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Thyssenkrupp-Stahlarbeiter sollen 8 Prozent weniger bekommen 13.07.2025, 15:05 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

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DUISBURG (dpa-AFX) - Deutschlands größter Stahlhersteller Thyssenkrupp Steel Europe (TKSE) steht vor einer tiefgreifenden Sanierung, die den Beschäftigten harte finanzielle Einbußen abverlangt. Das Management und die Gewerkschaft IG Metall einigten sich nach zähen, dreitägigen Verhandlungen auf einen bis 2030 gültigen Tarifvertrag, der eine Reduzierung der Arbeitszeit, die Streichung des Urlaubsgeldes und andere Einsparpunkte enthält. Im Schnitt dürfte das Einkommen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um etwa acht Prozent sinken.

Die Wochenarbeitszeit wird auf 32,5 Stunden reduziert. Bisher arbeiten die Beschäftigten zwischen 33 und 34 Stunden pro Woche - künftig werden es weniger, was sich auf ihrem Lohnzettel bemerkbar machen wird. Die Arbeitgeber bekannten sich zu Investitionen, um Standorte zu modernisieren - das wertete die Gewerkschaftsseite als Erfolg.

Andere bislang übliche Zahlungen werden abgeschwächt, etwa das Jubiläumsgeld: Wer 25 Jahre in der Firma gearbeitet hat, bekommt bislang ein Monatsgehalt extra, künftig sind es laut IG Metall nur noch 1000 Euro. Und der Zuschlug für eine Rufbereitschaft wird halbiert.

Die Einsparungen sollen die Personalkosten pro Jahr um einen niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag drücken. Die IG Metall hatte von einer 200 Millionen Euro schweren "Giftliste" gesprochen, deren Wirkung in den Verhandlungen um nahezu die Hälfte abgeschwächt worden sei.

Jobabbau bekräftigt

Bereits bekannte Pläne zum Jobbau wurden konkretisiert, in der Produktion sollen 1600 Stellen bis 2029 durch die Schließung von Aggregaten wegfallen. Zusätzlich dazu sollen bis 2028 in allen Konzernbereichen 3700 Stellen gestrichen werden. Zuvor hatte es geheißen, dass "rund 5000" Stellen wegfallen sollen, nun kommt man rechnerisch auf 5300. Das ist nach Unternehmensauskunft keine Verschärfung der Sparpläne, sondern eine Präzisierung. Derzeit hat das Unternehmen rund 26.300 Beschäftigte, im vergangenen Herbst waren es noch 27.000.

Keine betriebsbedingten Kündigungen

Insgesamt soll die Stellenzahl um mehr als 11.000 auf dann weniger als 16.000 sinken, dies auch durch den Verkauf von Unternehmensteilen. Betriebsbedingte Kündigungen möchte das Unternehmen vermeiden. Ein Interessenausgleich und Sozialplan sollen bis September erarbeitet werden. Damit die Stellen wie geplant reduziert werden können, muss das Unternehmen Geld in die Hand nehmen, etwa für Abfindungen. Wie hoch diese Restrukturierungskosten sind, wurde nicht mitgeteilt.

Deutschlands größter Stahlhersteller ist wegen Konjunkturschwäche, hoher Energiepreise und Billigimporten aus Asien in die Krise geraten. Als Gegenmaßnahme will das Unternehmen seine Kapazitäten deutlich verringern, statt 11,5 Millionen Tonnen pro Jahr soll das Versandniveau künftig nur noch bei 8,7 bis 9 Millionen Tonnen liegen.

In Bochum soll schon 2028 ein Standort geschlossen werden. Ein Schließungsvorhaben für ein Werk in Kreuztal-Eichen im Siegerland (NRW) ist hingegen vorerst vom Tisch. Dort soll "kurzfristig ein Konzept zur Optimierung des Standorts" umgesetzt werden, um einen wirtschaftlichen Betrieb zu gewährleisten.

Verhandlungen an der "Schmerzgrenze"

"Das ist ein harter und schwerer Gang für alle Beteiligten, die bis zum Schluss gehofft haben, das wird schon nicht so schlimm werden", sagte Personalvorstand Dirk Schulte. Die Maßnahmen seien aber notwendig. Transformationsvorständin Marie Jaroni sprach von einem wichtigen Meilenstein für die Zukunftsfähigkeit von Thyssenkrupp Steel. "Wir bauen überschüssige Kapazitäten ab, verbessern die Effizienz und können so ein wettbewerbsfähiges Kostenniveau erzielen."

Der Bezirksleiter der IG Metall NRW, Knut Giesler, sprach von einem Kompromiss, der für beide Seiten schmerzhafte Elemente enthalte. "Betriebsbedingte Kündigungen sind jedoch vom Tisch und Garantien für Standorte und Investitionen in die Anlagen gibt es auch - das sind gute Signale."

"Wir sind an die Schmerzgrenze gegangen und haben Eingeständnisse nur dort gemacht, wo es wirklich nötig war, um Arbeitsplätze und Standorte zu sichern", sagte Tekin Nasikkol, Gesamtbetriebsratsvorsitzender der Stahlfirma. Man habe die Voraussetzungen geschaffen, damit das Unternehmen aus eigener Kraft aus der schwierigen Situation herauskomme. "Wir können aber nicht auf Dauer Managementfehler der Vergangenheit durch Arbeitnehmerbeiträge ausgleichen."

Der nordrhein-westfälische Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) wertete die Einigung als einen "Beweis dafür, dass die Sozialpartnerschaft nicht "von gestern" ist". Ohne gehe es nicht. "Dass Unternehmen die Mitbestimmung achten, ist und bleibt Voraussetzung dafür, dass es für sie auch in schwierigsten Lagen einen Weg in die Zukunft gibt - und zwar gemeinsam mit ihren Beschäftigten", teilte Laumann der dpa mit.

Damit der Tarifvertrag gültig wird, steht noch die Zustimmung der IG-Metall-Mitglieder bei dem Stahlhersteller aus. Außerdem muss die Konzernmutter Thyssenkrupp die Finanzierung sicherstellen./wdw/DP/zb

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