Hausärzte kritisieren geplante Krankschreibungs-Regel 03.07.2026, 12:24 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

Die Vize-Vorsitzende des Bayerischen Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, Petra Reis-Berkowicz, hat die von der schwarz-roten Koalition geplante Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag scharf kritisiert. "Das ist reine Bürokratie, das ist abstrus", sagte die Ärztin im Bayerischen Rundfunk (Bayern 2, "Die Welt am Morgen"). "Das ist an der Realität der Menschen vorbei gedacht, und das ist für mich politischer Aktionismus."

Reis-Berkowicz sagt voraus, es werde "zu einer totalen Überlastung der Praxen" kommen, vor allem in den Infektzeiten wie im Herbst. Ressourcen in den Praxen würden dann fehlgeleitet. "Wir sind ja über die Möglichkeit, dass wir Patienten nur über Telefon versorgen können, sehr glücklich, damit konnten wir ja auch Infekte in der Praxis, Infektionsquellen, wirklich zurückführen."

Reis-Berkowicz kritisiert: "Das ist sowas von sinnfrei"

In den Praxen würden jetzt die Zugänge verstopft. Es sei weniger Zeit für chronisch Kranke, die intensivere Betreuung benötigten. Stattdessen müssten sich die Praxen mit Bürokratie beschäftigen, kritisierte die Ärztin. Seine Symptome könne jemand am Telefon genauso schildern. In den Praxen stecke jemand hingegen andere Patienten an und überlaste das Personal. "Das ist sowas von sinnfrei, wir sind entsetzt und können nur den Kopf schütteln, was in den Köpfen dieser Politiker vorgeht, die am realen Leben ja gar nicht mehr teilnehmen", so Reis-Berkowicz.

Union und SPD wollen Deutschland mit einem umfassenden Reformpaket aus der Wirtschaftskrise führen. Eine der geplanten Maßnahmen: Die Möglichkeit, sich telefonisch auch ohne Praxisbesuch krankschreiben zu lassen, soll abgeschafft werden. Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) soll schon am ersten Krankheitstag verpflichtend vorgelegt werden. Reis-Berkowicz bezeichnete die Vorstellung, den hohen Krankenstand mit der neuen Regelung drücken zu können, als "eine Illusion".

Die Medizinerin hält die Pläne für fachlich unbegründet. Es gebe "keine wissenschaftliche Grundlage", die nachweise, dass eine AU ab dem ersten Tag zu einem niedrigeren Krankenstand führe. Die Zunahme der Krankschreibungen erklärte sie mit statistischen Effekten: die vollständige elektronische Erfassung und die Zunahme der längerfristigen Krankschreibungen, überwiegend psychische Erkrankungen oder körperliche Erkrankungen bei körperlich fordernden Berufen, wie sie erläuterte.

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