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Zölle und starker Euro treffen Siemens Healthineers - Aktie stürzt ab 05.11.2025, 11:53 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

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Siemens 282,18 EUR +4,44 % Baader Bank

(neu: Aktienkurs aktualisiert, weiterer Analyst, Aussagen zu Siemens aus der Pressekonferenz)

ERLANGEN (dpa-AFX) - Der Medizintechnikkonzern Siemens Healthineers erwartet im laufenden Geschäftsjahr keine großen Sprünge. Handelszölle und negative Währungseffekte dürften das Ergebnis belasten, teilte das Unternehmen am Mittwoch in Erlangen mit. Ihre Ziele für das vergangene Geschäftsjahr erreichten die Erlanger - jedoch schwächte sich die Entwicklung im Schlussquartal ab. Der Aktie knickte daraufhin ein. Wie ein Damokles-Schwert schwebt dazu weiter die anstehende Entscheidung des Mutterkonzerns Siemens über den Umgang mit seiner Beteiligung über Healthineers.

"Das allerwichtigste ist Klarheit", sagte Konzernchef Bernd Montag bei der Bilanzpressekonferenz mit Blick auf Siemens. Sollte Siemens Anteile abgeben wollen, würde Healthineers auch für neue Investoren attraktiv. Ziel des Börsengangs sei gewesen, Healthineers als eigenständiges Unternehmen zu etablieren. Seitdem gehe man seinen eigenen Weg.

"Wir wurden von Siemens nicht eingeschränkt in unseren Entscheidungen", betonte er. Dennoch fände er es wünschenswert und einen großen Schritt für beide, wenn es bei Konferenzen nur um die jeweiligen Unternehmen gehe, "und nicht um Anteilsverkäufe".

Healthineers ist seit 2018 an der Börse und kommt mittlerweile auf eine Marktkapitalisierung von rund 55,5 Milliarden Euro. Seit seinem Hoch von rund 67 Euro Ende 2021 schwächelt der Aktienkurs jedoch und ist mit rund 45 Euro weit von seinen Rekordständen entfernt.

Siemens hatte seine Beteiligung auf den Prüfstand gestellt. Der Konzern, der sich zunehmend auf Industriesoftware und Digitalisierung konzentriert, hält nach letzten offiziellen Angaben noch rund 71 Prozent an dem Unternehmen; die Münchner haben dabei ihren Anteil in diesem Jahr bereits abgeschmolzen. Siemens hält in der kommenden Woche seinen Kapitalmarkttag ab. Hier erwarten sich Marktexperten Hinweise über den weiteren Umgang mit der derzeit noch voll konsolidierten Healthineers.

Die Diskussion über eine mögliche Dekonsolidierung überschattet dabei auch die Geschäftsentwicklung von Healthineers. Das für seine zu Beginn generell konservativen Prognosen bekannte Unternehmen überraschte negativ. Für 2025/26 (per Ende September) erwartet das Management um Konzernchef Montag ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von 2,20 bis 2,40 Euro. In der Mitte der Spanne wäre dies ein Rückgang. Und auch im besten Fall würde Healthineers ein Mini-Plus erreichen.

Allein die Zölle dürften das Ergebnis mit rund 400 Millionen Euro belasten und damit doppelt so stark wie im Vorjahr, schätzt der Vorstand. Im Vorjahr hatte Siemens Healthineers den entsprechenden Gewinn je Anteilsschein um sieben Prozent auf 2,39 Euro gesteigert. Analysten haben bislang im Schnitt ein Plus auf 2,48 Euro für das neue Geschäftsjahr auf dem Zettel.

Die Healthineers-Aktie geriet nach den Neuigkeiten unter Druck. Zum Handelsstart stürzte das Papier zunächst um zwölf Prozent ab, bevor sich das Minus etwas verringerte. Zuletzt beträgt der Kursverlust noch gut acht Prozent. Analysten monierten den Ausblick, aber auch enttäuschende Daten zum Schlussquartal.

