OHM-Token (Olympus) Börsenlexikon Vorheriger Begriff: xGEIST Nächster Begriff: Aave v2

Ein nativer Token der OlympusDAO-Plattform auf der Ethereum-Blockchain, der durch eine Treasury rückgedeckt ist, für Staking, Bonding und Governance verwendet wird und als dezentrale Reservewährung dient

OHM-Token ist der native Token des dezentralen Finanzprotokolls OlympusDAO, das mit dem Ziel angetreten ist, eine algorithmisch gesteuerte, nicht an Fiat-Währungen gekoppelte Reservewährung zu etablieren. Das Protokoll wurde ursprünglich auf Ethereum gestartet und nutzt einen innovativen Mechanismus, der sich von klassischen Stablecoins oder spekulativen Kryptowährungen unterscheidet. OHM ist weder eine Stablecoin noch eine traditionelle volatile Kryptowährung, sondern strebt eine wertgedeckte, aber nicht wertgebundene Rolle an.

Grundprinzip: Reservegedeckte Währung

Im Zentrum des Konzepts steht die Idee, dass jeder OHM-Token durch Vermögenswerte in der Olympus-Treasury gedeckt ist. Dabei handelt es sich primär um liquiden Krypto-Vermögenswerte wie DAI, FRAX oder andere Stablecoins, die durch das Protokoll kontrolliert werden. Im Unterschied zu Stablecoins wie USDC, die einen fixen Wertbezug zum US-Dollar aufweisen, wird OHM durch einen Bodenwert (Backing Price) abgesichert, nicht aber auf einen bestimmten Zielpreis stabilisiert.

Das Ziel ist eine unabhängige, durch Nachfrage und Treasury-Balance bestimmte Währungsform, die als Reservewährung innerhalb der dezentralen Finanzmärkte fungieren kann. Das Protokoll verfolgt damit einen sogenannten Free-Floating Reserve Currency Ansatz.

Bonding-Mechanismus

Ein zentrales Element des OlympusDAO-Ökosystems ist der sogenannte Bonding-Mechanismus, durch den Nutzer dem Protokoll Vermögenswerte (z. B. DAI oder LP-Tokens) zur Verfügung stellen und im Gegenzug OHM zu einem vergünstigten Preis erhalten können. Dieser Mechanismus ersetzt die traditionelle Methode der Liquiditätsanreize über Mining oder Farming.

Der Ablauf erfolgt in mehreren Schritten:

  1. Ein Nutzer kauft einen Bond, indem er dem Protokoll eine bestimmte Menge an Reservewerten (z. B. DAI) überlässt.

  2. Im Gegenzug erhält er eine zugesagte Menge OHM, die über einen Zeitraum (in der Regel 5 Tage) linear freigegeben wird.

  3. Durch diesen Mechanismus erhöht Olympus seine Treasury-Balance und kontrolliert die eigene Liquidität, da sie selbst Eigentümer der erhaltenen Vermögenswerte wird.

Dieses Konzept wird auch als Protocol-Owned Liquidity (POL) bezeichnet und stellt einen Paradigmenwechsel im DeFi-Design dar: Anstatt auf externe Liquiditätsanbieter angewiesen zu sein, besitzt OlympusDAO seine eigene Liquidität und minimiert so Abhängigkeiten und Kapitalflucht.

Staking und Rebase-Mechanismus

Ein weiterer Kernaspekt ist das Staking-Modell in Kombination mit einem sogenannten Rebase-Mechanismus. Nutzer, die OHM halten, können diese im Protokoll staken und erhalten im Gegenzug eine steigende Menge an OHM-Token. Die Zunahme der Token basiert auf einer automatischen Rebase-Funktion, die in festen Intervallen (ursprünglich alle 8 Stunden) erfolgt.

Die ausgeschüttete Belohnung wird anteilig an alle Staker verteilt und basiert auf dem Überschuss zwischen den in der Treasury gehaltenen Vermögenswerten und den im Umlauf befindlichen OHM-Tokens. Solange die Treasury einen Überschuss aufweist, generiert das Protokoll neue OHM-Tokens und verteilt diese an die Staker. Dieser Mechanismus führt zu einem starken Anstieg der OHM-Menge bei konstantem Halten, was auch als autokomponierender Zins bezeichnet wird.

