ROUNDUP 2/Rotstift und Kostendruck

BASF streicht 4.800 Stellen 27.02.2026, 14:04 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

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(neu: Aussagen aus der Pressekonferenz, Aktienkurs)

LUDWIGSHAFEN (dpa-AFX) - Der weltgrößte Chemiekonzern BASF drückt bei seinem Sparkurs aufs Tempo. Der Kostendruck in der Chemieindustrie gerade in Europa und Deutschland sei hoch, sagte Vorstandschef Markus Kamieth am Freitag in Ludwigshafen. Der Dax -Konzern werde deshalb auch in den nächsten Jahren konsequent daran arbeiten, die Produktivität zu verbessern, effizienter zu werden und beim Personal einzusparen.

Der Chemieriese konnte bis Ende vergangenen Jahres eine jährliche Kostensenkung von rund 1,7 Milliarden Euro erreichen. Das avisierte Ziel werde damit um 100 Millionen Euro übertroffen, berichtete Finanzvorstand Dirk Elvermann. Seinen Sparkurs will der Dax-Konzern weiter verschärfen. Der Manager bezeichnet die beschleunigten Kosteneinsparprogramme als alternativlos, denn in Deutschland mache das Unternehmen weiterhin Verluste.

In der BASF SE, die den größten Teil des Geschäfts im Stammwerk Ludwigshafen abbildet, habe im vergangenen Jahr der Verlust vor Zinsen und Steuern mehr als eine Milliarde Euro betragen, erläuterte Unternehmenschef Kamieth. BASF wolle so schnell wie möglich dort in die schwarzen Zahlen kommen. Wann dies so weit ist, konnte der BASF-Chef nicht sagen. Die Aktie gab zuletzt um rund zwei Prozent nach.

Jobabbau auch bei Führungskräften

Bis Ende des laufenden Jahres peile der Konzern nun jährliche Kosteneinsparungen von 2,3 Milliarden statt dem ursprünglichen Plan von 2,1 Milliarden Euro an, kündigte der Manager an. Elvermann bezifferte die Einmalkosten für die Aufwendungen auf insgesamt 1,9 Milliarden Euro.

Als Teil seiner Sparprogramme baut der weltgrößte Chemiekonzern Tausende Jobs ab: Rund 4.800 Beschäftigte hätten das Unternehmen zwischen Dezember 2023 und Dezember 2025 verlassen, teilte der Manager mit. Etwa die Hälfte davon entfallen laut BASF auf Deutschland. Die Zahl der Führungskräfte sei um elf Prozent gesunken. Ende 2025 beschäftigte BASF damit noch knapp 108.300 Mitarbeiter weltweit. BASF setzt weiter den Rotstift an.

Für das Stammwerk in Ludwigshafen, das mit geringer Auslastung kämpft, kündigte Vorstandschef Kamieth keine weiteren größeren Schließungen von Anlagen an. Der bereits angekündigte Mitarbeiterabbau werde sich aber 2026 und im Jahr darauf fortsetzen.

BASF kämpft mit Kostendruck, Überkapazitäten am Weltmarkt, hohen Energiepreisen und einer zu geringen Auslastung am Stammwerk. Dort arbeitet mit etwa 33.000 Menschen etwa ein Drittel der weltweiten Beschäftigten. BASF hat mehrere Sparprogramme aufgelegt. Zuletzt erzielten Management und Arbeitnehmervertreter eine Vereinbarung, die betriebsbedingte Kündigungen in Ludwigshafen bis Ende 2028 ausschließt.

Vorstandschef Kamieth äußerte sich zufrieden mit den Fortschritten beim Senken der Kosten. BASF sei deutlich schlanker geworden. Allerdings habe die chemische Industrie weltweit mit heftigem Gegenwind zu kämpfen. Auch im laufenden rechnet der Manager nicht mit einer kurzfristigen Erholung. 2026 werde voraussichtlich ein weiteres Übergangsjahr.

Chinesischer Verbundstandort in Zhanjiang braucht Zeit

Auch beim neuen Verbundstandort im südchinesischen Zhanjiang, der mit Investitionen von 8,7 Milliarden Euro jüngst in Betrieb genommen wurde, rechnet Kamieth mit Anlaufzeit: Im ersten Betriebsjahr werde ein leicht negativer Ergebnisbeitrag erwartet. Dies liege vor allem an den Kosten für das Anfahren. Ab 2027 werde dann mit einem positiven Beitrag gerechnet. Rund 1.000 Menschen wurden laut BASF an dem neuen Standort in China eingestellt.

Der BASF-Chef verteidigte die Plane des Managements zum Verkauf von 4.400 Wohnungen. Er könne nachvollziehen, dass diese Nachricht viele Leute rund um Ludwigshafen verunsichert habe. BASF werde aber von dem künftigen Käufer Zugeständnisse und Garantien erwarten, der sozialen Verantwortung für die derzeitigen Mieter gerecht zu werden. Über die Summe der erwarteten Einnahmen durch das Immobiliengeschäft machte der Manager keine Angaben. Es gehe aber um finanzielles Kapital, das im Unternehmen an anderer Stelle gut gebraucht werden könne. Für die Ankündigung über den Verkauf der Wohnungen hatte es scharfe Kritik von Gewerkschaften und aus der rheinland-pfälzischen Landespolitik gegeben.

Das Management sieht 2026 als Übergangsjahr an

Als Ziel für das laufende Jahr nimmt sich BASF ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie Sondereinflüssen zwischen 6,2 Milliarden und 7,0 Milliarden Euro vor. Im abgelaufenen Geschäftsjahr war dieser Wert zum Vorjahr um 686 Millionen Euro auf 6,6 Milliarden Euro zurückgegangen. Die Investitionen sollen nach Angaben des Finanzchefs zudem deutlich gedrosselt werden: Für die BASF-Gruppe seien Sachinvestitionen von 13 Milliarden Euro in den Jahren 2026 bis 2029 geplant. Der Wert liege 20 Prozent unter der ursprünglichen Prognose.

Der Umsatz bei BASF schrumpfte 2025 um knapp drei Prozent im Jahresvergleich auf knapp 59,7 Milliarden. Unter dem Strich stieg der auf die Aktionäre entfallende Gewinn von 1,3 Milliarden auf 1,6 Milliarden Euro. Die Dividende für die Aktionäre soll unverändert bei 2,25 Euro je Anteil liegen. Neben einem Sonderertrag aus dem Verkauf des Geschäfts mit Baufarben an den US-Konzern Sherwin-Williams profitierte BASF vor allem von einer Zahlung des Bundes aus Staatsgarantien für frühere Russlandaktivitäten der Tochter Wintershall DEA. 2025 erhielt BASF laut dem Finanzchef Elvermann rund 900 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr 2026 sollen noch weitere rund 800 Millionen Euro fließen./glb/mne/jha/

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