Die Quartalsergebnisse und die Prognose für das neue Geschäftsjahr seien schon eine heftige Enttäuschung, kritisierte UBS-Analyst Graham Doyle. Er sieht nun für die durchschnittliche Marktschätzung für den Überschuss einen Korrekturbedarf von sieben Prozent.

Der Medizintechnikkonzern habe nach drei Quartalen, in denen er besser abgeschnitten hatte als erwartet, in seinem Schlussquartal 2024/25 die Erwartungen leicht verfehlt, bemerkte Julien Dormois vom Analysehaus Jefferies. Die Umsatz- und Ergebnisprognose für das Geschäftsjahr 2025/26 scheine angesichts der bekannten Gegenwinde durch Zölle, Währungseffekte und einmalige Finanzeffekte bewusst vorsichtig gewählt.

Dormois bleibt jedoch zuversichtlich und sieht den Ausblick als "mögliche Grundlage für einen neuen (ambitionierten) Mehrjahresplan", der Mitte November vorgestellt werden soll.

Mittelfristig will Siemens Healthineers die Auswirkungen der Zölle ausgleichen. Dies soll durch Preiserhöhungen sowie Einsparungen geschehen. Sollte dies nicht ausreichen, überlegt das Management, Produktion in die USA verlagern - "wenn dies nötig ist und für uns sinnvoll ist", wie Finanzvorstand Jochen Schmitz in einem Analystencall sagte.

Der vergleichbare Umsatz - bereinigt um Währungs- und Portfolioeffekte - soll im neuen Geschäftsjahr erneut um fünf bis sechs Prozent zulegen. Auch hier hatten sich Marktexperten etwas mehr erhofft. Mit Ausnahme des Labordiagnostik-Geschäfts, für das eine Stagnation erwartet wird, sollen alle Bereiche wachsen.

Im vergangenen Geschäftsjahr stieg der Umsatz vergleichbar um 5,9 Prozent auf 23,4 Milliarden Euro, wobei sich die Entwicklung im vierten Quartal stärker abschwächte als von Analysten erwartet. Wachstumstreiber waren das Geschäft mit der Bildgebung sowie der Krebsspezialist Varian. Regional legte das Geschäft in Amerika den Angaben zufolge am deutlichsten zu.

Dagegen blieb das China-Geschäft unter Druck: Hier verzeichnete der Konzern einen Umsatzrückgang. Das Management zeigte sich in der Analystenkonferenz zurückhaltend, was eine schnelle Erholung im neuen Geschäftsjahr angeht. Konzernchef Montag übte sich jedoch in Zuversicht, dass das Geschäft dort wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren wird.

Insgesamt erreichte Siemens Healthineers seine eigenen Ziele. Das Ergebnis je Aktie lag auch innerhalb der Spanne seiner ursprünglich zu Geschäftsjahresbeginn abgegebenen Prognose. Der Medizintechnikhersteller hatte nach der Zollankündigung durch US-Präsident Donald Trump zunächst seine Ergebnisprognose gesenkt, später dann aber wieder angehoben. Zum Gewinnanstieg trugen nicht nur gute Geschäfte mit der Bildgebung sowie Varian bei, sondern auch deutliche Verbesserung in lange schwächelnden Geschäft mit der Labordiagnostik, die Siemens Healthineers neu ausgerichtet hat.

"Trotz eines herausfordernden Umfelds haben wir ein weiteres erfolgreiches Jahr abgeschlossen", kommentierte Konzernchef Montag die Entwicklung. Das spiegelt sich auch in einer höheren Dividende wider. Die Aktionäre sollen für das vergangene Geschäftsjahr 1,00 Euro je Aktie erhalten und damit fünf Cent mehr als im Vorjahr.

Montag sieht in der Entwicklung ein "solides Fundament für unsere nächste Strategiephase". Am 17. November hält Siemens Healthineers einen Investorentag ab, bei dem das Management neue Mittelfristziele setzen will./nas/stw/mis

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