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Baywa-Sanierung zieht sich - Verkauf von Ökostromtochter 'in Kürze' 01.07.2026, 13:59 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

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Die hoch verschuldete Baywa DE0005194062 will ihr derzeit größtes Problem in Kürze loswerden: Die einst als Wachstumshoffnung gestartete, aber ebenfalls in den roten Zahlen steckende Ökostromtochter Baywa r.e. soll in Kürze an einen "Transformations-Gesellschafter" verkauft werden. Die Details zur künftigen Eigentümerstruktur sollen "in wenigen Wochen" kommuniziert werden, wie es in einer Mail des Baywa r.e.-Vorstandschefs Hans-Joachim Ziems an die Führungskräfte der Gesellschaft heißt. Bislang ist die r.e. ein Gemeinschaftsunternehmen der Mutter Baywa AG und des Schweizer Investors EIP. "Damit setzen wir unsere Transformation noch zügiger fort, und zwar in Eigenregie", schreibt Ziems.

Schnelle Trennung soll der bessere Weg sein

Für die Muttergesellschaft Baywa AG hätte die baldige Trennung den Vorteil, dass die Ökostromgesellschaft und deren Verbindlichkeiten nicht mehr in der Bilanz verbucht werden müssen. Baywa-Vorstand, Gläubigerbanken und die zwei Hauptaktionäre hatten sich am Dienstagabend nach monatelangen Gesprächen im Grundsatz auf einen neuen Sanierungsplan verständigt, nachdem das bisherige Konzept wegen der Probleme der Baywa r.e. nicht mehr zu halten war.

"Es ist erfreulich, dass eine Einigung erzielt werden konnte", kommentierte Stefan Müller, der Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB). Der GVB vertritt die bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken, die über ihre Beteiligungsgesellschaft BRB größter Baywa-Aktionär sind. Die aus der Genossenschaftsbewegung hervorgegangene Baywa spielt für Landwirtschaft und Lebensmittelversorgung vor allem im Süden und Osten Deutschlands eine große Rolle. "Der Erhalt der BayWa mit ihrem Kerngeschäft als wichtigen Partner der bayerischen Land- und Bauwirtschaft ist in zentralem Interesse Bayerns", sagte Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler).

Verkauf der Baywa r.e. bringt viel weniger als erhofft

Sowohl die Sanierung der Baywa AG als auch diejenige der r.e. sollen nun voraussichtlich jeweils zwei Jahre länger als ursprünglich bis 2030 dauern. Die r.e. hätte eigentlich für einen erhofften Preis von 1,7 Milliarden Euro verkauft werden sollen, doch hatte deren Management seine Ergebnisziele im Frühjahr drastisch nach unten geschraubt. Mittlerweile geht der Baywa-Vorstand davon aus, dass der Verkauf des r.e.-Anteils noch 900 Millionen Euro einbringen könnte. Allerdings sollen sowohl die Baywa AG als auch EIP auf ausstehende Forderungen gegen die BayWa r.e. verzichten, wie aus Ziems' Mail hervorgeht.

Enttäuschte Hoffnungen

Der Baywa-Konzern war 2009 unter Regie des früheren Vorstandschefs Klaus Josef Lutz mit großen Hoffnungen in das Geschäft mit erneuerbaren Energien eingestiegen. Entwicklung und Betrieb von Solar- und Windparks sollten zu einem zweiten Standbein des bis dahin weitgehend auf den Agrarhandel spezialisierten Münchner Konzerns werden.

In den Jahren 2023 und 2024 gerieten die Muttergesellschaft Baywa AG und Tochterunternehmen jedoch simultan in große Schwierigkeiten: Die AG konnte die Zinskosten der über fünf Milliarden Euro Finanzschulden nicht mehr tragen, die der Konzern im Zuge der von Lutz geleiteten kreditfinanzierten Auslandsexpansion aufgehäuft hatte. Die r.e. hatte ihr Geschäft ebenfalls mit Hilfe von Darlehen aufgebaut, und wurde außerdem von der US-Politik in Mitleidenschaft gezogen: Präsident Donald Trumps Kürzung der Zuschüsse für den Ausbau der erneuerbaren Energien verhagelte der r.e. den Ausblick. Deren Vorstand geht aber davon aus, dass das Unternehmen bereits im nächsten Jahr einen operativen Gewinn erwirtschaften kann.

Baywa will sich auch von Heizöl und Pellets verabschieden

Die Mutter Baywa AG jedoch will sich in den nächsten Jahren vollständig aus dem Energiegeschäft zurückziehen. Neu an dem geänderten Sanierungsplan ist auch, dass 2029 der Bereich Wärme und Mobilität verkauft werden soll. Das umfasst mehrere disparate Geschäfte vom Heizöl- und Holzpelletverkauf bis zum Bau von Ladeparks. Sofern die Sanierung planmäßig verläuft, wird die einst von Lutz angestoßene internationale Expansion vollständig rückabgewickelt und die Baywa am Ende wieder ein weitgehend auf Deutschland beschränktes Unternehmen sein.

"Klarer Fokus auf Agrarhandel, Landtechnik und Baustoffe", sagte GVB-Präsident Müller. "Dieses Geschäftsmodell hat die Baywa über Jahrzehnte getragen und kann profitabel in die Zukunft geführt werden." Ende 2023 beschäftigte der Konzern weltweit über 23.000 Menschen, am Ende sollten es nach dem ursprünglichen Sanierungskonzept noch etwa 8.000 sein.

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