Automobilmanager erwarten bis 2035 eine neue globale Wettbewerbsordnung Berlin (ots) - 26 Ausgabe des "KPMG Global Automotive Executive Survey" zeigt: Technologie entscheidet künftig über Marktführerschaft, während China seinen Einfluss in der Automobilindustrie weiter ausbaut.
- 51 Prozent der Führungskräfte erwarten, dass Software und digitale Technologien bis 2035 zum wichtigsten Differenzierungsmerkmal ihres Unternehmens im Wettbewerb werden. - 49 Prozent bezeichnen ihre softwaredefinierten Produkte und Over-the-Air-Funktionen bereits als etabliert oder fest verankert. - Nur 36 Prozent der KI- und Softwareinitiativen wurden erfolgreich über die Pilotphase hinaus skaliert. - 92 Prozent der Unternehmen benötigen mindestens zwölf Monate, um eine neue KI-, Digital- oder Softwarelösung unternehmensweit einzuführen. - 57 Prozent der Führungskräfte im asiatisch-pazifischen Raum berichten von erheblichen Investitionen in KI und neue Technologien, gegenüber 52 Prozent in Europa und 48 Prozent auf dem amerikanischen Kontinent. - Fast die Hälfte der Führungskräfte erwartet, dass bis 2035 sechs der zehn größten Automobilhersteller der Welt ihren Hauptsitz in China haben werden.
Software und digitale Technologien werden zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor in der Automobilindustrie. Zugleich gehen Führungskräfte zunehmend davon aus, dass China künftig eine führende Rolle in der Branche spielen wird. Das zeigt die 26. Global Automotive Executive Survey von KPMG International. Für die Studie wurden weltweit 775 Führungskräfte aus der Automobilindustrie befragt. 51 Prozent erwarten, dass Software und digitale Technologien bis 2035 zum wichtigsten Differenzierungsmerkmal ihres Unternehmens im Wettbewerb werden. 48 Prozent rechnen zudem damit, dass bis dahin sechs der zehn größten Automobilhersteller der Welt ihren Hauptsitz in China haben werden.
Diese Erwartungen entstehen vor dem Hintergrund tiefgreifender Umbrüche, die die Wettbewerbslandschaft der Branche gleichzeitig verändern. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Führungskräfte auf ein Jahrzehnt überlagernder Veränderungen einstellen: Technologie, Geopolitik, Nachhaltigkeit, operativer Druck, Kundenerwartungen und neue Geschäftsmodelle wirken gleichzeitig und mit vergleichbarer Intensität auf die Branche ein. Das Zusammenwirken dieser Umbrüche macht Transformation zugleich von einem zeitlich begrenzten Programm zum dauerhaften Betriebsmodell der Branche: 52 Prozent stimmen der Aussage zu, dass kontinuierliche Transformation inzwischen zur Normalität gehört.
"Führungskräfte in der Automobilindustrie müssen derzeit mehrere grundlegende Veränderungen gleichzeitig bewältigen - von Technologie und Geopolitik bis hin zu veränderten Kundenerwartungen und neuen Geschäftsmodellen. Diese Entwicklungen greifen zunehmend ineinander und erfordern oft dieselben Ressourcen und dieselbe Aufmerksamkeit des Managements. Unternehmen, denen es am schnellsten gelingt, Technologie in Kundennutzen zu übersetzen und zugleich flexibel auf unterschiedliche Märkte zu reagieren, werden die nächste Entwicklungsphase der Branche anführen", sagt Andreas Ries, Global und Deutschland Head of Automotive bei KPMG .
Technologie ordnet den Wettbewerb in der Automobilindustrie neu
Der Wettbewerb verlagert sich in Richtung KI, fortschrittlicher Fahrerassistenzsysteme, intelligenter Cockpits, softwaredefinierter Fahrzeuge und vernetzter Dienste. 51 Prozent erwarten, dass Software und digitale Technologien bis 2035 zum wichtigsten Differenzierungsmerkmal ihres Unternehmens im Wettbewerb werden. 49 Prozent bezeichnen ihre softwaredefinierten Produkte und Over-the-Air-Funktionen bereits als etabliert oder fest verankert. 42 Prozent sehen einen vergleichbaren Reifegrad bei ihrer übergreifenden Strategie für softwaredefinierte Fahrzeuge.
