen eingeführt.

Erfolge und Herausforderungen

Die NRA hatte kurzfristig einige positive Auswirkungen:

  • Erhöhung der Löhne: Millionen von Arbeitern profitierten von den Mindestlohnbestimmungen.
  • Verkürzung der Arbeitszeit: Durch die Begrenzung der Wochenarbeitszeit entstanden neue Arbeitsplätze.
  • Wiederbelebung der Wirtschaft: Durch höhere Einkommen und stabilisierte Preise wurde die Nachfrage leicht angekurbelt.

Dennoch gab es erhebliche Probleme:

  • Komplexität und Bürokratie: Die Umsetzung der Regeln war schwierig, da viele Branchen unterschiedliche Anforderungen hatten.
  • Widerstand von Unternehmen: Viele Unternehmen kritisierten die Einmischung der Regierung in ihre Geschäftsprozesse.
  • Ungleichheiten zwischen Branchen: Während einige Industrien von der Regulierung profitierten, fühlten sich andere benachteiligt.
  • Mangelnde Durchsetzbarkeit: Da die Teilnahme an den Programmen weitgehend freiwillig war, hielten sich nicht alle Unternehmen an die Vorschriften.

Verfassungsrechtliche Anfechtung und Auflösung

Die NRA war nur zwei Jahre aktiv, bevor sie 1935 vom Obersten Gerichtshof der USA im Fall Schechter Poultry Corp. v. United States für verfassungswidrig erklärt wurde. Das Gericht argumentierte, dass der Kongress mit dem NIRA dem Präsidenten zu viel Macht übertragen hatte, insbesondere in der Regulierung der Wirtschaft. Dies bedeutete das Ende der NRA, doch viele ihrer Prinzipien wurden später in neuen Gesetzen wie dem Wagner Act (1935) und dem Fair Labor Standards Act (1938) weitergeführt.

Fazit

Die National Recovery Administration war ein ambitionierter Versuch, die Wirtschaft durch staatliche Regulierung zu stabilisieren. Während sie einige kurzfristige Erfolge erzielte, litt sie unter bürokratischen Problemen und verfassungsrechtlichen Herausforderungen. Dennoch hinterließ sie ein bedeutendes Erbe, insbesondere im Bereich der Arbeitnehmerrechte und der staatlichen Wirtschaftspolitik. Ihre Ideen flossen in spätere Reformen ein, die langfristig die Grundlage für die moderne Arbeitsgesetzgebung in den USA bildeten.