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Lieber Aktien als Bitcoin (Kryptowährungen) 03.07.2026, 12:00 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

Der Bitcoin taumelt weiter und ist zeitweise unter die Marke von 60.000 US-Dollar gefallen. Ist das noch eine normale Konsolidierung oder der Anfang vom Ende der Kryptowährungen? Dazu gibt es unterschiedliche Meinungen.

3. Juli 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Kryptowinter im Hochsommer - die Kursverluste bei den Kryptowährungen setzen sich fort. Der Bitcoin ist zeitweise unter die Marke von 60.000 US-Dollar gerutscht, der niedrigste Stand seit September 2024 und mehr als eine Halbierung gegenüber dem Allzeithoch vom Oktober vergangenen Jahres. Ethereum und Solana haben seit ihren Hochs sogar zwei Drittel an Wert verloren. Der Nasdaq 100 liegt dagegen in der Rekordnähe und hat allein dieses Jahr um 18 Prozent zugelegt.

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Schlecht für Bitcoin: Höhere Zinsen, starker US-Dollar

"Belastend wirkten vor allem anhaltend hohe Nettoabflüsse aus globalen Krypto-ETPs, erneuter Druck auf große Hyperscaler sowie die Sorge vor einer breiteren Verschärfung der Finanzierungsbedingungen", erklärt André Dragosch von Bitwise. Dazu kämen der jüngste Anstieg des US-Dollars und wieder zunehmende geopolitische Risiken rund um Iran.

"Das makroökonomische Umfeld für Risikoanlagen ist schwieriger geworden", meint auch Dovile Silenskyte von WisdomTree. Sie verweist auf den anhaltenden Inflationsdruck, die wohl länger hoch bleibenden Zinsen in den USA, die anhaltende Stärke des US-Dollars sowie Kapitalumschichtungen hin zu Aktien aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz. Für Abgaben sorgten auch Neuigkeiten vom US-Unternehmen Strategy - einer der weltweit größten institutionellen Halter von Bitcoin. Strategy hat nun einen offiziellen Rahmen geschaffen, um Teile der Bitcoin-Reserven bei Bedarf zu veräußern.

Extrem hohe Abflüsse aus Krypto-Trackern

Sowohl US-Spot-ETFs als auch Krypto-ETNs werden im großen Stil verkauft: US-Spot-ETFs verzeichneten im Juni mit Abflüssen von mehr als 2,5 Milliarden US-Dollar einen ihrer schlechtesten Monate seit Beginn der Aufzeichnungen, wie Max Michielsen von 21shares berichtet. Auch WisdomTree meldet für den Juni sehr hohe Abflüsse aus US-Produkten und nur verhaltenes Geschäft in Europa.

Im hiesigen Handel geht es in Sachen Krypto-ETNs sehr ruhig zu: Zuletzt war zumindest im Invesco Physical Bitcoin-ETN (XS2376095068) wieder mehr los, wie Ivo Orlemann von der ICF Bank berichtet. "Es sind aber nur Verkäufe." Auch bei der Lang & Schwarz-Kundschaft ist das Interesse an Krypto-ETN gering. Gelegentlich geht es um die zweite und dritte Reihe, etwa um den 21shares Hyperliquid Staking (CH1471826029).

EU-Regulierung schreitet voran

Am 1. Juli endete die Übergangsfrist für die Verordnung über Märkte für Krypto-Assets (Markets in Crypto-Assets, kurz MiCA). Seitdem dürfen nur noch Krypto-Unternehmen ihre Produkte und Services bewerben, die über eine MiCA-Lizenz verfügen. Nicht mehr dabei sein wird unter anderem Binance, die größte Kryptobörse der Welt. Binance ist in Griechenland mit ihrem MiCA-Antrag gescheitert.

"Nutzloser, spekulativer" Vermögenswert?

Insgesamt macht sich Enttäuschung breit, dass sich der Bitcoin in Zeiten von Inflation und geopolitischen Krisen so schwach zeigt. Für Aufsehen sorgten zuletzt Aussagen des "Blasen-Propheten" Jeremy Grantham, britischer Investor und Mitgründer der Bostoner Vermögensverwaltung GMO. Der erklärte gegenüber CNBC, Bitcoin werde im Verlauf von Jahren, vielleicht auch Jahrzehnten verschwinden - "nicht mit einem Knall, sondern mit einem Wimmern". Grantham bezeichnete die Kryptowährung als "nutzlosen, spekulativen" Vermögenswert ohne inneren Wert. Der Kurs habe sich ohne besonderen Grund halbiert, obwohl das wirtschaftliche Umfeld günstig sei.

"Historisch waren solche Stimmungsniveaus häufig taktisch interessante Einstiegsbereiche", meint hingegen Dragosch von Bitwise mit Blick auf die schlechte Stimmung in der Branche. Allerdings müssten sich die globalen Finanzierungsbedingungen entspannen und die Abflüsse aus Krypto-ETPs nachlassen. "Sollte sich das Umfeld stabilisieren, könnten die aktuell gedrückte Stimmung, die nachlassende Verkaufsdynamik und die historisch günstiger gewordene Bewertung eine Grundlage für eine Erholung bilden."

Von Anna-Maria Borse, 2. Juli 2026, © Deutsche Börse AG

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

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