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OeNB: Kreditgeschäft zur Jahresmitte trotz Nahost-Konflikt stabil 21.07.2026, 10:13 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

Österreich-Ergebnisse der euroraumweiten Umfrage über das Kreditgeschäft (Bank Lending Survey), zweites Quartal 2026

Wien (APA-ots) - Die Kreditangebotspolitik der Banken und die Kreditnachfrage der Unternehmen sind im zweiten Quartal 2026 stabil geblieben. In der vorangegangenen Umfrage erwartete Verschlechterungen infolge des Kriegs im Nahen und Mittleren Osten sind ausgeblieben. Allerdings verstärkt der Krieg den bestehenden Anpassungsbedarf der Unternehmen an die aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen inklusive der Folgen des Klimawandels. Zuletzt hat daher der Finanzierungsbedarf der Unternehmen für Restrukturierungsmaßnahmen zugenommen. Unabhängig von den Entwicklungen im Kreditgeschäft mit Unternehmen ist die Nachfrage privater Haushalte nach Wohnbaukrediten im zweiten Quartal 2026 weiter gestiegen.

Diese Ergebnisse stammen aus der vierteljährlichen Umfrage der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) über das Kreditgeschäft unter den führenden heimischen Banken. Die aktuelle Umfrage wurde in der zweiten Junihälfte 2026 durchgeführt. Hinsichtlich des Kriegs im Nahen und Mittleren Osten berücksichtigen die Umfrageergebnisse somit die Absichtserklärung zur Beendigung des Kriegs vom 18. Juni 2026, nicht jedoch die Ereignisse nach Ende Juni.

Zwtl.: Unternehmenskredite: Auswirkungen des Kriegs im Nahen und Mittleren Osten geringer als erwartet - Nachfrage und Angebotspolitik stabil

Die Kreditnachfrage von Unternehmen hat sich im zweiten Quartal 2026 kaum geändert. Auch im dritten Quartal 2026 soll es gemäß den Einschätzungen der Banken aus heutiger Sicht zu keinen nennenswerten Nachfrageänderungen kommen. Der Krieg im Nahen und Mittleren Osten wirkt sich demnach bisher geringer auf das Kreditgeschäft aus als in der letzten Umfrage vor drei Monaten erwartet.

Allerdings zeigen die Umfrageergebnisse im Bereich großer Unternehmen einen erhöhten Finanzierungsbedarf für Restrukturierungsmaßnahmen. Der Krieg im Nahen und Mittleren Osten verstärkt den bereits bestehenden Anpassungsbedarf der Unternehmen an die aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen einschließlich der Folgen des Klimawandels.

Bei einer Betrachtung nach einzelnen Wirtschaftssektoren steht einer gestiegenen Nachfrage im Wohnimmobiliensektor ein Nachfragerückgang seitens der KFZ-Herstellung (inklusive Zulieferindustrie) gegenüber.

Die Angebotspolitik der Banken gegenüber Unternehmen hat sich in den letzten Quartalen kaum verändert und ist weiterhin streng. Die Banken haben ihre Kreditrichtlinien und die Kreditbedingungen über Jahre hinweg verschärft und das vor allem mit einer zunehmend ungünstigeren Risikoeinschätzung begründet.

Den Umfrageergebnissen sind keine wesentlichen Auswirkungen der Zinsentscheidung der EZB von Juni 2026 auf die Finanzierungsbedingungen zu entnehmen.

Zwtl.: Nachfrage nach privaten Wohnbaukrediten weiter gestiegen

Die Nachfrage nach privaten Wohnbaukrediten ist im zweiten Quartal 2026 weiter gestiegen - ein Trend, der seit Anfang 2024 zu beobachten ist. Für das dritte Quartal 2026 erwarten die befragten Banken aber keinen weiteren Anstieg der Nachfrage nach Wohnbaukrediten.

