Die starken Bewegungen an den Rohstoffmärkten setzen sich fort - getrieben vor allem vom Nahostkrieg und der Geldpolitik. Im großen Stil wird vor allem auf Gold-ETCs gesetzt, in der Hoffnung auf einen neuen Anstieg.
1. Oktober 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). An den Rohstoffmärkten kehrt keine Ruhe ein. Der Ölpreis schwankt weiter stark, für Gold ging es zuletzt wieder nach unten, und die Preise einiger Industriemetalle sind so hoch wie noch nie.
Gold wird am Donnerstagmorgen zu 4.188 US-Dollar die Feinunze gehandelt, nach über 4.600 US-Dollar im August und 5.570 US-Dollar im Allzeithoch im Januar. "Die hohen Energiepreise hinterlassen immer deutlichere Spuren bei der Inflation, während der US-Arbeitsmarkt den Belastungen trotzt", erklärt Commerzbank-Analystin Barbara Lambrecht. Als Folge preise der Markt immer mehr Zinserhöhungen in den USA ein, was die US-Anleiherenditen und damit die Realzinsen steigen lasse und wiederum die Opportunitätskosten der Goldhaltung erhöhe. "Dennoch stimmt optimistisch, dass die eher langfristig orientierten Investoren in den Gold-ETCs investiert bleiben", meint sie.
Die hohen Zuflüsse in Gold-ETCs haben sich auch im September fortgesetzt, wie Emittent WisdomTree meldet. "Die längerfristigen Treiber bleiben intakt - Sorgen wegen der hohen Staatsschulden, Volatilität an den Anleihemärkten und Zentralbanken, die weiterhin in Gold diversifizieren", erklärt Mobeen Tahir von WisdomTree. Seit Jahresanfang bis Ende August verzeichneten Gold-ETCs am europäischen ETC-Markt Nettozuflüsse von fast 8 Milliarden Euro, wie Zahlen des ETF-Analyse- und Handelshauses Crossflow zeigen. Für den August spricht Crossflow sogar von einem "echten Kracher": "Die 5,7 Milliarden Euro bedeuteten nichts anderes als den größten monatlichen Zufluss, seitdem es ETCs gibt."
Hohe Nachfrage nach Gold-ETCs
Der Handel mit Gold-ETCs und Goldminen-ETFs ist rege. Bei der ICF Bank sind Gold-ETCs derzeit sogar Umsatzspitzenreiter, wie Ivo Orlemann berichtet. Meist sind es Käufe, etwa des Invesco Physical Gold in "normaler" (IE00B579F325) und währungsgesicherter Variante (XS2183935274).
Ebenfalls fast nur Käufe sieht der Händler für den VanEck Gold Miners-ETF (IE00BQQP9F84). Eine zwischenzeitliche Belebung des Handels mit Gold- und Silber-ETCs meldet Maurice Mohnfeld von Lang & Schwarz, zuletzt war es aber wieder ruhiger. Was Gold angeht, werde viel auf reine Preis-Tracker gesetzt, was Silber angeht, auf Produkte mit Hebel wie den WisdomTree Silver 3x Daily Leveraged (XS3306516876). Der Silberpreis bewegt sich seit Wochen seitwärts und liegt mit aktuell 61 US-Dollar weit unter dem Allzeithoch von knapp 122 US-Dollar im Januar.
Umsatzspitzenreiter im ETC-Handel auf Xetra sind aktuell Xetra-Gold (DE000A0S9GB0) sowie Goldpreis-Tracker von iShares (IE00B4ND3602), Xtrackers (DE000A1EK0G3) oder Invesco (IE00B579F325). Der Goldbestand von Xetra-Gold ist wieder gestiegen. Aktuell sind es 176 nach knapp 173 Tonnen per Jahresende 2025.
Raus aus Silber.
Im Gegensatz zu den hohen Zuflüssen in Gold flossen aus Silber-ETCs in den ersten acht Monaten netto 1,6 Milliarden Euro ab. Zuflüsse gab es auch in gemischte Rohstoff-ETCs (2,6 Milliarden Euro), auf niedrigerem Niveau in Industriemetall-ETCs (495 Millionen Euro). Energie-ETCs wurden hingegen unter dem Strich abgestoßen (minus 727 Millionen Euro).
Mehr dazu: crossflow.de "Ölpreis stark von politischen Schlagzeilen abhängig"
Die Ausschläge beim Ölpreis bleiben hoch. Das Barrel der Nordseesorte Brent wurde dieses Jahr im Tief um 61 US-Dollar gehandelt, im Hoch zu 119 US-Dollar. Am Donnerstagmorgen sind es 97 US-Dollar. "Weil Fortschritte zwischen den USA und Iran ausbleiben, schwinden die Hoffnungen auf eine Wiederöffnung der Straße von Hormus", bemerkt Maximilian Wienke von der Trading-Plattform eToro. Der Markt bleibe damit stark von politischen Schlagzeilen abhängig. "Solange eine diplomatische Lösung fehlt, dürften Ölpreise, Renditen und Aktienkurse stark schwanken."
Energie-ETCs standen in den vergangenen Wochen tendenziell auf den Verkaufslisten, wie WisdomTree meldet. Hohe Umsätze auf Xetra verzeichnen aktuell vor allem Produkte mit Hebel wie der WisdomTree WTI Crude Oil 3x Daily Leveraged (IE00BMTM6B32).
Kupfer im September mit Allzeithoch
Sehr stark gestiegen sind die Preise einiger Industriemetalle, etwa von Kupfer, Zink und Aluminium. Mit 14.826 US-Dollar hat Kupfer hat im September ein neues Allzeithoch erreicht. Mit aktuell 14.396 US-Dollar ergibt sich auf Zwölfmonatssicht immer noch ein Plus von fast 40 Prozent. Das schlägt sich auch in ETCs nieder, etwa im umsatzstarken WisdomTree Copper (GB00B15KXQ89).
"Auch an den Industriemetallmärkten scheinen die Marktteilnehmer eher auf die gute Konjunktur als auf die Konjunkturrisiken durch hohe Energiepreise zu schauen", kommentiert Commerzbank-Analystin Lambrecht. Insgesamt wurden Industriemetall-ETCs WisdomTree zufolge in den vergangenen Wochen aber verkauft, wenn auch nicht im großen Stil.
Von Anna-Maria Borse, 1. Oktober 2026, © Deutsche Börse AG
(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)