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Ökonomen-Stimmen zur Zinsentscheidung der EZB 10.09.2026, 16:16 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

Die Europäische Zentralbank (EZB) reagiert mit der zweiten Zinserhöhung in diesem Jahr auf den Ölpreisschock infolge des Iran-Kriegs. Die Notenbank hebt den für Banken und Sparer wichtigen Einlagenzins wie allgemein erwartet von 2,25 auf 2,5 Prozent an. Das entschied der EZB-Rat, der ausnahmsweise nicht am Sitz der Zentralbank in Frankfurt, sondern in Berlin tagte.

Einschätzungen von Ökonomen zu den geldpolitischen Entscheidungen im Überblick:

Ulrich Kater, Chefvolkswirt Dekabank

"Die Leitzinsen müssen steigen, weil sich die Inflation als hartnäckiger erweist als erwartet. Vor dem Hintergrund des andauernden Konflikts am Persischen Golf bleiben die Energiepreise hoch. Die EZB ist dabei in einer undankbaren Lage, denn höhere Zinsen belasten eine ohnehin nicht gerade kräftige Konjunktur. Die Abwehr von Inflationsgefahren wiegt jedoch stärker. Am Kapitalmarkt hat man sich darauf eingestellt, dass die Inflationsgefahren nicht so leicht verschwinden. Daher sind alle Kapitalmarktzinsen in letzter Zeit gestiegen. Obwohl die Zinsen im kommenden Jahr wieder etwas nachgeben könnten, wird es wohl nicht wieder so weit heruntergehen wie in den vergangenen Jahren."

Jens-Oliver Niklasch, Volkswirt bei der LBBW

"Die EZB nimmt die Inflation und die weiteren Inflationsrisiken sehr ernst. Das geht nicht nur aus der heutigen - erwarteten - Zinserhöhung hervor, sondern auch aus der Anpassung der Projektionen. Zum Ende des Projektionshorizonts sind wir bei 2,1 Prozent, mithin über dem Zielwert der EZB. Das schafft eindeutig Spielraum für weitere Erhöhungen. Weil die Lage aber aufgrund der starken Schwankungen der Energiepreise sich auch rasch ändern kann, wäre es vermessen davon allein auf weitere Erhöhungen der Leitzinsen zu schließen."

Michael Heise, Chefökonom von HQ Trust

"Über weitere Zinsanhebungen zu spekulieren, ist verfrüht. Die Preisentwicklung in 2026 und 2027 ist stark von den Energiepreisen abhängig und angesichts der geopolitischen Konflikte sehr unsicher. Es ist richtig, dass die EZB in Zeiten großer Unsicherheit in einem datengetriebenen Modus bleibt und von Sitzung zu Sitzung entscheidet. Die Übertragung hoher Energiepreise und hoher Importkosten auf die inländische Preis- und Lohnentwicklung ist bislang eher verhalten. Die Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel lag zuletzt bei 2,4 Prozent. Die bereits kräftig gestiegenen Kapitalmarktrenditen im Euroraum werden eine dämpfende Entwicklung auf die Inflation im Inland haben."

Thomas Gitzel, Chefvolkswirt VP Bank

"Die EZB behält sich weiterhin alle Optionen offen. Dazu gehört auch eine weitere Zinserhöhung im laufenden Jahr. Die europäischen Währungshüter betonen, dass die Inflationsrisiken aufwärtsgerichtet bleiben würden. Das klingt durchaus nach weiteren geldpolitischen Straffungen. Auch wenn die EZB weiterhin auf Sicht fahren wird, die Wahrscheinlichkeit für eine weitere Zinserhöhung noch im laufenden Jahr hat sich deutlich erhöht."

Ulrich Wortberg, Helaba Research

"Vertreter der Notenbank haben in den letzten Wochen immer wieder auf die Notwendigkeit weiterer Zinsschritte hingewiesen und sie dürften nach der heutigen Zinserhöhung weiterhin Handlungsbereitschaft signalisieren. Es gilt aber zu berücksichtigen, dass sich die EZB nicht im Voraus auf einen bestimmten Zinspfad festlegt, sondern von Sitzung zu Sitzung in Abhängigkeit der Datenlage sowie der Inflations- und Wachstumsaussichten entscheidet. Auch die geopolitische Entwicklung spielt eine Rolle."

Heiner Herkenhoff, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbands

"Mit ihrer Entscheidung bleibt die EZB auf einem angemessenen und nachvollziehbaren Kurs. Anders als 2022 vermeiden die Währungshüter, dass sich ein Nachholbedarf aufbaut, der damals eine längere Serie von Zinserhöhungen ausgelöst hat. Die EZB kann damit an ihrem datenabhängigen geldpolitischen Ansatz festhalten. Einen Automatismus für eine weitere Zinserhöhung auf der nächsten geldpolitischen Sitzung des EZB-Rats Ende Oktober sehe ich nicht."

Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung

"Die Inflationserwartungen im Euroraum sind zwar noch gut verankert, aber die EZB verschafft sich mit dem heutigen Schritt eine bessere Absicherung gegen mögliche Zweitrundeneffekte durch Unternehmen und Gewerkschaften. Sie sendet ein Signal an alle wirtschaftlichen Akteure, dass sie ihr Ziel der Preisstabilität ernst nimmt und dafür auch gewillt ist, die Wirtschaft im Euroraum zu bremsen." /jsl/men

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