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"High Noon der Berichtssaison" Wochenausblick 27.04.2026, 13:13 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

Der Iran-Krieg bleibt ein Risikofaktor, doch für die neue Woche stehen Notenbanken, Konjunkturdaten und vor allem Quartalszahlen im Fokus. Die Berichtssaison in den USA erreicht ihren Höhepunkt.

27. April 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Der DAX (DE0008469008) startet mit einem kleinen Plus von einem halben Prozent in die neue Woche. Am Montagmorgen steht der deutsche Aktienindex bei 24.180 Punkten. Die abgelaufene Woche hatte der Leitindex nach einem Minus von 2,3 Prozent mit 24.128 Punkten beendet. Auch der Stoxx Europe 600 (EU0009658202) musste Einbußen (2,5 Prozent) hinnehmen. Die großen US-Indizes S&P 500 und Nasdaq 100 hingegen waren am Freitag auf neue Rekordhochs geklettert.

In der neuen Woche tagen mehrere große Notenbanken. Die Strategen der Helaba erwarten weder bei der Fed noch bei der EZB einen kurzfristigen Zinsschritt. Entscheidend dürfte aus ihrer Sicht aber sein, wie die Notenbanker die Auswirkungen der anhaltend hohen Energiepreise einschätzen und welche Rolle sie dem Konjunkturbild beimessen.

"Seitwärtsentwicklung unter Schwankungen" zu erwarten

Dieses Spannungsfeld bestimmt auch die Argumentation der LBBW: Uwe Streich verweist darauf, dass eine steigende Inflation historisch meist mit sinkenden Bewertungsmultiplikatoren an den Aktienmärkten einhergeht. Die starke Performance der relativ hoch bewerteten US-Indizes sei einer gewissen Sorglosigkeit der Anlegerinnen und Anleger sowie dem FOMO-Effekt geschuldet. "So mancher Anleger dürfte jeweils weit zu spät auf den wieder fahrenden Zug aufgesprungen sein und schwor sich daher, dass ihm dies beim nächsten Kursrücksetzer nicht nochmals passiert", beschreibt der Analyst die Entwicklungen nach dem "Liberation Day" und im Rahmen der Corona-Pandemie. Eine erneute V-förmige Erholung sei in der aktuellen Lage aber kaum zu erwarten, sondern eher eine über Monate gestreckte Seitwärtsentwicklung unter Schwankungen.

Risikofaktor Energie bleibt präsent, aber nicht alleiniger Taktgeber

Der Nachrichtenfluss aus dem Nahen Osten dürfte für die Börsen weiterhin ein Volatilitätstreiber bleiben. Deutlich stärker als zuletzt rücken allerdings die Unternehmen in den Mittelpunkt. Alexander Krämer von der Commerzbank beschreibt die aktuelle Lage als Phase, in der Anleger und Anlegerinnen auf mehrere Signale gleichzeitig warten: auf Entwicklungen rund um die Waffenruhe, auf Hinweise der Notenbanken und auf die Belastbarkeit der Unternehmensgewinne.

Laut der Deutschen Bank berichten in dieser Woche in den USA Unternehmen, die für rund 44 Prozent der Marktkapitalisierung des S&P 500 stehen. Besonders im Fokus stehen die großen Technologiekonzerne: Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft legen zur Wochenmitte Zahlen vor, Apple folgt am Donnerstag. Zusätzlich legen große Ölkonzerne wie Exxon und Chevron sowie andere Branchen-Schwergewichte ihre Zahlen vor.

Vor allem auf die Ausblicke der Unternehmen kommt es an

Die Strategen der LBBW sprechen in diesem Zusammenhang vom "High Noon" der Berichtssaison. Entscheidend seien dabei weniger einzelne Ergebniskennziffern als die Ausblicke, insbesondere zu Investitionsplänen und zur Nachfrage. Bei den großen Plattform- und Cloud-Anbietern werde vor allem auf Signale geachtet werden, wie ambitioniert der weitere Ausbau von KI-Infrastruktur ausfällt und ob sich die Erwartungen an Kosten, Margen und Monetarisierung verändern. Die Aussagen der Firmen könnten dabei auch indirekt auf andere Marktsegmente wirken, etwa auf Halbleiterwerte oder Zulieferer entlang der Infrastrukturketten. Aus Sicht der Commerzbank-Analysten ist die Latte nach der Rally der vergangenen Wochen höher gelegt, wodurch positive Überraschungen wichtiger werden, während Gewinnmitnahmen bei Enttäuschungen naheliegen.

