OUCH-Protokoll Börsenlexikon Vorheriger Begriff: ITCH-Protokoll Nächster Begriff: FIXML (FIX Markup Language)
Ein binäres, hochperformantes Order-Eingabe-Protokoll, das den schnellen und direkten Versand von Aufträgen sowie deren Änderungen und Stornierungen an Börsen-Systeme ermöglicht
Das OUCH-Protokoll ist ein proprietäres Kommunikationsprotokoll, das insbesondere von der US-amerikanischen Börse NASDAQ sowie weiteren Handelsplätzen der NASDAQ-Gruppe verwendet wird. Es dient der direkten, elektronischen Interaktion mit dem Orderbuch, indem es Marktteilnehmern eine schnelle und effiziente Übermittlung von Aufträgen sowie die Abfrage von Ausführungsstatus und Systemmeldungen ermöglicht. Im Gegensatz zum ITCH-Protokoll, das ausschließlich der passiven Datenübermittlung dient, erlaubt OUCH die aktive Orderplatzierung und -steuerung. Es gehört damit zu den Kernkomponenten der technischen Infrastruktur im elektronischen Börsenhandel.
Zielsetzung und Einsatzbereich
Das OUCH-Protokoll wurde mit dem Ziel entwickelt, eine besonders gering latenzbehaftete und ressourcenschonende Schnittstelle für die Übermittlung einfacher Orderkommandos bereitzustellen. Es richtet sich primär an:
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Hochfrequenzhändler (High Frequency Traders)
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Algorithmische Handelssysteme
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Broker-Dealer mit direktem Marktzugang (Direct Market Access, DMA)
Dabei steht nicht die Abwicklung komplexer Handelsstrategien oder Ordertypen im Vordergrund, sondern die schnelle und zuverlässige Ausführung von Standardtransaktionen wie Limit- oder Market Orders.
Technischer Aufbau und Struktur
Das OUCH-Protokoll ist ein binär codiertes, zustandsbehaftetes Protokoll, das über eine TCP/IP-Verbindung zwischen dem Handelssystem des Marktteilnehmers und der Matching Engine der Börse kommuniziert. Die Kommunikation erfolgt im Client-Server-Modell: Der Marktteilnehmer ist der Client, der Handelsplatz der Server.
Die Nachrichten im OUCH-Protokoll sind klar strukturiert, klein gehalten und enthalten nur die notwendigsten Felder, um maximale Verarbeitungsgeschwindigkeit zu erreichen. Typische Nachrichtenformate beinhalten:
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Neue Order (Enter Order)
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Order-Änderung (Replace Order)
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Order-Stornierung (Cancel Order)
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Ausführungsbestätigung (Execution Report)
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Ablehnungs- oder Fehlermeldungen (Order Rejected, Cancel Rejected)
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Systemereignisse (z. B. Session-Start, Handelsunterbrechung)
Die meisten dieser Nachrichten verwenden feste Längenfelder mit genau definierten Positionen, wodurch sich die Daten sehr schnell parsen und verarbeiten lassen. Zeitstempel und Sequenznummern sorgen für die Nachvollziehbarkeit der Kommunikation und erleichtern die Fehlerbehandlung im Live-Betrieb.
Funktionale Merkmale
Die wesentlichen Eigenschaften des OUCH-Protokolls lassen sich wie folgt zusammenfassen:
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Geringe Latenz: Aufgrund des kompakten binären Formats und der einfachen Struktur eignet sich OUCH besonders für latenzkritische Anwendungen im Börsenhandel.
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Sitzungsorientiert: Das Protokoll arbeitet zustandsbehaftet. Während einer aktiven Sitzung werden alle Orderaktivitäten einem spezifischen Session-Kontext zugeordnet. Dies erlaubt eine effiziente Verwaltung und Wiederherstellung bei Verbindungsabbrüchen.
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Begrenzter Ordertypenumfang: Das Protokoll unterstützt in der Regel nur grundlegende Orderarten wie Limit Orders, Market Orders oder Immediate-Or-Cancel Orders. Komplexe Strategien oder algorithmische Ordertypen werden nicht direkt über OUCH abgewickelt.
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Keine Marktdatenbereitstellung: OUCH überträgt keine Orderbuchinformationen oder Preisfeeds. Für die Marktdatenseite sind separate Protokolle wie ITCH vorgesehen.
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Zuverlässigkeit und Bestätigungen: Jede empfangene Nachricht wird vom Server bestätigt oder abgelehnt. Diese Rückmeldungen sind wichtig für die Replikation der Orders in internen Handelssystemen des Nutzers.
