Eine dezentrale Finanzplattform, die den OHM-Token als rückgedeckte Währung nutzt, um durch Staking, Bonding und Treasury-Management eine stabile Wertaufbewahrung im DeFi-Ökosystem zu schaffen
OlympusDAO ist ein dezentrales Finanzprotokoll (DeFi), das 2021 auf der Ethereum-Blockchain eingeführt wurde und ein neuartiges Konzept eines algorithmischen, durch Krypto-Assets gedeckten Reservewährungssystems verfolgt. Ziel des Projekts ist es, mit dem nativen Token OHM eine stabile, aber nicht an Fiat-Währungen gekoppelte dezentrale Währung zu schaffen, die langfristig als zensurresistentes Wertaufbewahrungsmittel fungieren soll. Dabei unterscheidet sich OlympusDAO grundlegend von klassischen Stablecoin-Protokollen und DeFi-Mechanismen wie Lending oder AMM.
Grundprinzip: OHM als wertgedeckte Reservewährung
Die zentrale Idee von OlympusDAO besteht darin, eine sogenannte freie Reservewährung zu etablieren. Im Unterschied zu Stablecoins wie USDC oder DAI, die an den US-Dollar gebunden sind, soll OHM nicht an einen festen externen Wert gekoppelt sein. Stattdessen soll sein Wert durch einen dynamischen intrinsischen Bodenpreis gestützt werden, der sich aus den in der Treasury (Schatzkammer) hinterlegten Reserven ergibt.
Die Schatzkammer hält verschiedene Assets – typischerweise DAI, FRAX, LUSD oder auch Liquiditätspositionen – und garantiert, dass jeder OHM-Token mindestens durch einen Wert von 1 USD gedeckt ist. Sobald OHM unter diesen Wert fällt, kann das Protokoll eigene Token zurückkaufen und so den Preis stabilisieren. Steigt der Preis über diesen Wert, nutzt OlympusDAO die Differenz, um weiteres Kapital in die Treasury aufzunehmen.
Staking und Rebase-Mechanismus
Ein zentrales Element der Protokollökonomie ist das sogenannte Staking, das auf einem Rebase-Modell basiert. Nutzer, die OHM staken, erhalten regelmäßig neue OHM-Token, die durch eine kontrollierte Expansion der Tokenmenge entstehen. Dieser Prozess erfolgt typischerweise alle acht Stunden und basiert auf einem festen Rebase-Satz, der jedoch im Zeitverlauf angepasst wird.
Die Logik hinter dem Rebase-System lässt sich wie folgt zusammenfassen:
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Neue OHM werden geprägt, wenn die Schatzkammer übergedeckt ist.
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Diese neuen Token werden ausschließlich an stakende Nutzer verteilt.
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Die Erträge der Staker basieren auf dem Anteil am Gesamtvolumen der gestakten OHM.
Dieser Mechanismus hat zur Folge, dass das Protokoll nicht auf externe Anreize wie Liquidity Mining oder Governance-Tokens angewiesen ist, sondern seine eigene Nachfrage intern aufrechterhält – durch die Aussicht auf steigende OHM-Bestände bei dauerhaftem Staking.
Die Rolle der Treasury
Die Treasury ist das Herzstück von OlympusDAO. Sie sammelt Einnahmen aus Bonding-Mechanismen und dem Verkauf von OHM über dem intrinsischen Wert. Diese Mittel dienen zur Stabilisierung des Tokenwerts, zur Finanzierung von Protokollentwicklungen und zur Generierung zusätzlicher Renditen.
In der Frühphase basierte das Wachstum des Protokolls maßgeblich auf dem Bonding-Modell, bei dem Nutzer Token wie DAI oder LP-Tokens zu einem Abschlag gegen OHM eintauschen konnten. Diese Bonds wurden mit einer Sperrfrist versehen und halfen, die Treasury mit stabilen Assets aufzufüllen. Im Gegenzug wurde der Marktpreis von OHM gestützt und ein sogenannter Protocol Owned Liquidity (POL)-Ansatz etabliert.