Die Umsetzung bleibt jedoch die entscheidende Lücke. Im Durchschnitt wurden nur 36 Prozent der KI- und Softwareinitiativen über die Pilotphase hinaus skaliert und unternehmensweit eingeführt. 92 Prozent der Unternehmen benötigen mindestens zwölf Monate, um eine Digital-, Software- oder KI-Lösung im gesamten Unternehmen auszurollen. Mehr als ein Drittel braucht dafür über zwei Jahre.
Auch regional entwickeln sich die Kompetenzen unterschiedlich schnell. 57 Prozent der Führungskräfte im asiatisch-pazifischen Raum berichten von erheblichen Investitionen in KI und neue Technologien, gegenüber 52 Prozent in Europa und 48 Prozent auf dem amerikanischen Kontinent. Der asiatisch-pazifische Raum führt bei der Integration von autonomem Fahren und Fahrerassistenzsystemen mit 52 Prozent. Europa und der amerikanische Kontinent liegen jeweils bei 44 Prozent. Bei der KI-Governance erreicht die Region 50 Prozent, verglichen mit 45 Prozent in Europa und 39 Prozent auf dem amerikanischen Kontinent.
Technologieführerschaft wird jedoch längst nicht mehr allein durch interne Kompetenzen bestimmt. Mit der Weiterentwicklung von Automobilsoftware, KI und vernetzten Diensten erkennen Unternehmen zunehmend, dass ihre künftige Wettbewerbsfähigkeit nicht nur von Technologieinvestitionen, sondern ebenso von der Stärke ihrer Ökosysteme abhängt. Der Anteil der Wertschöpfung, der durch externe Partnerschaften und Ökosysteme ermöglicht wird, dürfte innerhalb von drei Jahren von heute 30 Prozent auf 44 Prozent steigen.
Auch Vertrauen wird zu einem wichtigen Differenzierungsmerkmal: Die Hälfte der Führungskräfte geht davon aus, dass das Vertrauen in digitale und vernetzte Funktionen in den kommenden drei Jahren maßgeblich darüber entscheiden wird, welche Unternehmen sich durchsetzen.
China rückt ins Zentrum der Automobilindustrie
Die technologiegetriebene Verschiebung der Wertschöpfung prägt auch die Erwartungen der Führungskräfte an eine neue globale Wettbewerbsordnung. Ein wachsender Anteil der Befragten geht davon aus, dass China in der weltweiten Automobilindustrie eine noch einflussreichere Rolle spielen wird. Fast die Hälfte erwartet, dass im Jahr 2035 sechs der zehn größten Automobilhersteller ihren Hauptsitz in China haben werden.
Die Analyse verweist auf Chinas wachsende Kompetenzen bei Elektrifizierung, Software und digitaler Innovation. Damit gewinnt das Land bei technologiegetriebenen Wertschöpfungsfeldern der Automobilindustrie weiter an Einfluss. Die Erwartung einer stärkeren chinesischen Präsenz ist Teil einer breiteren Verlagerung hin zu technologiegetriebener Wertschöpfung im asiatisch-pazifischen Raum.
Der Bericht zeigt außerdem, dass sich die Wertschöpfung über das Fahrzeug hinaus erweitert. Führende Unternehmen nutzen ihre Kompetenzen, um Chancen unter anderem in den Bereichen Energiespeicherung, Verteidigungsanwendungen, vernetzte Dienste und Finanzdienstleistungen zu erschließen.
"Die Wettbewerbslandschaft der Branche wird neu geordnet. Technologie verändert, was Kunden wichtig ist, wie sich Unternehmen differenzieren und wo künftig neue Ertragspotenziale entstehen können. Chinas wachsender Einfluss ist eines der deutlichsten Signale für diesen Wandel. Erfolg hängt jedoch von mehr ab als von Standort oder Größe: Entscheidend sind die Fähigkeit, Technologien wirksam einzusetzen, die richtigen Öko-systeme aufzubauen und sich an zunehmend unterschiedliche Märkte anzupassen", sagt Nicolas Nowicki, Partner bei KPMG Frankreich und Head of Automotive für die EMA-Region.
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