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FMA kann als "Trusted Flagger" künftig wirksamer gegen... 22.09.2026, 10:06 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

APA ots news: FMA kann als "Trusted Flagger" künftig wirksamer gegen rechtswidrige Finanzangebote auf Social Media vorgehen

Finanzmarktaufsicht kann als "vertrauenswürdiger Hinweisgeber" gemäß EU-Recht unerlaubte Finanzdienste bevorzugt bei Online-Plattformen melden - Bescheid der KommAustria

Wien (APA-ots) - Die österreichische Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) wurde von der Kommunikationsbehörde Austria (KommAustria) als vertrauenswürdiger Hinweisgeber ("Trusted Flagger") gemäß der EU-Verordnung über digitale Dienste (Digital Services Act, DSA) zertifiziert. Der entsprechende Bescheid wurde der FMA jetzt zugestellt. Die Zertifizierung gilt für den Bereich rechtswidrige Finanzdienstleistungen .

Der neue Status erlaubt es der FMA, Online-Plattformen gezielt und mit Priorität auf Inhalte hinzuweisen, die auf unerlaubte Finanzdienstleistungen hindeuten - etwa Fake-Broker, betrügerische Anlageangebote, unerlaubte Krypto-Trading-Plattformen oder Anlagebetrug in geschlossenen Messenger-Gruppen. Anbieter von Online- Plattformen sind gemäß DSA verpflichtet, Meldungen vertrauenswürdiger Hinweisgeber vorrangig zu behandeln und zügig zu entscheiden - anders als Meldungen einzelner Nutzer:innen, die immer wieder in der Masse untergehen.

Allein im Jahr 2025 gingen bei der FMA 842 Meldungen zu Anlagebetrug ein , die gemeldeten Fälle summierten sich auf einen Gesamtschaden von rund 20 Millionen - was nur einen Bruchteil des tatsächlichen Schadens darstellt. Die Anbahnung von Anlagebetrug über soziale Medien und Messenger-Dienste ist der am schnellsten wachsende Trend der vergangenen Jahre. Die Erfahrungen der FMA-Ermittler:innen zeigen, dass Online-Plattformen regelmäßig eine zentrale Rolle für die Verbreitung betrügerischer Angebote spielen. Sie sind eine Eintrittspforte für den Betrug - über Deepfake-Videos, KI-gesteuerte Chatbots in Investment-Gruppen und geklonte Identitäten, mit denen Betrüger:innen ihre Opfer in großem Maßstab täuschen.

"Betrüger:innen sind oft die ersten, die neue Technologien für sich nutzen - und sie schaden damit dem Vertrauen der Menschen in den Finanzmarkt " , sagt FMA-Vorständin Mariana Kühnel . "Dieses Vertrauen ist wichtig: Wer sicher ist, dass Anlageangebote seriös sind, ist eher bereit, am Kapitalmarkt zu investieren. Der neue Status als "Trusted Flagger" stärkt unsere Möglichkeiten, gezielt gegen betrügerische Inhalte im Netz vorzugehen."

"Digitale Plattformen spielen bei der Verbreitung unerlaubter Finanzangebote eine zentrale Rolle", ergänzt FMA-Vorstand Helmut Ettl . "Wer mit Anzeigen Erlöse erzielt, muss auch wirksam in Prävention investieren. Mit dem Trusted-Flagger-Status nehmen wir die Plattformen stärker in die Pflicht - das ist ein wichtiger Beitrag dazu, dass sich Anleger:innen auch im digitalen Raum auf einen sauberen, vertrauenswürdigen Finanzplatz verlassen können."

Die FMA kann auch in Zukunft nicht selbst die Angebote löschen oder sperren - das bleibt Aufgabe der Plattform. Der neue Status erhöht aber die Priorität und Nachvollziehbarkeit der Meldungen und soll schnellere Entscheidungen der Plattformen ermöglichen. "Trusted Flagger" wird damit zu einem weiteren Hebel, der bestehende Instrumente wie Investorenwarnungen, Untersagungen, Strafanzeigen und Meldungen an Hosting-Provider ergänzt.

Erste Erfahrungen anderer Aufsichtsbehörden stimmen zuversichtlich: In Irland ist die Central Bank of Ireland seit Frühjahr 2025 als "Trusted Flagger" anerkannt. Dort kommen Antworten großer Plattformen mittlerweile sehr zügig, mit Löschquoten von rund 99 Prozent.

Für die FMA ist der Kampf gegen unerlaubte Finanzangebote im Netz kein Nebenschauplatz, sondern eng mit ihrem Kernauftrag verknüpft: einem sauberen, stabilen Finanzplatz, dem Anleger:innen vertrauen können. Eine Aufsicht, die mit der technologischen Entwicklung Schritt hält, ist dafür ebenso Voraussetzung wie robuste Maßnahmen gegen Betrug, die sich laufend an neue Maschen anpassen - ergänzt durch Aufklärung und Finanzbildung als Prävention, etwa über die FMA- Formate "Reden wir über Geld" im Internet und auf Instagram und Youtube .

Hintergrund: Was ist ein "Trusted Flagger"?

Der Digital Services Act der Europäischen Union verpflichtet große Online-Plattformen, Meldungen von zertifizierten "vertrauenswürdigen Hinweisgebern"/"Trusted Flaggern" vorrangig zu bearbeiten. Zuständig für die Vergabe dieses Status ist in Österreich die KommAustria als nationaler Koordinator für digitale Dienste. Voraussetzung ist der Nachweis besonderer Sachkenntnis im jeweiligen Fachgebiet, organisatorische und finanzielle Unabhängigkeit von Online-Plattformen sowie eine sorgfältige, genaue und objektive Vorgehensweise bei Meldungen. Die Zertifizierung ist zeitlich nicht befristet, kann aber bei mangelhafter Qualität der Meldungen widerrufen werden. Zertifizierte Hinweisgeber werden von der Europäischen Kommission unionsweit veröffentlicht und sind damit von allen Anbietern von Online-Plattformen anzuerkennen.

Rückfragehinweis: Finanzmarktaufsicht (FMA) Boris Gröndahl Telefon: +43 676 8824 9995 E-Mail: boris.groendahl@fma.gv.at

*** OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT ***

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