NEP-199 (Near) Börsenlexikon Vorheriger Begriff: NEP-129 (Near) Nächster Begriff: Nethermind
Eine Erweiterung für NFT-Verträge auf der NEAR-Blockchain, die Methoden zur Auszahlungsverteilung definiert, um flexible und standardisierte Royalty-Zahlungen an mehrere Empfänger bei Token-Verkäufen zu ermöglichen
NEP-199 ist ein technischer Standard des NEAR-Protokolls, der die Behandlung von Lizenzgebühren („Royalties“) bei Non-Fungible Tokens (NFTs) regelt. Er wurde als optionale Erweiterung zum NFT-Hauptstandard NEP-171 entwickelt und ermöglicht es, dass beim Weiterverkauf eines NFTs automatisch ein Teil des Verkaufserlöses an definierte Empfänger – in der Regel den ursprünglichen Ersteller – ausgeschüttet wird. NEP-199 ist damit ein zentraler Baustein für faire Vergütungsmechanismen im NFT-Ökosystem von NEAR und unterstützt insbesondere Künstler, Content Creator und Plattformbetreiber.
Ziel und Motivation
NFTs repräsentieren digitale Eigentumsrechte an einzigartigen digitalen Gütern wie Kunstwerken, Musik, virtuellen Sammlerstücken oder Spielobjekten. Ein zentrales Versprechen von NFTs besteht darin, Urhebern eine dauerhafte Teilhabe am wirtschaftlichen Erfolg ihrer Werke zu ermöglichen. In vielen Ökosystemen ist dieses Versprechen jedoch nur unvollständig umgesetzt, da Lizenzgebühren bei Weiterverkäufen nicht standardisiert, nicht durchsetzbar oder nur eingeschränkt implementiert sind.
NEP-199 adressiert genau dieses Problem, indem es einheitlich definiert, wie Lizenzgebühren beim Verkauf eines NFTs auf Smart-Contract-Ebene verarbeitet werden können. Das Ziel ist es, die technische Grundlage für transparente, automatisierte und interoperable Royalties zu schaffen – unabhängig davon, auf welchem Marktplatz ein NFT verkauft wird.
Grundprinzipien von NEP-199
Der Standard definiert ein System, mit dem ein NFT-Contract dauerhaft festlegen kann, welche Konten beim Weiterverkauf eines Tokens einen bestimmten prozentualen Anteil des Verkaufserlöses erhalten sollen. Diese Informationen werden in einem Royalty-Mapping gespeichert und bei jeder Transaktion, die das Token involviert, berücksichtigt.
Zentrale Eigenschaften:
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Creator-Royalties: Die ursprünglichen Ersteller eines NFTs können eine Lizenzgebühr definieren, die sie bei jedem Weiterverkauf erhalten.
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Mehrere Empfänger: Die Lizenzgebühren können auf mehrere Konten verteilt werden (z. B. Künstler, Plattform, Co-Autor).
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Prozentsätze als Basis: Royalties werden als Prozentwerte angegeben (in Basispunkten, also 1 % = 100).
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Off-Chain-Interpretation: Die tatsächliche Zahlung der Lizenzgebühren erfolgt nicht automatisch, sondern muss von Marktplätzen aktiv unterstützt werden, die die Informationen interpretieren und anwenden.
Technische Umsetzung
Der Standard führt eine spezielle Datenstruktur in das Metadatenmodell des Tokens ein. Diese kann beispielsweise wie folgt aussehen:
pub type Payout = HashMap<AccountId, u32>;
Hier steht jeder Schlüssel für eine Wallet-Adresse (AccountId) und der zugehörige Wert für die Anteilshöhe in Basispunkten (1/10.000). Die Summe aller Anteile darf 10.000 nicht überschreiten (entspricht 100 %).
Methode: nft_payout
fn nft_payout(
token_id: TokenId,
balance: U128,
max_len_payout: u32
) -> Payout;
Diese Methode berechnet, wie der Verkaufserlös (balance) auf verschiedene Empfänger aufzuteilen ist, basierend auf den in der Token-Struktur hinterlegten Royalties. Der Parameter max_len_payout legt eine Obergrenze für die Anzahl der Rückgabewerte fest, um Speicherüberlastung zu vermeiden.
