Hitze in Europa

Ärzte dringen auf verbindliche Maßnahmen 06.08.2026, 05:59 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

Angesichts der jüngsten Hitzewellen mit Tausenden Toten fordern die Bundesärztekammer und rund 80 weitere europäische Gesundheitsorganisationen deutlich mehr Anstrengung von der EU. So müsse die Erklärung des Klimanotstands in verbindliche Verpflichtungen und extreme Hitze als ernsthafte grenzüberschreitende Gesundheitsgefahr anerkannt werden, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung.

Weiter fordern die Unterzeichner unter anderem einen Europäischen Hitzeschutzplan, unterstützt durch einen Notfall-Anpassungsfonds. Damit sollen beispielsweise die Hitzeüberwachung und Gesundheitseinrichtungen, Pflegeeinrichtungen, Kindertagesstätten und Schulen klimafest gemacht werden. Die Lücke im europäischen Arbeitsschutz bei Hitze müsse durch verbindliche, regional angepasste Temperaturschwellenwerte geschlossen werden. Außerdem sollen etwa sichere Innentemperaturen für vulnerable Menschen im Bestandswohnraum gewährleistet werden.

Trotz Aktionsplänen steigt hitzebedingte Sterblichkeit

Trotz bestehender nationaler Hitze-Gesundheits-Aktionspläne, Frühwarnsysteme und einer EU-Anpassungsstrategie steige die hitzebedingte Sterblichkeit weiter, kritisieren die Autoren. "Unter den Hitzekuppeln des Juni 2026, dem heißesten je in Westeuropa gemessenen Juni, wurden allein in der Spitzenwoche der Hitzewelle mehrere Tausend Übersterblichkeitsfälle registriert - Tendenz weiter steigend." Die Opfer seien überwiegend ältere Menschen, überproportional Frauen.

Auch im Freien arbeitende Menschen sowie Menschen in Armut und in schlecht angepassten Wohnungen als auch in Pflege- und Gesundheitseinrichtungen seien von gesundheitlichen Folgen betroffen, zudem förderten Waldbrände weitere Todesopfer und hüllten Städte in Rauch. "Dessen Feinstaubpartikel werden noch lange nach dem Erlöschen der Flammen weitere Todesfälle verursachen", warnen die Unterzeichner, zu denen auch der deutsche Hausärztinnen- und Hausärzteverband sowie Klug, die deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit, gehören.

Fast 10.000 Hitzetote in Deutschland

Die Unterzeichner fordern, dass bei dem European Climate Resilience Framework, ein Klima-Widerstandsfähigkeitsplan, der derzeit von der EU-Kommission erarbeitet werde, Gesundheit ins Zentrum zu stellen und rechtlich verbindliche Anpassungsverpflichtungen zu schaffen. Auch im Gesundheitssektor müsse etwas passieren: "Die Unterzeichner verpflichten sich, ihre eigenen Krankenhäuser, Praxen und Pflegeeinrichtungen klimaresilient und klimaneutral zu gestalten, Patientinnen, Patienten und Personal vor Hitze zu schützen und den Klimawandel in jede klinische und pflegerische Entscheidung einzubeziehen."

In Deutschland starben in diesem Jahr nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts bereits fast 10.000 Menschen wegen hoher Temperaturen (Stand: Mitte Juli). Das ist mehr als in jedem einzelnen Gesamtjahr seit 2016. An diesem Donnerstag veröffentlicht das RKI neue Zahlen zu Hitzetoten.

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