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Merck KGaA verdient überraschend viel 13.11.2025, 12:21 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

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(neu: Aussagen aus der Pressekonferenz, Kurs aktualisiert, mehr Hintergrund.)

DARMSTADT (dpa-AFX) - Der Pharma- und Technologiekonzern Merck KGaA hat im dritten Quartal im Sog einer Erholung der Laborsparte überraschend viel verdient. So zogen die Geschäfte rund um Produkte für die Arzneimittelproduktion kräftig an. In der Pharmasparte sorgte unter anderem der jüngste Zukauf des US-Krebsspezialisten Springworks Therapeutics für Rückenwind. Zudem stützt der aktuelle Boom der Künstlichen Intelligenz Mercks Geschäft mit Halbleitermaterialien. Konzernchefin Belen Garijo engte ihre Ziele am Donnerstag weiter ein. Die Aktie legte deutlich zu.

Inzwischen zeichne sich die Entwicklung mit dem sich nähernden Jahresende klarer ab, sagte Finanzchefin Helene von Roeder vor Journalisten. Seine ursprünglichen Ambitionen vom Jahresbeginn hatte das Management auch wegen des schwachen Dollar bereits im Mai und August überarbeitet.

Das Merck-Papier erreichte ein Hoch seit Mitte Mai und notierte am späten Vormittag an der Dax -Spitze zuletzt noch 6,4 Prozent höher bei 123,40 Euro. Auf Jahressicht liegt die lange schwächelnde Aktie aber noch mit rund elf Prozent im Minus.

Analyst Richard Vosser von der US-Bank JPMorgan sprach in einer ersten Reaktion von starken Quartalsresultaten. Der Experte hob insbesondere die positive Überraschung beim operativen Ergebnis hervor. Die nochmals eingeengte Jahresprognose impliziere einen leichten Anstieg der Gewinnerwartungen am Markt, so Vosser.

"Wir haben in allen drei Unternehmensbereichen ein solides organisches Wachstum erzielt", sagte Vorstandschefin Garijo laut Mitteilung in Darmstadt. Demnach stieg von Juli bis Ende September der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um ein Prozent auf 5,32 Milliarden Euro. Aus eigener Kraft wuchs der Konzern um mehr als fünf Prozent. Währungseffekte etwa durch den schwachen Dollar zehrten einen Großteil davon auf.

Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (bereinigtes Ebitda) stieg um 3,1 Prozent auf knapp 1,7 Milliarden Euro. Analysten hatten hier weniger erwartet. Positiv wirkte sich laut Merck aus, dass der Konzern einen sogenannten "Priority Review Voucher" - also einen Gutschein zur Beschleunigung des Prüfungsverfahrens für ein Medikament - der US-Arzneimittelbehörde FDA verkaufte. Unter dem Strich verdiente Merck 898 Millionen Euro, nach 812 Millionen vor einem Jahr.

Für das Gesamtjahr erwartet Merck nunmehr einen Umsatz von 20,8 bis 21,4 Milliarden Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (bereinigtes Ebitda) soll bei 6,0 bis 6,2 Milliarden Euro herauskommen. Zum Vergleich: 2024 hatte Merck 21,2 Milliarden Euro Umsatz und ein operatives Ergebnis von 6,1 Milliarden Euro erzielt.

Auch die Spartenziele wurden präzisiert. Dabei rechnet sich Merck beispielsweise für die Halbleitersparte aus, dass der organische Umsatz- und Ergebnisschwund im Gesamtjahr doch nicht so stark ausfallen wird wie zuletzt befürchtet. Die Sparte leidet derzeit abseits der KI-Materialien unter Verzögerungen bei bereits zugesagten Kundenprojekten. Und auch das Geschäft mit Standardchips bleibe trotz einer ersten langsamen Erholung sehr gedämpft, sagte von Roeder.

Die Finanzchefin erneuerte zudem Mercks Bekenntnis, vorrangig das Laborgeschäft mit einer Übernahme stärken zu wollen. Die Life Science genannte Sparte, die sich derzeit von einem Nachfrageknick der Post-Corona-Zeit erholt, wird im kommenden Jahr organisatorisch neu aufgestellt. Sein Pharmageschäft wiederum hatte Merck erst im Sommer durch den rund drei Milliarden Euro teuren Zukauf von Springworks aus den USA gestärkt. Der Konzern will sich damit künftig auf seltene Krankheiten fokussieren. Zum weiteren Ausbau des Portfolios wolle Merck einen einstelligen Millionenbetrag für ergänzende Zukäufe und Einlizensierungen in die Hand nehmen, sagte von Roeder.

Merck bekräftigte ferner, das Geschäft in den USA ausbauen zu wollen. Kürzlich hatte der Konzern eine Vereinbarung mit der Regierung von US-Präsident Donald Trump geschlossen, mit der das Unternehmen Behandlungen für künstliche Befruchtungen in den USA deutlich günstiger anbietet - im Gegenzug soll Merck von Pharmazöllen befreit werden. Bedingung ist aber, dass der Konzern in die biopharmazeutische Produktion und Forschung in den USA investiert.

"Wir sind aktuell dazu in Verhandlungen", sagte von Roeder, ohne konkrete Details zu nennen. Sie verwies aber darauf, dass der Konzern in den USA den Zulassungsantrag für ein neues Fruchtbarkeitsmedikament plane, für das Investitionen nötig würden. Derweil bleibt laut von Roeder die aktuelle Pharmazoll-Situation für Merck auch nach dem Deal unübersichtlich.

Die Vereinigten Staaten sind enorm wichtig für die Südhessen: Dort erzielte der Konzern 2024 gut ein Viertel seines globalen Umsatzes. In den USA beschäftigt Merck rund 14.000 Menschen an über 70 Standorten, mehr als am Hauptsitz in Darmstadt./tav/als/men/mis

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