Das Nachfrageplus im zweiten Quartal 2026 ist gemäß den Umfrageergebnissen auf verbesserte Aussichten am Wohnimmobilienmarkt sowie den gestiegenen Optimismus der Haushalte, die eine Wohnbaufinanzierung anstreben, zurückzuführen. Das Zinsniveau hat im Gegensatz zu den vergangenen Quartalen beim Nachfrageanstieg im zweiten Quartal 2026 nur mehr eine untergeordnete Rolle gespielt.

Die aus den Umfrageergebnissen ersichtliche gestiegene Nachfrage nach privaten Wohnbaukrediten seit Anfang 2024 zeigt sich auch in der Kreditstatistik. Die Vergabe neuer Wohnbaukredite durch die Banken ist in den letzten zweieinhalb Jahren deutlich gestiegen - von monatlich 0,7 Mrd EUR im Jänner 2024 auf jeweils über 1,6 Mrd EUR im März, April und Mai 2026. Die Umfrageergebnisse signalisieren eine weiterhin solide Neukreditvergabe in den nächsten Monaten.

Zwtl.: Folgen des Klimawandels wirken sich zunehmend auf das Kreditgeschäft aus

Einmal jährlich thematisiert die Umfrage die Auswirkungen des Klimawandels auf das Kreditgeschäft. Die Ergebnisse zeigen auf der Nachfrageseite, dass der Finanzierungsbedarf der Unternehmen für Investitionen und Umstrukturierungen im Zusammenhang mit dem Klimawandel seit Mitte 2022, dem Beginn des in der Umfrage erfassten Zeitraums, stetig zugenommen hat und in den nächsten zwölf Monaten weiter zunehmen wird. Das betrifft sowohl die Transition zu einer "grüneren" Leistungserstellung als auch Absicherungen gegen physische Risiken des Klimawandels.

Beim Kreditangebot der Banken haben der Klimawandel und seine Folgen seit Mitte 2022 vor allem zu fortschreitenden Verschärfungen für Unternehmen mit hohem CO 2 -Ausstoß geführt. Wesentlicher Grund sind Kosten für die Unternehmen, die sich im Übergang zu einer ökologisch nachhaltigeren Wirtschaft ergeben - z. B. durch rechtliche Rahmenbedingungen wie die CO2-Steuer, oder durch die aufgrund der Verdrängung bestehender Technologien durch umweltverträglichere neue Technologien notwendige Anpassung. Die befragten Banken haben weitere Verschärfungen für Unternehmen mit hohem CO 2 -Ausstoß für die nächsten zwölf Monate angekündigt und begründen diese zusätzlich mit physischen Risiken, etwa Extremwetterereignissen oder Umweltschäden, die den Wert der Unternehmensaktiva beeinflussen können.

Die Zentralbanken des Euroraums - in Österreich die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) - führen gemeinsam mit der Europäischen Zentralbank (EZB) seit Anfang 2003 viermal jährlich eine Umfrage über das Kreditgeschäft im Euroraum durch, um ihren Informationsstand über das Kreditvergabeverhalten der Banken, die Kreditnachfrage von Unternehmen und privaten Haushalten sowie sonstige die Geldpolitik betreffende Themen zu verbessern. Dabei werden rund 160 führende Banken aus allen Ländern des Euroraums befragt, darunter acht Institute aus Österreich.

Ein ausführlicher Bericht über die Österreich-Ergebnisse wird in der Publikationsreihe "OeNB Reports" veröffentlicht ( https://www.oenb.at/Publikationen/Volkswirtschaft/reports.html ).

Weitere Informationen und Daten zur Umfrage finden sich auf der OeNB-Website unter https://www.oenb.at/Geldpolitik/Erhebungen/umfrage -ueber-das-kreditgeschaeft.html .

Die Resultate für den Euroraum werden von der EZB auf ihrer Website publiziert: https://www.ecb.europa.eu/stats/ecb_surveys/bank_lending_survey/html- /index.en.html

Rückfragehinweis: Oesterreichische Nationalbank Pressesprecherin Mag.a Marlies Schroeder, MiM Telefon: (+43-1) 404 20-6900 E-Mail: marlies.schroeder@oenb.at Website: https://www.oenb.at

*** OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT ***

OTS0031 2026-07-21/10:07

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