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ROUNDUP 7/Tankrabatt

An der Zapfsäule purzeln die Preise 01.10.2026, 17:59 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

(neu: Kartellamt)

MÜNCHEN/BERLIN (dpa-AFX) - Der Tankrabatt hat für schnell sinkende Preise und rege besuchte Tankstellen gesorgt. Schon um Mitternacht hatten die Preise schlagartig nachgegeben. Bis zum Vormittag stieg der Preisunterschied im Vergleich zu den jeweils gleichen Zeitpunkten des Mittwochs weiter an und lag nur noch wenige Cent unter der Höhe des Steuerrabatts von 16,7 Cent. Das lockte offenbar viele Autofahrer an die Zapfsäulen - kurz vor dem üblichen Preissprung zur Mittagszeit waren Tankstellen oft gut besucht. An außergewöhnlich günstigen bildeten sich sogar Schlangen.

Rund um Mitternacht hatten die bundesweiten Durchschnittspreise bereits abrupt um elf bis zwölf Cent nachgegeben, wie sich aus Daten des Spritpreisportals "Tankerkönig" ablesen lässt. Im weiteren Tagesverlauf bis kurz nach Mittag lag der Preis noch etwas deutlicher unter den Vortageswerten zum jeweils gleichen Zeitpunkt.

Aus Sicht des Bundeskartellamts wurde der Rabatt am ersten Tag weitgehend an die Kunden weitergegeben. "Wir haben gesehen, dass in der vergangenen Nacht, ab null Uhr, die Preise im Schnitt um rund 18 Cent gesunken sind", sagte Behördenchef Andreas Mundt dem MDR. Die Preiserhöhung am Mittag habe dann bei etwa 19 Cent gelegen und sei im Rahmen dessen, was man auch in den vergangenen Monaten beobachtet habe.

Bis um 11.45 Uhr - typischerweise ist Kraftstoff kurz vor dem Mittagssprung am günstigsten - sank der Preis für E10 laut ADAC auf 2,052 Euro pro Liter, für Diesel auf 2,197 Euro.

E10 oft unter 2 Euro

Vielerorts wurde Superbenzin der günstigeren Sorte E10 am Morgen und Vormittag für weniger als 2 Euro angeboten, wie aus der Spritpreis-App des ADAC hervorging. Hier gab es allerdings regionale Unterschiede: In München, Stuttgart oder Leipzig gab es sehr viele solcher Angebote. In Berlin waren es zahlreiche, in Hamburg und Köln gab es dagegen nur wenige bis kaum solcher Angebote. Für den zuletzt deutlich teureren Diesel-Kraftstoff blieben die Preise in der Regel aber klar über zwei Euro.

Morgens und vormittags sind die Preise seit Einführung der 12-Uhr-Regel typischerweise am niedrigsten. Mittags steigen sie dann stark an - oft um mehr als 20 Cent pro Liter. Auch am Donnerstag fiel der Preissprung deutlich aus und sorgte dafür, dass es zumindest vorübergehend praktisch keine Angebote mehr unter 2 Euro pro Liter gab.

Doch auch nach dem Mittagssprung lag der Spritpreis sehr viel niedriger als zum gleichen Zeitpunkt am Mittwoch. "Durchschnittlich zahlen Verbraucher heute um 12.15 Uhr je nach Kraftstoffart zwischen 14 und 15 Cent weniger als gestern", hieß es vom ADAC. Trotz eines leicht sinkenden Ölpreises sei in dieser Entwicklung "die Senkung der Energiesteuer zumindest weitgehend abgebildet: Diese wird aktuell zu einem großen Teil an Verbraucher weitergegeben." Zugleich forderte der Verkehrsclub die Mineralölkonzerne auf, zeitnah die volle Energiesteuersenkung weiterzugeben.

16,7 Cent pro Liter Steuerrabatt

Seit Mitternacht gilt für Benzin und Diesel, die Tanklager und Raffinerien verlassen, ein Steuernachlass von 16,7 Cent pro Liter. Wie vollständig dies an die Verbraucher weitergegeben wird, wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Es gibt keine direkte Verpflichtung der Tankstellen, die Preise zu senken. Zudem sind Berechnungen dazu komplex. Der ADAC mahnte allerdings, dass die "Preissenkungen nicht durch spätere Erhöhungen wieder einkassiert werden" dürften.

Die Preise waren bereits am Dienstag und Mittwoch gesunken. Am Mittwoch hatte ein Liter E10 im bundesweiten Tagesdurchschnitt laut ADAC 2,242 Euro gekostet - das waren 3,4 Cent weniger als am Montag, ein Liter Diesel hatte mit 2,390 Euro zu Buche geschlagen und war damit 3,5 Cent billiger als am Montag.

Schon beim vorigen Tankrabatt war umstritten, wie vollständig er weitergegeben wurde. Auch damals hatte sich aber bereits mitten in der Nacht ein deutlicher Rückgang gezeigt. Forscher des Ifo-Instituts haben bereits angekündigt, dass sie die Weitergabe - wie schon beim ersten Tankrabatt - genau analysieren wollen.

September war mit Abstand teuerster Tankmonat bisher

Die Bundesregierung hatte den Tankrabatt als Reaktion auf die aktuell extrem hohen Spritpreise auf den Weg gebracht. Der September war der mit Abstand teuerste Tankmonat bisher. E10 kostete laut ADAC im Monatsschnitt 2,266 Euro - fast 12 Cent mehr als im August. Bei Diesel waren es 2,386 Euro - ein Anstieg um 16 Cent.

Was Kritiker sagen

Die Maßnahme ist umstritten. Der Vorsitzende der Monopolkommission, Tomaso Duso, kritisierte, dass man aus dem vorigen Tankrabatt "nichts gelernt" habe. "Schon damals kam nicht die gesamte Steuersenkung an der Zapfsäule an. Trotzdem geben Bund und Länder erneut rund 2,5 Milliarden Euro Steuergelder aus, ohne dass das Geld gezielt bei denen landet, die es am nötigsten brauchen", sagte Duso. "Wer viel tankt und ein großes Auto fährt, bekommt am meisten." Statt an der Zapfsäule zu experimentieren, sollte die Bundesregierung direkte Zahlungen an einkommensschwache Haushalte und kleine Betriebe vorbereiten.

Auch der Chef des Ifo-Instituts in München, Clemens Fuest, sagte auf Anfrage, der Tankrabatt sei nicht die richtige Antwort. Unter den profitierenden Vielfahrern mit großen Autos seien "viele, die sich die hohen Preise leisten können und bei denen es nicht zu rechtfertigen ist, dass zu ihren Gunsten Lasten umverteilt werden."

Die Mineralölwirtschaft widerspricht dem Vorwurf, dass der Nachlass nicht komplett ankomme. Befürworter des Rabatts verweisen unter anderem darauf, dass es aktuell kein besseres Mittel gebe, um Autofahrer zu entlasten.

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