Der Börsengaspreis geht steil

Werden Strom und Gas jetzt teurer? 04.03.2026, 08:35 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

BERLIN (dpa-AFX) - Die Gas-Großhandelspreise schießen wegen des Iran-Krieges steil nach oben. Werden deshalb auch Strom und Gas für die Haushalte wieder teurer? Die Energiewirtschaft hält sich mit genaueren Prognosen zurück. "Ob und wie sich die aktuellen Entwicklungen an den Großhandelsmärkten auf Verbraucherpreise für Strom und Gas auswirken, lässt sich pauschal nicht beantworten", heißt es etwa beim Verband BDEW.

Dies hänge von den Beschaffungs- und Absicherungsstrategien der jeweiligen Lieferanten und von den Verträgen der Endkunden ab. "Im Allgemeinen sind jedoch die Endkundenpreise für Strom und Gas bei den meisten Lieferanten auf längere Zeit im Voraus fixiert und an den Terminmärkten abgesichert."

Großhandelspreis von Freitag auf Dienstag zeitweise verdoppelt

Der Iran hatte auf die Angriffe durch die USA und Israel mit Gegenangriffen reagiert und den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus eingeschränkt, ein Nadelöhr des weltweiten Energiehandels. Dies hatte zu Beginn der Woche einen ersten Preissprung am Gasmarkt ausgelöst.

Am Dienstag war der Preis für eine Megawattstunde Erdgas, das im April geliefert werden soll, dann zeitweise auf fast 66 Euro geklettert, den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren. Am Freitag - vor Ausbruch des Krieges - war er noch mit knapp 32 Euro ins Wochenende gegangen.

2022 kletterten Börsenpreise noch viel höher

Noch stärker war der Gaspreis zuletzt zum Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine vor vier Jahren gestiegen. Damals waren die Notierungen an der Börse in Amsterdam zeitweise über 300 Euro je Megawattstunde gestiegen.

Hinzu kam, dass das katarische Öl- und Gasunternehmen Qatar Energy nach Angriffen auf Betriebsanlagen in zwei Städten die Produktion von Flüssigerdgas (LNG) eingestellt hat. Katar ist einer der weltweit wichtigsten LNG-Produzenten. Durch die Straße von Hormus werden etwa 20 Prozent des weltweiten Flüssigerdgases transportiert. Es stammt primär aus Katar.

Experten: LNG-Kunden aus Asien suchen Alternativen

Nach Einschätzung von Marktbeobachtern suchen Kunden aus Asien jetzt nach Alternativen für ausfallende Gaslieferungen, was auch die Preise auf dem europäischen Markt nach oben treibt.

Für die weitere Entwicklung des Gaspreises und mögliche Folgen des starken Anstiegs auf die konjunkturelle Entwicklung ist nach Einschätzung von Experten die Dauer des Krieges im Nahen Osten entscheidend. Erst bei einer längeren Dauer wird mit spürbaren Folgen gerechnet. Analysten der US-Investmentbank Goldman Sachs haben ihre Prognose für den europäischen Gaspreis im April mittlerweile angehoben.

Droht ein Gas-Engpass?

Der Preis ist das eine, die Versorgung mit Gas das andere. Drohen Engpässe? Nein, sagt die BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae. "Direkte Auswirkungen auf die physische Gasversorgung in Deutschland sind nach aktueller Einschätzung nicht zu erwarten." Neben Gasspeichern und der heimischen Förderung werde die deutsche Versorgung durch Importe via Pipeline vor allem aus Norwegen sowie LNG-Importe aus einer Reihe von Ländern gesichert.

Andreae stellt klar: "Deutschland bezieht zurzeit kein LNG aus Katar." Die jüngsten Preisentwicklungen beim europäischen Referenzpreis für Erdgas zeigten jedoch, dass die europäischen Märkte nicht unabhängig von der geopolitischen Lage zu betrachten seien./tob/DP/zb

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