Runaway Gap Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Strike Price (Option) Nächster Begriff: Continuation Gap
Eine Kurslücke inmitten eines etablierten Trends, die durch hohes Volumen entsteht und die Fortsetzung der Preisbewegung in die Trendrichtung signalisiert, indem sie anhaltendes Momentum widerspiegelt
Runaway Gap (auch als Continuation Gap oder Measuring Gap bezeichnet) ist ein Begriff aus der technischen Analyse und beschreibt eine Kurslücke, die während eines bestehenden Trends auftritt und als Bestätigung der anhaltenden Trendbewegung interpretiert wird. Diese Art von Kurslücke tritt typischerweise nicht zu Beginn oder am Ende eines Trends auf, sondern in der mittleren Phase, wenn sich der Trend bereits etabliert hat, und weist auf eine Zunahme des Marktmomentums hin.
Definition und Charakteristik
Ein Runaway Gap ist eine Kurslücke in Trendrichtung, die innerhalb eines bestehenden Aufwärts- oder Abwärtstrends entsteht und durch verstärkte Marktaktivität verursacht wird. Anders als beim Breakaway Gap, das den Beginn eines Trends signalisiert, oder dem Exhaustion Gap, das eine mögliche Trendwende andeutet, stellt das Runaway Gap eine Phase der Trendbeschleunigung dar.
Typische Merkmale eines Runaway Gaps sind:
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Lage innerhalb eines bestehenden Trends, meist nach einer ersten impulsiven Bewegung und einer kurzen Konsolidierung.
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Geringe Wahrscheinlichkeit, kurzfristig geschlossen zu werden, da es sich um eine „Trendbestätigungslücke“ handelt.
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Zunahme des Handelsvolumens, aber nicht zwingend so stark wie bei einem Breakaway Gap.
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Emotionale Marktphase, in der viele Anleger in den bestehenden Trend einsteigen (z. B. aus FOMO – „Fear of Missing Out“).
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Trendverstärkung, da das Gap häufig weitere Marktteilnehmer zur Positionsaufnahme in Trendrichtung motiviert.
Runaway Gaps treten in der Regel nicht in Isolation auf, sondern in einem systematischen Zusammenhang mit anderen charttechnischen Elementen wie Trendkanälen, Konsolidierungszonen oder Fortsetzungsformationen.
Abgrenzung zu anderen Gaps
In der Gap-Typologie der technischen Analyse lassen sich vier Hauptarten unterscheiden:
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Breakaway Gap: Auftakt eines neuen Trends nach einer Konsolidierung.
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Runaway Gap (Continuation Gap): Bestätigung eines bestehenden Trends in seiner mittleren Phase.
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Exhaustion Gap: Anzeichen einer Trendermüdung am Ende eines Trends.
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Common Gap (gewöhnliche Kurslücke): Tritt ohne besondere technische Relevanz auf, oft in engen Handelsspannen.
Das Runaway Gap ist in dieser Systematik das zentrale Signal für Trendfolgestrategien, da es die Fortsetzung eines bereits intakten Trends nahelegt.
Bedeutung für die Analyse und Prognose
Ein Runaway Gap dient nicht nur als Bestätigungssignal, sondern kann auch zur Prognose künftiger Kursziele herangezogen werden. In der klassischen Charttechnik wird oft die sogenannte Measuring-Gap-Theorie angewendet. Dabei geht man davon aus, dass das Runaway Gap ungefähr in der Mitte der gesamten Trendbewegung liegt. Folglich kann der Abstand zwischen Trendbeginn und Gap als Maßstab für die restliche Bewegung genutzt werden.
Beispiel:
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Eine Aktie steigt von 50 € auf 70 €, und bei 70 € entsteht ein Runaway Gap mit anschließender Fortsetzung auf 90 €. In diesem Fall lag das Gap in der Mitte der Bewegung (70 €) – ein typisches Merkmal dieser Gap-Art.
Handelsvolumen und Validierung
Das Volumen beim Runaway Gap ist in der Regel deutlich erhöht, aber nicht zwingend extrem. Entscheidend ist, dass sich das Gap mit einer anschließenden starken Kursbewegung in Trendrichtung behauptet. Das Volumen hilft dabei, zwischen echten Trendbestätigungen und zufälligen Kurslücken zu unterscheiden.
Ein bestätigtes Runaway Gap weist folgende technische Bestätigungsmerkmale auf:
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Anhaltende Kursbewegung in Gap-Richtung über mehrere Handelstage.
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Keine schnelle Schließung der Kurslücke (Gap-Fill).
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Bestätigung durch andere Indikatoren (z. B. gleitende Durchschnitte, Trendstärkeindikatoren wie ADX).
Strategische Anwendung für Anleger
Runaway Gaps eignen sich besonders für Trendfolge-Strategien, da sie eine Gelegenheit bieten, in einen bereits laufenden Trend einzusteigen oder bestehende Positionen zu verstärken. Typische Anwendungen sind:
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Einstieg in Trendrichtung, sobald das Gap durch Folgetage bestätigt wurde.
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Stop-Loss-Management: Platzierung unterhalb (bei Long-Trend) bzw. oberhalb (bei Short-Trend) des Gaps zur Absicherung.
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Teilgewinnrealisierung: Bei Identifikation eines Runaway Gaps als Zwischenziel kann ein Teil der Position abgesichert werden.
Da Runaway Gaps tendenziell nicht kurzfristig geschlossen werden, gelten sie als vergleichsweise zuverlässige Fortsetzungssignale – allerdings immer unter der Voraussetzung, dass sie im Kontext einer fundierten Chartanalyse interpretiert werden.
Risiken und Einschränkungen
Trotz der Signalstärke eines Runaway Gaps besteht das Risiko von Fehlinterpretationen, insbesondere bei:
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Seitwärtsmärkten mit geringen Volumina: Hier können Gaps auch zufällig entstehen.
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Nachrichtenbedingten Kurslücken, die nicht auf nachhaltige fundamentale Veränderungen hindeuten.
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Mangelnder Bestätigung durch Anschlussbewegung, wenn etwa das Gap direkt nach dem Auftreten wieder geschlossen wird.
Darüber hinaus hängt die Aussagekraft eines Runaway Gaps stark von der übergeordneten Marktsituation ab. In überkauften Märkten können vermeintliche Fortsetzungsgaps auch als letzte Impulse vor einer Korrektur auftreten und fälschlich als Trendfortsetzung gedeutet werden.
Fazit
Das Runaway Gap ist ein wichtiges Signal in der technischen Analyse, das auf die Fortsetzung eines bestehenden Trends hinweist. Es entsteht in der mittleren Phase eines Aufwärts- oder Abwärtstrends und wird durch eine plötzliche Kurslücke in Trendrichtung charakterisiert, häufig begleitet von erhöhtem Handelsvolumen. Für technische Analysten und Trader bietet das Runaway Gap wertvolle Hinweise für Einstiege, Zielermittlungen und Positionsmanagement im Rahmen von Trendfolge-Strategien. Zur Vermeidung von Fehlsignalen sollte es stets im Zusammenspiel mit anderen charttechnischen Werkzeugen und Indikatoren betrachtet werden.