ROUNDUP 3/EU-Kommission

RTL darf Sky kaufen 22.04.2026, 21:44 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

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(Aktualisierung: Zitate von Bertelsmann-Chef Rabe im fünften und sechsten sowie eine Stellungnahme von Medienstaatsminister Weimer im siebten Absatz ergänzt.)

BRÜSSEL/KÖLN (dpa-AFX) - Die RTL Group LU0061462528 darf Sky Deutschland übernehmen. Gut zehn Monate nach der Ankündigung des Übernahmeplans hat die EU-Kommission uneingeschränkt grünes Licht für das Geschäft gegeben.

Die EU-Kommission prüft bei Fusionen und Übernahmen großer Unternehmen im Europäischen Wirtschaftsraum regelmäßig, ob wettbewerbsrechtliche Bedenken bestehen. Im Fall von RTL und Sky stellte die Behörde "nach sorgfältiger Prüfung" fest, dass die Transaktion den Wettbewerb "nicht erheblich verringern würde" und genehmigte sie ohne Auflagen.

"Die Transaktion ermöglicht es etablierten europäischen Mediengruppen, ihre Position in einer Zeit des Branchenwandels zu festigen, in der sie zunehmend unter Druck von globalen Streaming-Plattformen stehen", teilte EU-Wettbewerbskommissarin Teresa Ribera mit. Durch die Bündelung ihrer Kompetenzen seien RTL und Sky besser gerüstet, um in diesem sich rasant verändernden Markt wettbewerbsfähig zu bleiben.

Der Abschluss der Transaktion wird für den 1. Juni 2026 erwartet, wie Bertelsmann mitteilte. Man erwarte innerhalb von drei Jahren nach Abschluss der Transaktion Synergien von jährlich rund 250 Millionen Euro.

Bertelsmann-Chef Thomas Rabe sagte dazu im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur, dass man die Unternehmen und die Organisation zusammenführen und weiter verschlanken wolle. "Das wird auch Auswirkungen auf das Personal haben. Im Mittelpunkt steht aber die effizientere Nutzung unserer Programminvestitionen." RTL und Sky würden zusammen rund 2,5 Milliarden Euro im Jahr in Inhalte investieren. Und dies wolle man künftig über alle Plattformen - RTL, RTL+ und Sky - ausspielen.

Auf die Frage, wie es beim Management weitergeht, sagte Rabe, es werde ein Management-Team geben, das von RTL-Deutschland-Chef Stephan Schmitter geführt und sich aus Kolleginnen und Kollegen von RTL und Sky zusammensetzen werde. Genauere Informationen wolle man in Kürze bekanntgeben.

Medienstaatsminister Wolfram Weimer sprach von einer guten Nachricht für den Medienstandort Deutschland. "Wir brauchen nationale Champions, die international bestehen können. Das stärkt den Wettbewerb", schrieb er auf der Plattform X.

RTL will sein Abonnementgeschäft ausbauen

Im Juni 2025 hatte die RTL Group ihre Pläne zur Übernahme von Sky Deutschland vorgestellt. Ziel des Zusammenschlusses ist es, die Marktposition im deutschen Streaming- und TV-Geschäft gegenüber großen US-Anbietern zu stärken. Durch die Integration von Sky will RTL außerdem sein Abonnementgeschäft ausbauen und unabhängiger vom klassischen TV-Werbemarkt werden, der weiter unter Druck steht.

Die RTL Group setzt zunehmend auf digitale Abo-Modelle, um den Rückgang klassischer Werbeerlöse im linearen Fernsehen auszugleichen. Dazu wurde auch das Angebot von RTL+ weiterentwickelt - etwa durch neue Bündelangebote wie die Kooperation mit HBO Max, die über die Vermarktungstochter AdAlliance vertrieben wird. Der zu Bertelsmann gehörende Konzern will so seine Position als führender Anbieter in der deutschsprachigen Medienlandschaft festigen.

Sky Deutschland wird künftig Teil von RTL Deutschland. Zu Sky Deutschland gehören neben klassischen Fernsehsendern auch der Streamingdienst Wow.

Sky Deutschland zählt bislang zum US-Medienkonzern Comcast US20030N1019. Der Kaufpreis beträgt rund 150 Millionen Euro in bar, hinzu kommt eine variable Komponente, die an den Aktienkurs der RTL Group gekoppelt ist. Je nach Kursentwicklung könnten für RTL noch bis zu 377 Millionen Euro zusätzlich fällig werden. Mit der Übernahme vereint die börsennotierte RTL Group im deutschsprachigen Raum ein breites Portfolio aus frei empfangbaren TV-Sendern, Bezahlsendern und Streaming-Portalen - ergänzt um Zeitschriften und Audioangebote.

Die wechselvolle Geschichte von Sky

Der Jahresumsatz von Sky Deutschland lag zuletzt bei rund 2 Milliarden Euro, der der RTL Group bei rund 6 Milliarden Euro. Das Unternehmen hatte zuletzt mit einer schwachen Werbekonjunktur und sinkenden Produktionserlösen zu kämpfen. Auch ein Stellenabbau gehörte zu den Folgen.

Sky blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück: Der Sender ging aus dem einstigen Kirch-Unternehmen Premiere hervor, das lange Zeit die Fußball-Bundesliga exklusiv im Pay-TV zeigte, wirtschaftlich aber nie dauerhaft profitabel war. 2018 übernahm schließlich Comcast den Bezahlsender.

Seit Gründung des Bezahlsenders liegt der Schwerpunkt auf Sportübertragungen, vor allem Fußball. Ergänzt wird das Angebot um Filme und Serien. Eigene Serienproduktionen wie "Babylon Berlin" oder "Der Pass" hatte das Unternehmen zuletzt eingestellt.

RTL und Sky kooperierten bereits häufiger bei Rechten

Intern gelten rund 80 Prozent der Abonnenten als Sport-Kunden. Die wichtigsten Sportrechte von Sky sind die Freitags- und Samstagsspiele der Fußball-Bundesliga sowie die gesamte 2. Bundesliga. Zu den wichtigen Rechten gehören außerdem die englische Premier League, die Formel 1 und Tennis.

RTL und Sky haben in den vergangenen Jahren häufiger Rechte ausgetauscht. So durfte RTL zuletzt sieben Rennen der Formel 1 im Free-TV zeigen. Für die laufende Saison der wichtigsten Motorsport-Serie gab es bisher keine Einigung zwischen den beiden Sendern. Nach dem Kauf wird mit einer zügigen Klärung gerechnet.

Die Brüsseler Wettbewerbshüter hatten insbesondere die Auswirkungen der Transaktion auf vier Märkte untersucht: das Angebot und den Erwerb von audiovisuellen Inhalten, den Großhandel mit Fernsehkanälen und audiovisuellen Dienstleistungen, den Einzelhandel mit audiovisuellen Dienstleistungen an Endkunden und das Angebot von Werbeflächen in audiovisuellen Inhalten. In keinem der Bereiche hatten sie Bedenken. Sie stellten unter anderem fest, dass die beiden Sender bisher sowohl im Sport- als auch Unterhaltungsbereich unterschiedliche Schwerpunkte haben und daher keine engen Wettbewerber beim Erwerb audiovisueller Inhalte sind.

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