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Bosch-Chef Stefan Hartung geht vorzeitig 26.06.2026, 16:11 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

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(durchgehend aktualisiert)

GERLINGEN (dpa-AFX) - Überraschender Chefwechsel bei Bosch: Stefan Hartung tritt ab. Der 60-Jährige lege zum 30. Juni auf eigenen Wunsch sein Mandat als Vorsitzender der Geschäftsführung nieder, teilte der Technologiekonzern in Gerlingen bei Stuttgart mit. Hartung wolle sich künftig neuen gesellschaftlichen und unternehmerischen Aufgaben außerhalb der Bosch-Gruppe widmen. Sein Nachfolger soll der bisherige Vize-Chef Christian Fischer werden.

Der Wechsel erfolgt demnach in enger Abstimmung und im Einvernehmen mit der obersten Ebene bei Bosch. "Die Gesellschafter und der Aufsichtsrat bedauern die Entscheidung von Stefan Hartung und danken ihm ausdrücklich für seine großen Verdienste bei der umsichtigen Führung des Unternehmens in einer außergewöhnlich anspruchsvollen Phase", teilte Aufsichtsratschef Stefan Asenkerschbaumer mit. Hartung habe die kraftvolle Weiterentwicklung von Bosch gezielt fortgesetzt.

"Wir respektieren die persönliche Entscheidung von Stefan Hartung und wünschen ihm viel Erfolg für seine Zukunft", wird Asenkerschbaumer weiter zitiert. Der Manager ist zugleich geschäftsführender Gesellschafter der Robert Bosch Industrietreuhand KG, dem Machtzentrum des Konzerns. Sie hält mehrheitlich die Stimmrechte an dem weltgrößten Autozulieferer.

Vertrag von Hartung war erst verlängert worden

Bosch hatte den Vertrag von Hartung erst im vergangenen Herbst verlängert. Details wurden damals nicht genannt. Aber dem Vernehmen nach wurde eine Laufzeit bis 2031 vereinbart. Der gebürtige Dortmunder und frühere McKinsey-Manager, der als quirlig und offen gilt, hat seine Bosch-Karriere 2004 bei der Hausgeräte-Tochter BSH begonnen. 2013 stieg er in die Geschäftsführung auf.

Den Chefposten des Stiftungskonzerns übernahm er Anfang 2022. Mit dem vorzeitigen Weggang beendet der promovierte Maschinenbauer als siebter Chef nach Gründer Robert Bosch seine Tätigkeit in dem Unternehmen, das neben Autoteilen, Halbleitern, Hausgeräten und Elektrowerkzeugen auch Industrie- und Gebäudetechnik herstellt. Und damit nach vergleichsweise kurzer Zeit: Seine drei Vorgänger Volkmar Denner, Franz Fehrenbach und Hermann Scholl führten den Konzern deutlich länger.

Hartung: Richtige Zeitpunkt, mein Mandat niederzulegen

Corona, Ukraine-Krieg, US-Zölle, zunehmende Konkurrenz aus China - all das fiel in die viereinhalb Jahre dauernde Amtszeit von Hartung. In dieser Periode investierte Bosch Milliarden in E-Mobilität, Software für das automatisierte Fahren, Wasserstoff, Wärmepumpen und in bestimmte Chips. Doch nicht alle Strategien gingen auf, und auch die Weltwirtschaft und die Kunden spielten nicht immer mit. Die Folge waren verschobene Finanzziele, Sparmaßnahmen und ein Stellenabbau im großen Stil - für den das Management um Hartung auch bei den Arbeitnehmern scharf in der Kritik stand.

Hartung teilte mit: "Nachdem die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens weiter gestärkt ist und wir wichtige Meilensteine in der Restrukturierung erreicht haben, ist jetzt für mich der richtige Zeitpunkt, mein Mandat niederzulegen."

Fischer übernimmt am 1. Juli

Der neue Bosch-Chef Fischer verantwortete zuletzt die Konsumgütersparte - und war so etwas wie der Chefstratege der Gruppe. Die berufliche Karriere des 58-Jährigen startete einst bei den Schwaben als Trainee. Über Stationen bei der Unternehmensberatung Roland Berger, Walter Bau, dem RFID-Unternehmen Smartrac NL0000186633 und wieder Roland Berger kam Fischer 2018 zurück zu Bosch - direkt in die Geschäftsführung.

Der Vertrag von Fischer hat nach dpa-Informationen eine Laufzeit von fünf Jahren. Die Stellvertreter-Position teilen sich in Zukunft zwei Manager: Finanzgeschäftsführer Markus Forschner und Zuliefer-Chef Markus Heyn.

Bosch steckt in der Krise

Die schwierige Wirtschaftslage hat im vergangenen Jahr mit voller Wucht bei Bosch durchgeschlagen. Der Zulieferer leidet nicht nur in seinem Kernbereich, wo ihm unter anderem der schleppende Wandel zur Elektro-Mobilität zusetzt, sondern auch in fast allen anderen Geschäftsfeldern. So halten sich zum Beispiel viele Verbraucherinnen und Verbraucher wegen der aktuellen Wirtschaftslage beim Kauf von Geräten wie Kühlschränken, Backöfen, Waschmaschinen, Elektrowerkzeugen und Gartengeräten zurück.

Nach eigenen Angaben ist Bosch in vielen Bereichen mittlerweile nicht mehr wettbewerbsfähig. Um das Ruder herumzureißen, wird kräftig an Personal und Strukturen gespart. Allein in der Zuliefersparte will der Konzern in den kommenden Jahren bis zu 22.000 Stellen streichen. Abbaupläne gibt es aber auch in anderen Bereichen - unter anderem bei der Hausgerätetochter BSH und der Sparte für Elektrowerkzeuge.

Die Kosten für den beispiellosen Stellenabbau haben - neben den US-Zöllen und Steuereffekten - auch die Geschäftszahlen der Schwaben schwer belastet. Insgesamt schlugen die Programme mit 2,7 Milliarden Euro zu Buche, vor allem in Form von Rückstellungen. Im vergangenen Jahr musste Bosch daher erstmals seit 2009 einen Nachsteuerverlust in Höhe von 363 Millionen Euro verbuchen. Bereits in Vorjahr hatte sich der Gewinn halbiert. Der Umsatz stieg 2025 nur leicht auf 91 Milliarden Euro. Damit lag das Unternehmen auch deutlich hinter den eigenen Erwartungen.

Wird 2026 für Bosch besser?

In den vergangenen Jahren wurden dem neuen Bosch-Chef zufolge wichtige Grundlagen gelegt und die Transformation gestartet. "Die Strategie nach vorne steht, doch das Umfeld und unsere Märkte verändern sich in nie dagewesenem Tempo", teilte der promovierte Wirtschaftswissenschaftler mit. Darauf müsse man Anstrengungen ausrichten, Entscheidungen mit großer Entschlossenheit treffen und Innovationen schnell in Produkte und Märkte bringen.

Für das laufende Jahr rechnete Bosch zuletzt - trotz der schwierigen Lage der Weltwirtschaft - mit etwas besseren Geschäften. Im ersten Quartal lag der Umsatz demnach etwa auf Vorjahresniveau. Für 2026 peilte das Management ein Umsatzwachstum von zwei bis fünf Prozent und auch mehr Gewinn an.

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