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Moskau erlebt einen der härtesten Angriffe seit Kriegsbeginn 18.06.2026, 14:49 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

(neu: mehr Details und Hintergrund)

MOSKAU (dpa-AFX) - Die Ukraine hat bei einem der massivsten Drohnengriffe auf Moskau seit Kriegsbeginn eine Ölraffinerie im Südosten der russischen Hauptstadt schwer beschädigt.

In sozialen Netzwerken kursieren teilweise spektakuläre Bilder und Videos von der Attacke und den Folgen. So ist auf mehreren unabhängig voneinander gemachten Aufnahmen zu sehen, wie bei einer Explosion der Stahldeckel eines Öltanks meterhoch in die Luft geschleudert wird. In der Anlage wüten mehrere Feuer, Rauchschwaden stehen im Südosten der russischen Hauptstadt hoch am Himmel.

Einigen Drohnen sei es gelungen, die Raffinerie zu erreichen, räumte Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin ein. Seinen Angaben nach ist die Attacke eine der schwersten ukrainischen Drohnenangriffe auf Moskau seit Kriegsbeginn. Nach letztem Stand hat die Flugabwehr mehr als 190 Drohnen abgeschossen.

Flugabwehr zeigt sich hilflos

Zahlreiche Aufnahmen von Augenzeugen zeigen allerdings auch die teilweise Hilflosigkeit der Flugabwehr. "Scheiße, daneben", schreit ein Augenzeuge, als er filmt, wie eine der Flugabwehrraketen an der Drohne vorbeirast. Die wiederum fliegt - trotz des andauernden Gewehrfeuers - durch eine Rauchsäule von einem früheren Einschlag weiter auf die Ölanlage zu. Zehn Sekunden später schlägt auch ein zweiter Versuch, den unbemannten Flugkörper mit einer Rakete abzuschießen, fehl. Wo die Flugabwehrraketen einschlagen, bleibt unklar; die Drohne erreicht dem Anschein nach ihr Ziel.

Auf einem anderen Video trifft ein Flugabwehrgeschoss zwar eine der Drohnen, bringt sie aber nicht in der Luft zur Explosion. Die Drohne detoniert erst in einem Gartenfachmarkt nahe der Raffinerie und richtet dort Schäden an. Getroffen wird auch die riesige Einkaufs-Mall "Weiße Datscha" in der Nähe des Gartenrings, wo vor dem Krieg noch ein großer Ikea-Markt war.

Die Einschläge 15 Kilometer vom Kreml entfernt sind für das Image der russischen Führung ein Desaster. Die russischen Regionen leiden zwar seit langem unter zunehmendem Beschuss durch ukrainische Drohnen, doch die Hauptstadt galt als relativ sicher. Zuletzt wurden in Moskau weitere Flugabwehrsysteme vom Typ Panzir auf Dächern von Wohnhäusern installiert. Bei der Attacke in der Nacht zeigten sich die Maßnahmen als weitgehend wirkungslos.

Mehrere Bandherde in der Raffinerie

Offiziell ist bislang nichts über das Ausmaß der Schäden in der Ölverarbeitungsanlage bekannt. Das unabhängige Internetportal "Astra" hat nach der Auswertung von Videoaufnahmen mindestens fünf Brandherde in der Raffinerie ausgemacht.

Offiziellen Angaben zufolge wurde auch ein Wohnhaus in Moskau getroffen. Im Umland sei ebenfalls ein Hochhaus beschädigt worden, teilte der Gouverneur der Region Andrej Worobjow mit. Über Verletzte in Moskau und Umgebung ist bislang nichts bekannt. Wegen der Angriffe wurden die vier Moskauer Flughäfen für mehrere Stunden geschlossen.

Selenskyj bestätigt Attacke

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte in sozialen Netzwerken die Attacke auf die Raffinerie. Er bezeichnete den Angriff als Teil der ukrainischen "Langstrecken-Sanktionen" gegen die russische Ölindustrie. Das sei die gerechte Antwort auf die ständigen russischen Schläge gegen ukrainische Städte und Gemeinden, schrieb er.

Er dankte den ukrainischen Geheimdiensten für den Angriff. Die Anlage sei ein für die russische Kriegsmaschinerie wichtiges Objekt gewesen, schrieb er.

Der Angriff auf die russische Hauptstadt fiel erneut mit einem von Präsident Wladimir Putin veranstalteten internationalen Großereignis zusammen, dem ASEAN-Gipfel in Kasan an der Wolga. Anfang Juni hatte die Ukraine weithin sichtbar ein Tanklager in St. Petersburg in Brand geschossen, als dort Putins Internationales Wirtschaftsforum tagte.

Große Anlage

Die Ölraffinerie im Stadtbezirk Kapotnja im Südosten Moskaus gehört zu Gazpromneft und ist eine der größten Anlagen in Russland mit einer Verarbeitungskapazität von elf Millionen Tonnen im Jahr. Sie deckt einen bedeutenden Teil der Treibstoffversorgung Moskaus ab. Sie ist bereits das dritte Mal Ziel ukrainischer Angriffe. Die jüngste Attacke liegt dabei erst zwei Tage zurück.

Die Ukraine verteidigt sich seit mehr als vier Jahren gegen die von Kremlchef Putin befohlene Invasion des Landes. Dabei attackiert sie in den vergangenen Monaten vermehrt Raffinerien im russischen Hinterland. Dies soll den angreifenden russischen Truppen die Treibstoffversorgung und Moskau die Kriegsfinanzierung erschweren.

Es ist bei weitem nicht der erste Treffer in einer russischen Raffinerie fernab der Front. Die Erfolge der ukrainischen Drohnenangriffe sind auf zwei Faktoren zurückzuführen. Erstens hat Kiew es geschafft, die Drohnenproduktion massiv zu steigern, um so die russische Flugabwehr überlasten zu können. Zweitens hat die Ukraine in den letzten Monaten auch gezielt die im Frontbereich aufgestellten Flugabwehrsysteme Russlands attackiert. Ein beträchtlicher Teil der russischen Flugabwehr ist inzwischen zerstört.

Weitere Regionen unter Beschuss

Neben Moskau hat die Ukraine bei ihren Drohnenangriffen auch weitere russische und von Russland kontrollierte Regionen ins Visier genommen. Das russische Militär sprach von mehr als 550 abgefangenen Drohnen in der Nacht. Einen Toten gab es in der Grenzregion Belgorod, zudem mehrere Verletzte in Belgorod, Kursk, aber auch dem von Russland besetzten Teil des ukrainischen Gebiets Donezk.

Russland setzt die Angriffe auf seine Ölindustrie mit Terroranschlägen gleich und hat in der Vergangenheit seinerseits mit harten Schlägen gegen die Ukraine reagiert. Dabei setzt Russland auch immer wieder ballistische Raketen ein, die schneller sind und eine deutlich höhere Zerstörungskraft haben als Drohnen. Selbst die neu entwickelte Mittelstreckenrakete Oreschnik kam kürzlich zum Einsatz. Eine ähnliche Reaktion dürfte auch diesmal folgen. Nach Einschätzung von Experten ist Russland aber nicht in der Lage, damit die sich abzeichnende Drohnenübermacht der Ukrainer zu brechen.

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