Sinkende Gewinnerwartungen für die DAX-Konzerne

Für die deutschen Unternehmen kommt hinzu, dass sich die Gewinnperspektiven zuletzt eingetrübt haben. Uwe Hohmann von Metzler beschreibt, dass die Konsensschätzungen für die DAX-Gewinne 2026 seit Jahresbeginn deutlich zurückgenommen wurden. Statt einem Zuwachs von 15 Prozent werde aktuell nur noch ein Anstieg um rund 5 Prozent erwartet. Dass sich dieser Trend bald wieder umkehren könnte, erscheint seiner Meinung nach aus heutiger Sicht unwahrscheinlich. Der DAX erscheint ihm aktuell zwar nicht teuer, allerdings stütze sich dieser Eindruck stark auf die immer noch sehr optimistischen Schätzungen für das Jahr 2027 (Gewinnanstieg von 15 Prozent), deren Fundament derzeit schwer zu belegen sei.

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftstermine der Woche

Dienstag, 28. April

10.00 Uhr. Eurozone: Inflationserwartungen der Verbraucher (EZB-Umfrage). Im Fokus steht, ob die Haushalte wegen der zuletzt höheren Energiepreise wieder mit stärkerem Preisauftrieb rechnen. Die Zahlen gelten als wichtiger Stimmungstest vor der EZB-Sitzung am Donnerstag.

16.00 Uhr. USA: Verbrauchervertrauen (Conference Board). Ökonomen rechnen mehrheitlich mit einem Rückgang des Index von 91,8 auf rund 89 Punkte. Die Deutsche Bank erwartet 88,8 Punkte, die Helaba 90,0 Punkte. Die Commerzbank verweist darauf, dass dieser Indikator weniger von Inflation, dafür stärker vom Arbeitsmarkt geprägt ist.

Mittwoch, 29. April

14.00 Uhr. Deutschland: Verbraucherpreise (vorläufig). Im Monatsvergleich rechnen Volkswirte mit einem Plus um rund 0,6 bis 0,7 Prozent. Im Jahresvergleich dürfte die Teuerungsrate auf etwa 2,9 bis 3,0 Prozent steigen (nach 2,7 Prozent), wobei höhere Energiepreise als zentraler Treiber gelten.

20.00 Uhr. USA: Zinsentscheid der US-Notenbank. Erwartet wird, dass die Notenbank die Obergrenze des Leitzinskorridors bei 3,75 Prozent belässt. Die Deka betont, dass die Währungshüter an ihrer abwartenden Haltung festhalten dürften; entscheidend bleibe der Preisauftrieb außerhalb von Energie und Nahrungsmitteln.

Donnerstag, 30. April

11.00 Uhr. Eurozone: Inflationsdaten. Erwartet wird, dass die Teuerungsrate im Jahresvergleich von 2,6 auf rund 2,8 bis 2,9 Prozent steigt. Bei der Kerninflation (ohne Energie sowie Nahrungs- und Genussmittel) wird dagegen eher mit einem leichten Rückgang auf etwa 2,2 Prozent gerechnet (nach 2,3 Prozent).

14.15 Uhr. Eurozone: Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank. Eine ?"nderung der Leitzinsen wird nicht erwartet. Entscheidend dürfte sein, ob Präsidentin Lagarde Hinweise gibt, ob die EZB die Inflationswirkungen eher als kurzlebig einstuft oder ob eine Anhebung auf einem der nächsten Termine wahrscheinlicher wird. Die Commerzbank verweist darauf, dass der Markt für Juni bereits eine hohe Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt einpreist.

14.30 Uhr. USA: Inflationsdaten (Preisindex der privaten Konsumausgaben). Bei der Kernrate rechnen Volkswirte im Monatsvergleich mit einem Plus um rund 0,3 Prozent. Dieser Indikator gilt als besonders relevant für die US-Notenbank, weil er ihren Blick auf den zugrunde liegenden Preistrend prägt.

Freitag, 01. Mai

Tag der Arbeit. Kein Handel an den Marktplätzen der Deutschen Börse.

16.00 Uhr. USA: Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe. Nach 52,7 Punkten im März erwarten Ökonomen im Schnitt einen leichten Anstieg auf 53,3 Punkte. Deutlich optimistischer ist die LBBW mit 56,0 Punkten.

Von Thomas Koch, 27. April 2026, © Deutsche Börse AG

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

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