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'Neue Ära' für die Luftwaffe: F-35 soll abschrecken 18.09.2026, 21:56 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

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FORT WORTH (dpa-AFX) - Verteidigungsminister Boris Pistorius sieht in der Einführung von F-35-Kampfflugzeugen in der Bundeswehr eine entscheidende Stärkung der Abschreckung Russlands. "Die F-35 ist das einzige Kampfflugzeug der fünften Generation mit Tarnkappenfähigkeit", sagte Pistorius im texanischen Fort Worth, wo die erste von 35 bestellten Maschinen präsentiert wurde. Es werde das "fähigste Kampfflugzeug der Welt" eingeführt. Die Bundesregierung gibt dafür zehn Milliarden Euro aus.

"Für die Luftwaffe beginnt ab jetzt eine neue Ära: Der neue Kampfjet F-35 A ist das modernste Kampfflugzeug der Welt", sagte er. Die Zusammenarbeit mit 19 anderen Nationen eröffne viele Möglichkeiten bei Ausbildung, Übung und Einsatz "und macht uns zusammen stärker".

Die F-35 wird für nukleare Teilhabe Deutschlands gekauft

Das Flugzeug soll die überalterte Tornado-Flotte ablösen und dann einen wichtigen Teil zur Abschreckung beitragen. Denn es wird vor allem für die sogenannte nukleare Teilhabe Deutschlands gekauft - ein Abschreckungskonzept der Nato, bei dem Verbündete Zugriff auf US-Atombomben bekommen.

Wegen einer speziellen Form und Außenbeschichtung ist die Maschine für gegnerisches Radar nur schwer zu entdecken. Das deutsche Verteidigungsministerium erklärt, die Maschine bringe alle Voraussetzungen für verschiedene Einsatzrollen mit, darunter auch den Kampf gegen die Luftverteidigung eines Gegners, präzise Angriffe auf Ziele am Boden und auf See sowie Präzisionsschläge weit im Hinterland ("Deep Precision Strike").

Alle Flugzeuge sollen bis 2029 ausgeliefert werden

Die Ausbildung von Piloten und Technikern in den USA hat in diesem Jahr begonnen. Bis zum Jahresende sollen die ersten sechs Maschinen ausgeliefert werden. Die ersten acht F-35 bleiben in den USA, um für die Ausbildung genutzt zu werden.

Die Auslieferung des letzten Jets soll 2029 erfolgen. An der Fertigung ist auch Rheinmetall DE0007030009 beteiligt. Der deutsche Rüstungskonzern baut Rumpfmittelteile für die Flugzeuge in Deutschland.

Lockheed Martin US5398301094 präsentierte am Freitag seine Produktionshalle, in der auch schon weitere Maschinen für Deutschland montiert werden. Die weltweite Jahresproduktion belaufe sich derzeit auf 156 Maschinen, sagte eine Sprecherin.

Militärflugplatz in der Eifel wird umgebaut

Zum Ende des kommenden Jahres hin sollen auf dem Fliegerhorst Büchel in der Eifel die ersten Maschinen stehen. Der Militärflugplatz wird dazu für zwei Milliarden Euro umfassend umgebaut. Die Kosten liegen höher als zunächst angenommen. Die deutschen Planer haben dabei hohe technische Sicherheitsanforderungen der USA zu erfüllen.

Auf dem Flugplatz sollen Berichten zufolge, die offiziell nicht bestätigt werden, thermonukleare B61-Gravitationsbomben der US-Streitkräfte in zweistelliger Zahl lagern, die derzeit noch unter deutsche Tornados gehängt und von diesen ins Ziel getragen werden können.

Deutschland stellt damit im Bündnis Fähigkeiten zur nuklearen Abschreckung bereit, ohne selbst Atommacht zu sein. Deutschland hat völkerrechtlich wirksam auf eigene Atomwaffen verzichtet.

Kauft Deutschland mehr F-35?

Spekuliert wurde zuletzt, ob Deutschland nach dem Ende des mit Frankreich und Spanien geplanten Luftkampfsystems FCAS weitere F-35 in den USA bestellen könnte. Rund ein Dutzend europäischer Verbündeter nutzt die F-35 oder hat sich für den Kauf entschieden, darunter Großbritannien, Polen, die Niederlande und Rumänien. Das Unternehmen erklärte zuletzt, bis 2035 seien wohl rund 700 der Tarnkappenjets in Europa in Verwendung.

Frühere Pläne des Verteidigungsministeriums sahen noch vor, das US-Flugzeug F-18 zu kaufen, das für einen Einsatz mit Atomwaffen erst noch hätte zertifiziert werden müssen. Weil Zusagen der US-Regierung keinen Bestand hatten, blieb die F-35 als Alternative.

Allerdings gibt es weiter auch Kritik an dem Flugzeug. So führt die Komplexität zu einem hohen Wartungs- und Instandsetzungsaufwand: In den USA lag die Einsatzbereitschaft im vergangenen Jahr Berichten zufolge bei 28 Prozent der Maschinen, im Rest der Flugzeugflotte bei mehr als 60 Prozent.

Der US-Rechnungshof bemängelte im Juni, seit 2021 seien die Unterhaltskosten für die F-35 weiter gestiegen, doch habe die Maschine "die Leistungsziele nicht erreicht, und die Leistung hat sich tendenziell verschlechtert".

Für Wirbel in Deutschland sorgten auch Spekulationen, ob die Maschinen aus den USA quasi abgeschaltet werden könnten ("kill switch"). Das wurde aus dem Haus von Pistorius zurückgewiesen. Aber auch Experten warnen, dass die Software-Abhängigkeit des Systems mit den nötigen Updates einer Fernabschaltung nahe kommen könnte.

Die Maschine selbst hat sich - trotz der Komplexität - mit bislang 18 Unfällen als eines der sichersten Flugzeuge weltweit erwiesen. Auf die Zahl der Flugstunden gerechnet hat das Kampfflugzeug F-16 in etwa doppelt so viele Abstürze.

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