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Bahn verjüngt Flotte - Fahrgastverband warnt vor Engpässen 09.06.2025, 07:05 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

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BERLIN (dpa-AFX) - Zu alt, zu störanfällig, zu wenig Sitzplätze: Die Fernverkehrsflotte der Deutschen Bahn soll jünger werden, das Durchschnittsalter der ICE- und IC-Züge bis 2030 von zuletzt 18 Jahren auf 12 Jahre sinken. Ein Baustein für mehr Zuverlässigkeit auf der Schiene.

Doch der Fahrgastverband Pro Bahn fürchtet, dass zu viele alte Züge ausgemustert und zu langsam durch neue ersetzt werden. Bundesvorstand Lukas Iffländer warnt vor weniger Zugangebot auf manchen Strecken.

ICE 4 vollständig ausgeliefert

Die Flottenmodernisierung bei der Bahn ist in vollem Gange. Bereits im März vergangenen Jahres wurde der letzte von insgesamt 137 neuen ICE 4 vom Hersteller Siemens Mobility an die Bahn ausgeliefert. Es ist der erste Fernzug mit Fahrrad-Stellplätzen.

Ansonsten verfügen die Fahrzeuge über mindestens 444 Sitze pro Zug und kommen auf eine Geschwindigkeit von bis zu 265 Kilometern pro Stunde. Sie bilden inzwischen das Rückgrat der ICE-Flotte des bundeseigenen Konzerns. Mit ihnen hat sich die Zahl der ICE-Züge von rund 270 im Jahr 2017 auf inzwischen rund 400 erhöht.

Seit einigen Jahren läuft zudem die Auslieferung des ICE 3 Neo, einer Neuauflage der bisherigen ICE-3-Baureihen. 90 dieser Züge sollen bis 2028 im Betrieb sein. In diesem Jahr kommen 15 ICE 3 Neo hinzu, im nächsten 16, wie die Bahn auf Anfrage mitteilte. Sie zeichnen sich unter anderem durch frequenzdurchlässige Fenster für besseren Handyempfang aus.

Der Neo wird bislang auf den Hochgeschwindigkeitsstrecken zwischen Nordrhein-Westfalen und München über Frankfurt und Stuttgart eingesetzt sowie auf internationalen Verbindungen von Frankfurt nach Amsterdam und Brüssel.

Lieferprobleme beim ICE L dauern an

Lieferprobleme gibt es hingegen bei einer weiteren Neubestellung: dem ICE L des spanischen Herstellers Talgo. 79 Züge hat die Bahn geordert. Eigentlich sollten die ersten schon im Herbst vergangenen Jahres unterwegs sein. Nun dürfte die Auslieferung frühestens im zweiten Halbjahr dieses Jahres erfolgen. Vier der Züge könnten 2025 noch kommen, teilte die Bahn mit. Optisch erinnern die Fahrzeuge mehr an Intercity- als an ICE-Züge.

"Die Flottenstrategie von DB Fernverkehr hat das klare Ziel, die Flotte zu verjüngen und zu modernisieren, um den Betrieb zu stabilisieren", betonte der Konzern. Das funktioniere. Die Verfügbarkeit der ICE-4- und ICE-3-Neo-Züge sei deutlich höher als bei älteren Baureihen. Über verbesserte Wartungskonzepte habe der Anteil der Antriebsstörungen zwischen 2019 und 2024 um 58 Prozent reduziert werden können.

Zu mehr Pünktlichkeit haben die neuen Züge bisher allerdings nicht geführt. Nach wie vor ist mehr als ein Drittel aller Fernzüge verspätet unterwegs.

Fahrgastverband kritisiert chaotische Fahrzeugstrategie

Auch den Fahrgastverband Pro Bahn überzeugen die Zahlen der Bahn nicht. "Insgesamt erscheint uns die Fahrzeugstrategie höchst chaotisch", sagte Vorstand Iffländer. Er verweist vor allem auf Ausmusterungen älterer Züge. "Auf vielen Verbindungen werden wir weniger Sitzplätze bekommen, zumindest vorübergehend, bis irgendwann mal die neuen Züge da sind."

Besonders betroffen seien die Ost-West-Verbindungen Wiesbaden-Frankfurt-Leipzig-Dresden sowie Hamburg-NRW-Bonn-Frankfurt-Nürnberg-Wien, auf denen künftig öfter der zweite Zugteil fehlen werde. "Für uns Fahrgäste bedeutet das kurz und knapp: Es wird eng und voll. Verkehrswende - nein, danke", sagte Iffländer.

Bahn verkauft KISS-Züge

Konkret hat die Bahn im April dieses Jahres 14 ältere ICE 3 der Baureihe 406 aus dem Betrieb genommen. Zehn weitere Züge der Baureihe 415 - der sogenannte ICE T - gelten ebenfalls als störanfällig und wartungsintensiv und sollen schrittweise bis zum Jahresende in Ruhestand gehen.

Hinzu kommen rund drei Dutzend ICE-2-Züge, die bereits seit 1996 im Einsatz sind. Bis Ende 2027 sollen sie nach und nach aus dem Verkehr genommen werden. Schließlich hat die Bahn kürzlich 17 Doppelstockzüge vom Typ "Intercity 2 KISS" an die Österreichische Bundesbahn verkauft. Die Bahn hatte die Züge erst 2019 gebraucht erworben, "um Lieferprobleme bei anderen Fahrzeugen zu überbrücken", wie es hieß. Diese seien inzwischen behoben.

Flottenzahl wird schwanken

Es sei fraglich, ob die wegfallenden Züge durch die teils verzögerten Neuzugänge schnell genug ersetzt werden könnten, betonte Iffländer. Die Folgen seien schon jetzt sichtbar. "Der Frühzug ab Leipzig entfällt zum Fahrplanwechsel, weil er bisher mit einem fünfteiligen ICE T gefahren wird, die zum Fahrplanwechsel abgestellt werden sollen", sagte er.

Die Bahn räumt ein, dass die ICE-Flottenzahl in den kommenden Jahren infolge der Ausmusterungen und des Zulaufs neuer Züge leichten Schwankungen unterliegen werde. Mittelfristig verbleibe die Zahl aber "auf vergleichbarem Niveau bei steigenden Sitzplatzzahlen".

Pro Bahn skeptisch

Auch da ist Iffländer skeptisch. "Auf dem Papier wächst zwar theoretisch bis 2029 die Sitzplatzkapazität, praktisch sinkt sie aber wegen schlechter Flottenverfügbarkeit, da auch neuwertige Fahrzeuge inzwischen oft defekt vor den Werken stehen", teilte er mit.

Während die Flotte bei der Bahn zwar jünger, aber nicht unbedingt größer wird, hat der Wettbewerber Flixtrain zuletzt eine größere Zugoffensive angekündigt: Rund 30 neue Schnellzüge hat das Unternehmen bestellt. Dazu gibt es die Option auf 35 weitere Züge, wie Flixtrain mitteilte. Inklusive Wartung kostet das Paket demnach bis zu 2,4 Milliarden Euro. Geordert hat Flix die Züge ebenfalls beim spanischen Hersteller Talgo. Bis wann sie ausgeliefert werden sollen, ist unklar./maa/DP/zb

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