(neu: Kurs aktualisiert, Analysten, Aussagen aus Calls.)
MÜNCHEN (dpa-AFX) - Der Autobauer BMW DE0005190003 bekommt die Krise im wichtigen Absatzmarkt China weiter deutlich zu spüren. Der Umsatz fiel im zweiten Quartal im Jahresvergleich um knapp 8 Prozent auf 31,3 Milliarden Euro, wie der Dax DE0008469008-Konzern am Donnerstag in München mitteilte. Die Ergebnisse kamen dabei noch deutlicher unter Druck: Die für den Kapitalmarkt wichtige Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern in der Autosparte sackte von 5,4 auf 2,3 Prozent ab. Analysten hatten sogar noch einen etwas deutlicheren Rückgang einkalkuliert. Die BMW-Aktie stieg.
Der Anteilsschein gewann am Vormittag 1,6 Prozent auf 61,26 Euro. In diesem Jahr steht damit immer noch ein Minus von rund einem Drittel zu Buche. Alles in allem habe es nach der Prognosesenkung im Juni keine Überraschungen gegeben, schrieb Analyst Stephen Reitman vom Analysehaus Bernstein. BMW habe beim operativen Ergebnis etwas besser abgeschnitten als gedacht, beim Umsatz dafür schwächer. Experte Philippe Houchois von Jefferies wertete den freien Mittelzufluss im Autogeschäft höher als erwartet.
Das Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) fiel um 39 Prozent auf 1,63 Milliarden Euro, unter dem Strich rutschte der Überschuss um mehr als ein Drittel auf 1,2 Milliarden Euro ab. Der neue BMW-Chef Milan Nedeljkovic behielt die im Juni wegen der China-Probleme gesenkte Konzernprognose bei.
Vor allem die Geschäfte in der Volksrepublik liefen für die Münchner zuletzt schlecht. Der weltgrößte Automarkt, der früher regelmäßig für sprudelnde Gewinne gesorgt hatte, ist für BMW - wie für die anderen deutschen Hersteller - inzwischen zum Sorgenkind geworden, weil die Verkäufe dort einbrechen, während sich der Wettbewerb zuletzt immer weiter verschärft hat. Der BMW-Absatz war dort im zweiten Quartal um fast ein Drittel abgesackt.
Schwerer Einstieg für den neuen Chef
"In den vergangenen Wochen haben wir gesehen, wie schnell sich unser Geschäftsumfeld verändern kann", sagte Vorstandschef Nedeljkovic. Es ist ein schwerer Einstand in neuer Rolle für den früheren Produktionsvorstand. In den nicht einmal drei Monaten seiner Amtszeit musste er schon eine herbe Gewinnwarnung verkünden, und erst vortags wurde aus Unternehmenskreisen bekannt, dass BMW weltweit 8.000 Stellen abbauen will. Dazu legt der Konzern unter anderem ein Abfindungsprogramm in Deutschland auf.
Jetzt äußerte sich auch Nedeljkovic direkt zu den Plänen. "Die Herausforderungen in der gesamten Automobilindustrie nehmen rasant zu: Ein harter globaler Wettbewerb, steigende regulatorische Anforderungen und die Auswirkungen geopolitischer Konflikte werden unser Geschäftsmodell in den nächsten Jahren prägen. Daher gilt es, schlank und agil zu sein." Die Rahmenbedingungen für BMW würden sich in den kommenden Jahren verschärfen.
Auch Finanzvorstand Walter Mertl verwies auf den verschärften Wettbewerb. "Nach Einsparungen von 2,5 Milliarden Euro im vergangenen Jahr intensivieren und beschleunigen wir unsere Effizienzmaßnahmen und gehen strukturelle Veränderungen gezielt an. Unser Ziel ist weniger Komplexität und eine niedrigere Kostenbasis", sagt er. Schon vergangenes Jahr war die Zahl der Mitarbeiter bei BMW gesunken.
KI soll helfen, mit weniger Menschen mehr zu schaffen
Bei den Details des Abbauprogramms blieben die beiden Manager allerdings eher wolkig. Vor allem nannten sie weder genaue Zahlen zu den angestrebten Einsparungen, noch bestätigten sie die Zahl der Jobs, die wegfallen soll. Zum Kapitalmarkttag im September dürfte es jedoch mehr Details zu den Einsparzielen geben.
Die Kosten für das Sparprogramm dürften in diesem Jahr die operative Gewinnmarge im Autogeschäft um 1,25 Prozentpunkte schmälern. Auf die Umsatzerwartungen für die Autosparte bezogen wären das rechnerisch um die 1,4 Milliarden Euro. Dass es ein Milliardenbetrag sein dürfte, hatte die BMW-Führung schon in Aussicht gestellt.
Eine Rolle bei den Einsparungen soll auch KI spielen. Derzeit gebe es bei BMW hohe Spezialisierung und Arbeitsteilung, sagt Nedeljkovic. Mit künstlicher Intelligenz könne man den Mitarbeitern mehr Informationen geben. Das mache sie schneller und sorge dafür, dass man mit kleineren Teams umfangreichere Aufgabenbereiche abdecken könne.
Zumindest die Mitarbeiter in der Produktion in Deutschland müssen sich aktuell aber wohl wenig Sorgen machen. Zum einen betrifft sie das Abfindungsprogramm nicht, zum anderen betonte Nedeljkovic, dass die Auslastung in den deutschen Werken sehr gut sei - und das gelte auch für die nächsten Jahre.
Nedeljkovic setzt auf E-Autos der "Neuen Klasse"
Hoffnung setzt BMW unter anderem auf die Fahrzeuge der Elektroautogeneration "Neue Klasse". Das erste Modell iX3 ist inzwischen mehr als 50.000-mal gebaut worden. Die Zahl der Bestellungen insgesamt soll sich sogar schon auf dem Weg zur 100.000 befinden.
Eine schnelle Erholung ist insgesamt aber nicht in Sicht. Zum einen werden die Belastungen aus der geplanten Restrukturierung im zweiten Halbjahr aufs Ergebnis drücken. Zum anderen ist der weltweite Automarkt derzeit zu herausfordernd, um eine schnelle Kehrtwende hinzulegen.
Erst zu Beginn des kommenden Jahrzehnts könnte BMW wohl den eigenen Plänen zufolge wieder in alter Stärke dastehen: Dann soll die operative Gewinnmarge im Autogeschäft wieder den strategischen Zielbereich von 8 bis 10 Prozent erreichen, wie Nedeljkovic sagte.