Die mathematische Logik dahinter ist auf langfristiges Wachstum ausgerichtet. Dabei gilt:

$$ \text{Neue OHM-Menge (nach Rebase)} = \text{Alte OHM-Menge} \times (1 + r) $$

wobei \( r \) die Rebase-Rate ist, die sich dynamisch nach der Treasury-Rendite richtet.

Preisvolatilität und langfristige Zielsetzung

Trotz der genannten Mechanismen unterliegt der OHM-Token in der Praxis hoher Volatilität. Die Preisentwicklung hängt maßgeblich vom Vertrauen in die langfristige Werterhaltung, die Renditeerwartungen und die makroökonomische Entwicklung im DeFi-Sektor ab.

Die Idee einer Reservewährung impliziert nicht notwendigerweise einen stabilen Preis, sondern einen langfristig ansteigenden inneren Wert, der durch die Treasury gedeckt ist. Der Tokenpreis kann über dem sogenannten Backing Price liegen (Premium), unterliegt jedoch keinen externen Stabilitätsmechanismen wie etwa einem Peg zum US-Dollar.

Das Protokoll signalisiert langfristig, dass der intrinsische Wert eines OHM mindestens dem durch die Treasury gedeckten Wert entsprechen soll:

$$ \text{Wertuntergrenze OHM} \geq \frac{\text{Treasury-Assets}}{\text{OHM im Umlauf}} $$

Governance durch die DAO

OlympusDAO ist eine dezentralisierte autonome Organisation, in der alle Protokolländerungen durch Governance-Abstimmungen entschieden werden. Staker, die OHM in Form von sOHM (staked OHM) halten, haben dabei die Möglichkeit, über Änderungen im Bonding-Modell, in der Treasury-Verwaltung oder bei strategischen Partnerschaften abzustimmen.

Mit zunehmender Verbreitung hat Olympus zudem Konzepte wie Olympus Pro eingeführt, bei denen andere DeFi-Projekte das Bonding-Modell adaptieren können, um eigene Protocol-Owned Liquidity zu generieren. Damit agiert das Protokoll nicht nur als Währungsplattform, sondern auch als Infrastrukturgeber innerhalb des DeFi-Sektors.

Kritik und Risiken

Trotz der Innovationskraft des OHM-Modells gibt es mehrere kritische Punkte, die mit dem Token verbunden sind:

  1. Hyperinflationärer Charakter: Durch den Rebase-Mechanismus steigt die Anzahl an OHM schnell an, was bei fallender Nachfrage zu massiven Preisverlusten führen kann.

  2. Ponzi-ähnliche Anreize: Kritiker argumentieren, dass das frühe Staking hohe Renditen verspricht, die durch spätere Nutzer finanziert werden – eine Struktur, die bei abnehmender Nachfrage instabil werden kann.

  3. Komplexität und Intransparenz: Das wirtschaftliche Modell erfordert tiefes Verständnis, was für viele Nutzer eine Hürde darstellt.

  4. Governance-Zentralisierung: Frühzeitige Investoren oder Großhalter haben signifikanten Einfluss auf Abstimmungen, was der Dezentralitätsidee widersprechen kann.

Insbesondere während Korrekturphasen an den Kryptomärkten wurde deutlich, dass das Vertrauen in das langfristige Potenzial des OHM-Tokens stark schwanken kann.

Fazit

Der OHM-Token stellt einen neuartigen Versuch dar, eine durch Vermögenswerte gedeckte, algorithmisch gesteuerte Reservewährung im dezentralen Finanzsystem zu etablieren. Durch die Kombination aus Bonding, Staking, Rebase und Protocol-Owned Liquidity wird ein alternatives geldpolitisches Modell erprobt, das sich grundlegend von klassischen Stablecoins und volatilen Tokens unterscheidet. Während OHM in der Theorie durch ein innovatives Wirtschaftsmodell überzeugt, zeigt die Praxis erhebliche Risiken und Herausforderungen, insbesondere in Bezug auf Inflation, Marktvertrauen und Governance-Strukturen. Dennoch hat OlympusDAO mit OHM einen wichtigen Impuls im DeFi-Sektor gesetzt und neue Denkansätze für die Gestaltung digitaler Währungen geschaffen.