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Das sind die größten Baustellen beim Autozulieferer ZF 30.09.2025, 06:24 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

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FRIEDRICHSHAFEN (dpa-AFX) - Stellenabbau, Gewinneinbruch, Proteste: Die deutsche Autoindustrie und ihre Zulieferer stecken in einer schwierigen Lage - auch ZF Friedrichshafen am Bodensee. Die rund 50.700 Beschäftigten in Produktion und Verwaltung in Deutschland machen sich Sorgen um ihre Arbeitsplätze. Ein neuer Chef soll es nun richten.

An diesem Mittwoch übernimmt Mathias Miedreich als Nachfolger von Holger Klein das Ruder. Für die Belegschaft ist der 50-Jährige kein Unbekannter, seit Januar sitzt er als Chef der Antriebssparte im Vorstand. Das sind seine größten Baustellen:

Krise der Autoindustrie

Die Produktion von Autos und leichten Nutzfahrzeugen ist weltweit seit 2018 um 30 Prozent gesunken, wie es aus dem Unternehmen heißt. Wie die Konkurrenten Bosch, Continental und Schaeffler leidet deshalb auch der zweitgrößte deutsche Zulieferer unter ausbleibenden Aufträgen der Hersteller und hohen Kosten für den Wandel hin zum Elektromotor.

Wenn es den drei größten Kunden des Unternehmens - Volkswagen , BMW und der Opel-Mutter Stellantis - nicht gut geht, bekommt es auch der Lieferant zu spüren. Das Unternehmen hat neben Automatik- und Schaltgetrieben unter anderem Fahrwerkskomponenten, Lenksysteme, Antriebe, Bremsen und Sicherheitstechnik im Angebot.

Kerngeschäft mit großen Problemen

Ein Knackpunkt in der Neuausrichtung des Konzerns ist die Sparte für Antriebe - intern "Division E" genannt. Sie gilt in Teilen als nicht wettbewerbsfähig. Dieser Bereich, der nicht nur elektrische, sondern auch hybride Antriebe und Verbrenner umfasst, leidet besonders unter dem verzögerten Anlauf der E-Mobilität sowie unter hohen Kosten und geringen Margen im traditionellen Getriebegeschäft. Weltweit ist in der Division etwa jeder fünfte ZF-Beschäftigte tätig. 2024 wurde hier knapp ein Viertel des Gesamtumsatzes erwirtschaftet.

Zuletzt gab es Überlegungen über einen möglichen Verkauf des Bereichs oder dass ein Partner an Bord geholt wird. Ein Sprecher des Stiftungsunternehmens sagte, ein Umbau sei die Voraussetzung für eine mögliche Partnersuche. Auch dagegen richtete sich im Juli ein Protesttag mit mehr als 10.000 Teilnehmern. Die IG Metall warnte: "Der ZF darf nicht das Herz herausgerissen werden."

Schulden in Milliardenhöhe

ZF war in den vergangenen Jahren auf Einkaufstour - und das hat eine Menge Geld gekostet. Insbesondere die Käufe des Automobilzulieferers TRW und des Bremsenspezialisten Wabco müssen verarbeitet werden. Die Nettoverbindlichkeiten beliefen sich Ende Juni auf rund 10,5 Milliarden Euro.

In Zeiten der Niedrigzinsphase war die Finanzierung noch relativ günstig. Aktuell muss das Unternehmen nach Angaben eines Sprechers im Schnitt 4,5 Prozent an Zinsen zahlen. Es geht um Hunderte Millionen Euro. Geld, das an anderer Stelle fehlt und nicht in Zukunftsprodukte investiert werden kann.

Rote Zahlen und Stellenabbau

Das Stiftungsunternehmen machte im ersten Halbjahr einen Verlust von 195 Millionen Euro. Da die Märkte sehr instabil seien, sei auch im Gesamtjahr ein Verlust zu erwarten, hieß es. Dann würde der ZF im zweiten Jahr in Folge ins Minus rutschen.

Für den Zulieferer ist daher weiter Sparen angesagt, vor allem an den deutschen Standorten. Bis Ende 2028 will das Unternehmen Stellen in historischem Ausmaß streichen: Bis zu 14.000 Jobs sollen es hierzulande sein. 5.700 sind seit Anfang 2024 schon weggefallen. Auch die Arbeitszeit vieler Mitarbeiter wurde gekürzt.

Wie es nach 2028 weitergeht, ist offen. "Wir investieren in die Bereiche, die heute schon erfolgreich sind, und wir restrukturieren und entwickeln die Bereiche, die noch nicht erfolgreich sind", hieß es. Es seien gezielte Einschnitte nötig. Ziel sei, möglichst viele Arbeitsplätze in Deutschland zu erhalten.

Ärger mit dem Betriebsrat

Der Betriebsrat forderte einen Kurswechsel: Alle Sanierungsversuche seien bisher nicht erfolgreich gewesen. Man stehe nicht besser da, sondern schlechter, hatte Gesamtbetriebsratschef Achim Dietrich gesagt. "Viele Beschäftigte machen derzeit keine Mehrarbeit, weil es massive Eingriffe in ihre Löhne gibt, selbst bei Führungskräften." Die Menschen hätten Angst, ihren Arbeitsplatz zu verlieren - und seien deshalb nicht bereit, Überstunden zu leisten.

Aktuell sprechen Management und Betriebsrat über die Neuausrichtung der Sparte für Antriebe. Die Gespräche sollen bis Ende September abgeschlossen sein. Ergebnisse könnten also noch in dieser Woche verkündet werden./ols/DP/zb

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