POL bedeutet, dass OlympusDAO einen Großteil der Liquidität selbst kontrolliert – etwa in Form von OHM-DAI-LP-Tokens auf dezentralen Börsen. Dadurch sinkt die Abhängigkeit von externen Liquiditätsanbietern und die Gebühren aus dem Handel fließen direkt an das Protokoll.
ve(3,3)-Narrativ und Metagovernance
OlympusDAO prägte maßgeblich das sogenannte (3,3)-Narrativ, das auf einem Spieltheorie-Modell basiert. Die Idee: Wenn alle Marktteilnehmer gleichzeitig staken (also langfristig investieren), erzielt das gesamte System den höchsten Nutzen. Die Kombination aus Staking (3) und Bonding (3) ergibt in diesem Modell die maximale kollektive Belohnung – daher die Kurzform (3,3).
Dieses Narrativ wurde zum Grundstein vieler weiterer DeFi-Protokolle, die OlympusDAO als Vorlage nahmen, darunter Redaktionen wie KlimaDAO, Wonderland oder RomeDAO.
Olympus strebte außerdem eine Metagovernance-Rolle an – also Einflussnahme auf andere Protokolle durch strategisches Halten von Governance-Tokens oder LP-Positionen. Da die Treasury als zentraler Akteur in verschiedenen DeFi-Märkten auftrat, sollte so ein Machtzentrum entstehen, das auf ökonomischer Beteiligung statt auf zentralisierter Kontrolle beruht.
Risiken und Herausforderungen
Trotz innovativer Konzepte war OlympusDAO zahlreichen Risiken und kritischen Entwicklungen ausgesetzt:
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Inflationärer Druck: Die durch Rebase erzeugten OHM-Mengen führten zu erheblichen Angebotsausweitungen, was insbesondere bei stagnierender Nachfrage zu Wertverlusten führte.
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Marktdynamiken: In Bärenmärkten oder bei rückläufigem Vertrauen verlor OHM rasch an Marktpreis, oft auch unterhalb der buchhalterischen Deckung.
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Ponzi-Vorwürfe: Das Protokoll wurde wiederholt kritisiert, ein Ponzi-ähnliches Modell zu verfolgen, da die Ausschüttungen durch nachfolgende Teilnehmer finanziert wurden.
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Governance-Konzentration: Trotz dezentraler Ziele war die Governance lange Zeit auf wenige Core-Mitglieder konzentriert.
Diese Herausforderungen führten ab Ende 2021 zu einem deutlichen Rückgang des Marktwerts und der Nutzeraktivität. OlympusDAO reagierte mit strukturellen Reformen, darunter einer Reduktion der Rebase-Raten, einer stärkeren Fokussierung auf reale Ertragsquellen und einem Übergang zu stabileren Treasury-Strategien.
Strategische Weiterentwicklung
In der jüngeren Entwicklung verfolgt OlympusDAO einen konservativeren Kurs:
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Fokus auf nachhaltige Erträge aus der Treasury (z. B. durch Staking anderer Protokolle oder Yield Farming)
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Einführung eines Policy Frameworks zur Steuerung von Inflation und Emissionen
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Integration in Multi-Chain-Umgebungen (Arbitrum, Polygon etc.)
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Ausweitung der Governance-Beteiligung über veOHM-Modelle
Der Übergang von einem wachstumsorientierten zu einem nachhaltigen, ertragsbasierten Protokoll markiert eine Neupositionierung, die auch andere DeFi-Projekte beeinflusst hat.
Fazit
OlympusDAO war eines der experimentellsten und einflussreichsten Projekte im DeFi-Sektor der Jahre 2021–2022. Mit seinem Reservewährungsansatz, der Kombination aus Rebase-Staking, Bonding und protocol-owned liquidity sowie dem spieltheoretischen (3,3)-Modell setzte es neue Maßstäbe für die Gestaltung dezentraler Finanzsysteme. Gleichzeitig offenbarte es auch die Risiken komplexer Tokenökonomien und wachstumsgetriebener Anreizstrukturen. In seiner heutigen Form strebt OlympusDAO eine stabilere, risikoärmere Ausrichtung an, wobei das Ziel einer dezentralen, nicht an Fiat gebundenen Reservewährung weiterhin im Mittelpunkt steht.