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Papst fordert strenge Richtlinien für KI 25.05.2026, 14:00 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

(neu: Mit weiteren Zitaten, Stellungnahme Papst.)

ROM (dpa-AFX) - Papst Leo XIV. hat in seiner ersten eigenen Enzyklika strenge internationale Richtlinien für den Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI) verlangt. Nach einem Jahr im Amt warnte das Oberhaupt von weltweit 1,4 Milliarden Katholiken vor zahlreichen Gefahren, die die neue revolutionäre Technologie für das menschliche Zusammenleben bedeute. Er sieht aber auch Chancen. Die mehr als 100 Seiten lange Abhandlung heißt "Magnifica Humanitas" (Großartige Menschheit).

Das erste Lehrschreiben in der Amtszeit eines neuen Papstes gilt vielfach als eine Art Regierungserklärung für dessen Pontifikat. Solche "Rundschreiben" - so die wörtliche Bedeutung - sollen Gläubigen in aller Welt einen moralischen Kompass geben. Als Nachfolger des verstorbenen Papstes Franziskus ist Leo seit Mai vergangenen Jahres im Amt. Er ist der erste US-Amerikaner an der Spitze der katholischen Weltkirche.

"Über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der KI"

Der Titel der Enzyklika kann zwei Sachen bedeuten: Humanitas lässt sich sowohl mit Menschheit als auch mit Menschlichkeit übersetzen - für Leo der große Unterschied zu KI und Maschinen. Die Unterzeile lautet: "Über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz". In dem Text geht es auch um Themen wie Krieg und Frieden sowie die Arbeitswelt.

Leo betont, dass KI vielfach eine "wertvolle Hilfe" sein könne. Vor allem warnt er jedoch vor deren Risiken - beispielsweise, dass nur wenige Mächtige mit jetzt schon viel Besitz davon profitieren. "Kleine, sehr einflussreiche Gruppen können Informationen und Konsum lenken, demokratische Prozesse bestimmen und die wirtschaftliche Dynamik beeinflussen."

Kritik an Tech-Milliardären aus den USA

Deshalb sei es "unerlässlich, dass der Einsatz von KI - insbesondere, wenn es um öffentliche Güter und Grundrechte geht - von klaren Kriterien und wirksamen Kontrollen begleitet wird". Leo schlägt einen "Ethik-Kodex" vor. Auch der Umgang mit Nutzerdaten müsse geregelt werden. Allerdings nütze auch das nichts, "wenn diese Moral von einigen wenigen bestimmt wird". Vielfach wird das als Kritik an Tech-Milliardären aus den USA verstanden.

Besonders kritisch äußerte sich der Pontifex über die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf Konflikte. Mit KI-gestützten autonomen Waffensystemen seien Kriege "durchführbarer" gemacht worden, heißt es in dem Schreiben. Die KI müsse "entwaffnet" werden. Keinesfalls dürften Maschinen allein über Leben und Tod entscheiden.

"Bleiben wir der Wahrheit treu"

Bei der Vorstellung der Enzyklika im Vatikan war Leo selbst dabei - ein Novum für die Kirche. In einer kurzen Stellungnahme mahnte er, angesichts der rasanten Entwicklung wachsam zu sein. Anwesend war auch der Mitgründer des KI-Konzerns Anthropic, der Tech-Milliardär Chris Olah. Das Unternehmen liegt im Streit mit US-Präsident Donald Trump, weil es seine KI-Modelle nicht für autonome Waffensysteme zur Verfügung stellen will. Trump hatte sowohl Anthropic als auch den Papst zuletzt mehrfach kritisiert.

In dem Schreiben warnte Leo auch davor, auf KI-Lügen und -Fälschungen hereinzufallen: "Bleiben wir der Wahrheit treu!" Bei den "unaufhörlichen Flüssen von Informationen, Meinungen und Bildern" würden viele Fake News verbreitet. Zum Beispiel hatte Trump auf dem Höhepunkt seines Streits mit dem Papst ein KI-generiertes Bild veröffentlicht, das ihn selbst als Jesus zeigte. Erwähnt wird der US-Präsident in der Enzyklika nicht.

Leo entschuldigt sich für Rolle der Kirche in Sklaverei

Leo warnte auch vor negativen Einflüssen auf die Arbeitswelt. Er spricht von "neuen Formen der Sklaverei" - beispielsweise in Rechenzentren oder bei der Herstellung von Mikrochips beziehungsweise Smartphones. In diesem Zusammenhang ging er auch darauf ein, dass seine Kirche Sklaverei erst nach Jahrhunderten verurteilte. "Dafür bitte ich im Namen der Kirche aufrichtig um Vergebung."

Die Enzyklika trägt das Datum 15. Mai. An diesem Tag war es 135 Jahre her, dass sein Namensvorgänger Leo XIII. seine Enzyklika "Rerum novarum" ("Über die neuen Dinge") veröffentlichte. Damit legte der "Arbeiterpapst" die Grundlagen für die katholische Soziallehre. Manche Experten bezeichnen das neue Schreiben jetzt schon als "KI-Sozialenzyklika".

Noch viele Enzykliken von Leo erwartet

Solche Lehrschreiben gibt es seit dem 18. Jahrhundert. Benannt sind sie in der Regel nach ihren ersten zwei oder drei Wörtern. "Magnifica Humanitas" beginnt mit dem Satz: "Die großartige Menschheit, geschaffen von Gott, steht heute vor einer entscheidenden Wahl: Entweder errichtet sie einen neuen Turm zu Babel oder sie erbaut die Stadt, in der Gott und die Menschheit gemeinsam wohnen." Das biblische Gleichnis vom Turmbau zu Babel gilt als Sinnbild für menschlichen Hochmut und Größenwahn.

Leo XIII. veröffentlichte mehr als 90 Enzykliken. Auf ihn beruft sich der Pontifex aus den USA immer wieder. Viele erwarten deshalb, dass er ebenfalls viele solche Lehrschreiben verfassen wird - auch, weil Leo mit seinen heute 70 Jahren verhältnismäßig jung ist. Papst Franziskus brachte vier Enzykliken heraus.

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