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Angst vor höheren Lebenshaltungskosten deutlich gestiegen 01.10.2026, 12:58 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

Ob beim Einkauf, bei der Miete oder bei anderen Ausgaben des Alltags: Viele Menschen in Deutschland sorgen sich, dass das Leben teurer wird. Fast sechs von zehn Menschen haben laut einer repräsentativen Befragung große Angst davor, dass die Lebenshaltungskosten steigen, wie die Ergebnisse der Langzeitstudie "Die Ängste der Deutschen" zeigen, die in Berlin vorgestellt wurde.

Diese Sorge gehört damit erneut zur größten Angst der Menschen in Deutschland. Seit dem Start der jährlichen Befragung im Jahr 1992 belegt sie zum 16. Mal den ersten Platz, bei insgesamt 35 Befragungen. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Anteil der Menschen, die davor große Angst haben, sogar deutlich gestiegen - von 52 auf 59 Prozent.

Diese Sorgen belegen Platz zwei und drei

Auf Platz zwei der Rangliste steht die Sorge vor Steuererhöhungen und Leistungskürzungen, vor der gut jeder Zweite (53 Prozent) eigenen Angaben nach große Angst hat. Den dritten Platz belegt die Angst vor der Überforderung des Staats durch Geflüchtete (52 Prozent).

Die Umfrage "Die Ängste der Deutschen" wird von der R+V-Versicherung in Auftrag gegeben. Für die diesjährige Befragung wurden zwischen Mai und Juli rund 2.400 Menschen im Alter ab 14 Jahren von Meinungsforschern befragt. Die Teilnehmer sollten vorgegebene Themen auf einer Skala von eins (gar keine Angst) bis sieben (sehr große Angst) bewerten. Die Werte 5, 6 und 7 werden als "große Angst" zusammengefasst. Daraus wird die Rangfolge ermittelt.

Wirtschaftspsychologe: Unsicherheit spielt große Rolle

Die Befragung spiegle vor allem eine gefühlte Angst vor der Zukunft und eine Unsicherheit wider, weniger die reale Situation der Befragten, erklärt Wirtschaftspsychologe Burkhard Schmidt von der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen. "Die Menschen wissen einfach nicht mehr, was als Nächstes teurer wird. Und sie wissen nicht mehr, worauf sie sich verlassen können", sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

In den Nachrichten höre man von einer unsicheren politischen Lage, von Kriegen, von erhöhten Spritpreisen. Das Erzeuge reale Ängste. "Wenn Menschen Verluste befürchten, prägt dieses Gefühl ihren Blick auf die Lage sehr stark."

Das zeige sich auch daran, dass zwar 51 Prozent große Angst vor einer schlechteren Wirtschaftslage hätten (eine Steigerung um 10 Prozentpunkte im Vergleich zu 2025), aber nur 20 Prozent der Erwerbstätigen um den eigenen Arbeitsplatz fürchteten. Die eigene Lage erlebten viele als stabil, die Gesamtwirtschaft dagegen über Nachrichten und Preise als unsicher. Im Durchschnitt seien die Löhne zuletzt sogar stärker gestiegen als die Preise. Für verletzliche Gruppen, etwa Rentnerinnen und Rentner oder Haushalte mit hohen Energiekosten, sei die Belastung aber sehr real.

Viele Deutsche erlebten den Alltag als teurer, obwohl die Inflationsrate im Befragungszeitraum moderat gewesen sei und zwischen 2,3 und 2,8 Prozent gelegen habe, so der Professor. Das sei aber kein Widerspruch, denn das Preisniveau liege gut 20 Prozent über dem von 2020. "Wir bewerten Preise nicht absolut, sondern im Vergleich zu dem, was wir gewohnt sind." Hinzu komme, dass die Spritpreise im Befragungszeitraum deutlich gestiegen seien.

Deutliche Unterschiede zwischen Frauen und Männern

Interessant ist auch ein Blick auf die Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Mit Ausnahme von zwei Fällen - Überforderung des Staats durch Geflüchtete und Spannung durch Zuzug aus dem Ausland - ist die Angst bei Frauen bei allen Sorgen größer ausgeprägt als bei Männern, teilweise deutlich. Ein Beispiel: Frauen bereitet die Angst vor steigenden Lebenshaltungskosten mit einem Anteil von 63 Prozent deutlich mehr Sorge als Männern, bei denen der Anteil bei 55 Prozent liegt. Auch mit Blick auf die vergangenen Jahre waren die Sorgen bei Frauen immer ausgeprägter als bei Männern. Sind Frauen einfach ängstlicher?

Nein, glaubt Schmidt. Vielmehr gehe es Frauen im Schnitt finanziell schlechter als Männern. Das könne erklären, warum die Unsicherheiten bei ihnen größer seien. "Im Durchschnitt verdienen Frauen pro Stunde um die 16 Prozent weniger", so der Experte. "Außerdem haben Frauen ein deutlich geringeres Alterseinkommen." Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lagen die Einkünfte von Frauen im Alter (ab 65) im Jahr 2025 rund 24 Prozent unter denen von Männern. Für die Berechnung der sogenannten Rentenlücke wurde das Bruttoeinkommen, inklusive Hinterbliebenenrente berücksichtigt.

Hinzu komme, dass Frauen häufig mehr Kontakt mit Alltagspreisen hätten, etwa weil sie häufiger den täglichen Einkauf im Supermarkt erledigten als Männer. "Wer häufiger einkauft, sieht Preisänderungen unmittelbarer, und Preise, die man oft sieht, prägen das Gefühl besonders stark." Allerdings lasse sich aus den Daten nicht ablesen, wie viel des Unterschieds tatsächlich auf das Geschlecht zurückgehe. Frauen seien im Schnitt auch älter, und Ältere sorgten sich generell stärker um Kosten.

Während die finanziellen Sorgen laut der Befragung dominieren, rücken andere komplett in den Hintergrund. Obwohl es dieses Jahr Temperaturrekorde und schlimme Waldbrände gab, belegen die Angst vor dem Klimawandel (30 Prozent) und die Angst vor Naturkatastrophen (27 Prozent) jeweils einen der hinteren Plätze des Rankings. Diese beiden Ängste hatten bisher noch nie so niedrige Werte in der Umfrage.

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