Abgrenzung zu anderen Protokollen
Das OUCH-Protokoll steht in einem funktionalen Verhältnis zu weiteren NASDAQ-Protokollen:
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ITCH: Dient der passiven Marktdatenbereitstellung. ITCH und OUCH werden häufig parallel verwendet – ITCH für Marktbeobachtung, OUCH für Orderausführung.
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FIX: Universeller Standard für Orderrouting und Handelskommunikation. FIX ist umfassender, unterstützt jedoch auch komplexere Ordertypen und Transaktionen. OUCH ist im Vergleich schlanker und performanter.
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RASH (Reporting and Supervision Handler): Ergänzendes Protokoll für regulatorische Berichterstattung.
In einer typischen Handelsarchitektur übernimmt OUCH die Rolle der orderseitigen Schnittstelle zur Matching Engine, während andere Protokolle für die Marktdatenversorgung, Nachbearbeitung oder Compliance zuständig sind.
Implementierung und Zugang
Die Nutzung des OUCH-Protokolls erfordert einen technischen Zugang zur Matching Engine der jeweiligen Börse. Dieser Zugang wird nur zugelassenen Marktteilnehmern (z. B. Mitgliedsbanken, Broker-Dealer, zertifizierte Handelsalgorithmen) gewährt. Voraussetzung sind in der Regel:
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Technische Anbindung an das Börsen-Netzwerk (z. B. über Co-Location-Services)
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Teilnahme an Konformitätstests zur Validierung der Protokollimplementierung
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Erfüllung sicherheitsbezogener und regulatorischer Anforderungen
Die Implementierung erfolgt meist in C/C++, Java oder anderen systemnahen Programmiersprachen, da diese eine maximale Kontrolle über Speicher- und Netzwerkoperationen bieten.
Vorteile für den Handel
Die Nutzung des OUCH-Protokolls bringt eine Reihe von Vorteilen mit sich:
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Schnelligkeit: Durch das schlanke Nachrichtenformat und die optimierte Infrastruktur können Orders mit minimaler Verzögerung an die Börse übermittelt werden.
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Determinismus: Die vorhersehbare Nachrichtenstruktur und die festgelegte Antwortlogik ermöglichen eine präzise Steuerung von Handelsalgorithmen.
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Skalierbarkeit: Auch unter hoher Last bleibt die Verarbeitung stabil und nachvollziehbar, was insbesondere für institutionelle Händler wichtig ist.
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Verfügbarkeit und Verbreitung: OUCH wird an mehreren NASDAQ-Handelsplätzen eingesetzt, wodurch es für viele globale Teilnehmer relevant ist.
Einschränkungen und Herausforderungen
Trotz der Leistungsfähigkeit weist das OUCH-Protokoll auch einige Einschränkungen auf:
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Protokollspezifität: OUCH ist kein offener Standard. Es existieren unterschiedliche Versionen je nach Handelsplatz, was die Portabilität erschwert.
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Begrenzte Funktionalität: Die Konzentration auf einfache Ordertypen bedeutet, dass komplexe Strategien über zusätzliche Systeme abgebildet werden müssen.
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Technischer Aufwand: Die Implementierung erfordert tiefes technisches Verständnis in den Bereichen Netzwerkkommunikation, Multithreading, Fehlertoleranz und Performanceoptimierung.
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Zugangsbeschränkungen: Der Einsatz ist auf zugelassene und geprüfte Marktteilnehmer beschränkt. Retail-Investoren haben keinen Zugang.
Fazit
Das OUCH-Protokoll ist eine leistungsstarke, binäre Schnittstelle für den direkten Zugang zur Orderausführung an Handelsplätzen der NASDAQ-Gruppe. Es wurde speziell für den Hochgeschwindigkeitshandel entwickelt und ermöglicht Marktteilnehmern die Übermittlung und Verwaltung von Orders mit minimaler Verzögerung. Durch seine schlanke Struktur, Stabilität und Determiniertheit eignet es sich ideal für algorithmische und automatisierte Handelssysteme. Gleichzeitig erfordert der produktive Einsatz eine leistungsfähige technische Infrastruktur, spezifische Expertise und regulatorische Zulassung. Innerhalb moderner Börsenarchitekturen stellt OUCH eine zentrale Komponente dar – insbesondere im Zusammenspiel mit Marktdatenprotokollen wie ITCH und ergänzenden Systemen für Compliance und Überwachung.