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"Ein Freudensprung, aber keine Befreiung" (Marktstimmung) 09.04.2026, 12:22 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

Die Kursgewinne basieren auf wackeligem Fundament, fasst Goldberg die Marktverfassung zusammen.

9. April 2026. FRANKFURT (Goldberg & Goldberg). Was die 14-tägige Waffenruhe im Iran-Krieg, die US-Präsident Donald Trump gestern Nacht verkündete, an den Börsen ausmacht, wenn der ursprüngliche Referenzpunkt nur niedrig genug liegt! Und dieser dürfte bei vielen Börsianern offensichtlich durch die Angst begründet gewesen sein, dass der Krieg mit erhöhten Einsätzen weitergehen könnte.

Alles, was auch nur ein bisschen Hoffnung macht, wird in einer solchen Situation besonders stark wahrgenommen. Nur so lässt sich der rund fünfprozentige "Freudensprung" verstehen, den der DAX heute früh zur Eröffnung vollführt hat. Auch wenn der Iran dieser Waffenruhe zustimmte und die Straße von Hormus zunächst wieder geöffnet wird, ist noch völlig offen, was am Ende dieser Waffenruhe stehen wird. Zuvor hatte sich seit unserer vergangenen Sentiment-Erhebung das Börsenbarometer zeitweise um 2 Prozent abgeschwächt, und die Stimmung vieler Anleger war vor dem langen Osterwochenende (vgl. etwa die Umfrage von Sentix) wieder einmal schlecht. Indes: Alles in allem hat der DAX im Wochenvergleich um 3,7 Prozent zugelegt.

Von neu erwachter, großer Freude ist zumindest im Deutsche Börse Sentiment-Index der institutionellen Investoren nichts zu sehen. Denn dieser hat sich gegenüber der Vorwoche vielmehr sogar um einen Punkt auf einen neuen Stand von +30 vermindert. Dabei hat die Polarisierung zwischen Bullen und Bären minimal zugenommen, das Bärenlager hat sich dabei eine Spur vergrößert. Der gleichbleibend hohe Stand der Optimisten zeigt jedoch, dass der Anstieg des DAX durchaus willkommen war, auch wenn er anscheinend nicht ausreichte, um zu Positionsglattstellungen zu verführen.

Gewinne bei den Privatanlegern

Bei den Privatanlegern sehen wir indes eine stärkere Bewegung. Denn der Deutsche Börse Sentiment-Index in diesem Panel fällt um 14 Punkte auf einen neuen Stand von +3. Es handelt sich dabei um das bisher niedrigste Indexniveau in diesem Jahr. Anscheinend wurden bullische Engagements deutlich reduziert. Im gleichen Zuge gewinnt das Bärenlager 8 Prozentpunkte dazu, wovon drei Viertel auf das Konto ehemaliger Optimisten gehen, die ihre Position per Saldo um 180 Grad gedreht haben. Der Rest kommt naturgemäß von vormals neutral eingestellten Anlegenden.

Unterscheidet man nach denjenigen, die wir über Social Media befragen, und den übrigen Anlegenden, ist die Tendenz in Richtung Bärenlager jedoch bei Letzteren deutlich stärker ausgeprägt. Diese Untergruppe, die wir gerne mit den institutionellen Investoren vergleichen, weist nunmehr sogar einen Sentiment-Index von -6 auf.

Gefesselte Gewinner

Mit der heutigen Befragung hat sich die Stimmungs-Divergenz zwischen Privatanlegern und institutionellen Investoren weiter vergrößert. Dass Erstere dabei ausnahmsweise so viel pessimistischer als ihre institutionellen Pendants eingestellt sind, mag durchaus den unterschiedlichen Positionierungen im Vorfeld geschuldet sein. Gerade der Mut einiger Privatanleger, zum Teil direkt von "Long" nach "Short" zu drehen, dürfte ein Indiz dafür sein, dass zuvor Gewinne entstanden sind.

Gewinnmitnahmen fanden indes bei den institutionellen Investoren eher in geringem Maße statt, was vermutlich aber nicht daran liegt, dass man an eine nachhaltige Trendwende im Iran-Krieg glaubt. Vielmehr befürchten wir, dass auch die deutliche Erholung des DAX von heute bislang nicht ausgereicht hat, um aus den teils schon vor Wochen begründeten bullischen Engagements halbwegs unbeschadet wieder herauszukommen - die entsprechenden (wahrgenommenen) Einstandspreise dürften vermutlich noch einmal höher als die heute gesehenen 24.000 DAX-Zähler (+2 Prozent?) liegen.

Also dürfte der heutige Kurssprung vor allen Dingen auf das Konto kurzfristig orientierter Marktteilnehmer gehen, die von unserer Erhebung nicht erfasst werden. Die Unterseite ist nicht zuletzt aufgrund des heutigen Kurssprungs nicht besonders gut unterstützt, vor allen Dingen wenn wieder negative Ereignisse am Nachrichtenhorizont auftauchen sollten. Die potentielle Nachfrage, um bullishe Engagements nachzuholen, ist jedenfalls vergleichsweise dürftig, zumal neutral eingestellte Investoren - also potentielle Nachfrager - insgesamt weniger als ein Fünftel aller Befragten ausmachen. Per Saldo hat sich die Situation des DAX Sentiment-technisch also nur unwesentlich verbessert.

von Joachim Goldberg 9. April 2026, © Goldberg & Goldberg für Deutsche Börse

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

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