Beispielhafte Rückgabe:
{
"artist.near": 500,
"platform.near": 250
}
Das bedeutet, dass beim Weiterverkauf eines Tokens zu einem Preis von z. B. 10 NEAR:
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0,5 NEAR an den Künstler,
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0,25 NEAR an die Plattform,
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der Rest (9,25 NEAR) an den Verkäufer geht.
Methode: nft_transfer_payout
fn nft_transfer_payout(
receiver_id: AccountId,
token_id: TokenId,
approval_id: Option<u64>,
memo: Option<String>,
balance: U128,
max_len_payout: u32
) -> Payout;
Diese Funktion kombiniert einen Transfer mit der Berechnung der Payouts. Sie wird in der Regel vom Marktplatz aufgerufen, um beim Verkaufsprozess alle Beteiligten korrekt zu vergüten. Der Token wird dabei übertragen, und der Smart Contract gibt die Aufteilung des Verkaufserlöses zurück. Die tatsächliche Auszahlung erfolgt jedoch durch den Marktplatz oder das aufrufende System.
Rolle der Marktplätze
Ein entscheidender Aspekt von NEP-199 ist, dass der Smart Contract nur die Logik zur Berechnung der Royalties bereitstellt, nicht aber die Auszahlung selbst durchführt. Daher ist die Unterstützung durch NFT-Marktplätze erforderlich, damit das System effektiv funktioniert. Marktplätze müssen:
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Die Methode
nft_payoutodernft_transfer_payoutaufrufen. -
Die erhaltene Payout-Struktur interpretieren.
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Die Token-Verteilung an die jeweiligen Accounts vornehmen.
Bekannte Marktplätze auf NEAR wie Paras, Mintbase oder Few and Far unterstützen NEP-199 (ganz oder teilweise), wodurch Künstler zuverlässig an Zweitverkäufen partizipieren können.
Vorteile des Standards
Die Einführung von NEP-199 bietet mehrere konkrete Vorteile für das NEAR-Ökosystem:
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Fairness für Urheber: Kreative erhalten eine dauerhafte Beteiligung am wirtschaftlichen Erfolg ihrer Werke.
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Transparenz: Die Lizenzstruktur ist im Smart Contract öffentlich einsehbar und unveränderlich.
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Interoperabilität: Marktplätze und andere DApps können auf eine standardisierte Logik zugreifen.
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Flexibilität: Mehrere Empfänger, variable Prozentsätze und Payout-Grenzen erlauben differenzierte Vergütungsmodelle.
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Rechtliche Klarheit: Die explizite Darstellung von Royalties kann mit realweltlichen Lizenzmodellen kombiniert werden.
Herausforderungen und Grenzen
Trotz seiner Vorteile ist NEP-199 kein automatisches Zahlungssystem. Der Standard ist nicht durchsetzbar auf Blockchain-Ebene, sondern beruht auf der Kooperation der Marktplätze. Wenn ein Marktplatz die nft_payout-Methode ignoriert oder manipuliert, sind die Urheberrechte technisch nicht durchsetzbar.
Weitere Herausforderungen:
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Off-Chain-Compliance: Rechtlich bindende Lizenzverträge müssen separat geregelt werden.
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Grenzen bei der Anzahl von Empfängern: Der Parameter
max_len_payoutschränkt die Zahl der möglichen Royalty-Empfänger ein. -
Speicherverbrauch: Die Verwaltung umfangreicher Royalty-Informationen verursacht zusätzlichen Speicherbedarf, der auf NEAR mit Kosten verbunden ist (siehe NEP-145).
Fazit
NEP-199 ist ein essenzieller Bestandteil der NEAR-NFT-Infrastruktur, der die transparente und faire Verteilung von Lizenzgebühren bei NFT-Weiterverkäufen ermöglicht. Der Standard ergänzt den NFT-Hauptstandard NEP-171 sowie den Metadatenstandard NEP-177 und bildet mit ihnen zusammen ein vollständiges, modulares System zur Verwaltung digitaler Eigentumsrechte. Während die tatsächliche Auszahlung der Royalties nicht direkt auf Protokollebene erfolgt, schafft NEP-199 die nötige technische Grundlage für eine breite Akzeptanz und faire Vergütung im kreativen Web3-Bereich. Die Verbreitung und Unterstützung durch Marktplätze bleibt dabei ein entscheidender Erfolgsfaktor.