ROUNDUP/DFB am Ziel

Wunschkandidat Klopp wird Bundestrainer 24.07.2026, 11:36 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

Jetzt ist es fix. Der Deutsche Fußball-Bund geht den Neuaufbau der Nationalmannschaft nach dem nächsten WM-Flop mit Jürgen Klopp an. Der 59-Jährige war von Anfang an der Wunschkandidat für die Nachfolge des in Amerika kläglich gescheiterten Julian Nagelsmann. Offizieller Vertragsbeginn ist der 15. August. "Es ist ein sehr, sehr besonderer Tag für mich", sagte Klopp bei seiner Vorstellung in Frankfurt.

Mit der Verkündung der Klopp-Personalie gab der DFB auch noch bekannt, dass Per Mertesacker ab Januar 2027 die Position des DFB-Geschäftsführers übernehmen wird.

Nach intensiven Verhandlungen in den vergangenen drei Wochen hat der Verband sein Ziel erreicht, Klopp bis zur nächsten Weltmeisterschafts-Endrunde im Sommer 2030 an sich zu binden. Klopp soll bei seiner Rückkehr ins Traineramt den viermaligen Weltmeister und dreimaligen Europameister wieder auf Erfolgskurs bringen. Erster Liefertermin ist die EM in zwei Jahren.

Klopp: Deutsche verbinden

"Die Nationalmannschaft kann uns Deutsche verbinden wie kaum etwas anderes. Genau das macht diese Aufgabe für mich so besonders. Ich bin dankbar für alles, was ich in den letzten eineinhalb Jahren bei Red Bull erleben und lernen durfte, und für die Offenheit, die diese Einigung erst möglich gemacht hat", sagte Klopp in einer DFB-Mitteilung, die mit seiner Präsentation veröffentlicht wurde.

"Er war von Anfang an unsere Wunschlösung. Da waren wir uns im Verband einig, dass wir diese Lösung verfolgen müssen", sagte DFB-Präsident Bernd Neuendorf. Die Verpflichtung Klopps sei angesichts anderer Verträge wie mit dessen bisherigem Arbeitgeber Red Bull eine "komplexe Thematik" gewesen.

Premiere gegen Niederlande

Die ersten Länderspiele stehen für Klopp in zwei Monaten an. Ende September startet die DFB-Auswahl mit gleich vier Partien gegen die Niederlande, Serbien und zweimal Griechenland in die nächste Auflage der Nations League. Seine langjährigen Assistenten Peter Krawietz und Pepijn Lijnders sowie sein Dortmunder Ex-Spieler Sven Bender werden ihm als Co-Trainer zuarbeiten.

"Jetzt freue ich mich auf diese besondere Aufgabe im deutschen Fußball, die wir gemeinsam mit Demut und Geduld angehen werden: eine Mannschaft zu entwickeln, die füreinander kämpft, die Freude am Fußball hat und hinter der sich die Menschen in unserem Land mit voller Überzeugung versammeln können", sagte Klopp.

EM 2028 als erstes großes Ziel

Das erste ganz große Ziel für Klopp ist die Europameisterschaft 2028 in England, Schottland, Wales und Irland. Dafür muss sich das DFB-Team aber noch qualifizieren. Die EM-Qualifikation findet im kommenden Jahr statt.

Klopp war von der DFB-Führung um Präsident Bernd Neuendorf direkt nach dem alternativlosen vorzeitigen Aus von Nagelsmann als DFB-Chefcoach zur Wunschlösung erklärt worden. Andere Optionen wurden nicht geprüft.

Neuendorf und DFB-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke flogen noch während der WM eigens nach New York, um dort mit Klopp und dessen Berater Marc Kosicke zu verhandeln. Klopp arbeitete während des Turniers als Experte für MagentaTV. In den USA konnte als wichtiges Etappenziel "eine Verständigung über wesentliche Eckpunkte eines potenziellen Vertrages erzielt" werden.

Ein Hindernis war anfangs Klopps Anstellung als Head of Global Soccer bis 2029 bei Red Bull. Auch hier konnte die DFB-Spitze bei einem Treffen mit Red-Bull-Boss Oliver Mintzlaff in München jedoch eine kreative Lösung finden. Klopp war nach seinem Abschied vom FC Liverpool im Sommer 2024 seit Anfang 2025 für den Getränke-Konzern aus Österreich tätig.

Neuendorf bedankte sich ausdrücklich bei Red Bull für die Freigabe Klopps und bestätigte eine Zahlung von einer Million Euro an die Stiftung des Getränkeunternehmens. Zudem wird es in Leipzig drei Länderspiele bis 2030 geben.

Große Erfolge als Vereinscoach

Der Job des Nationaltrainers ist neu für Klopp. Aber der gebürtige Stuttgarter war über viele Jahre einer der besten Vereinstrainer in Europa. Klopp führte den FSV Mainz 05 in die Bundesliga (2004). Mit Borussia Dortmund wurde er zweimal deutscher Meister (2011, 2012) und einmal DFB-Pokalsieger (2012). Er kratzte in seinen BVB-Jahren zeitweise an der nationalen Vormachtstellung des FC Bayern München.

2015 wechselte er nach England und übernahm den FC Liverpool. Auch die Reds leitete er als Chefcoach zum Meistertitel (2020) und Pokalsieg (2022). Der größte Triumph gelang ihm 2019 mit dem Gewinn der Champions League, dem sportlich bedeutendsten Titel im Club-Fußball.

Nach neun Jahren in der Premier-League-Mühle ging Klopp die Energie aus, wie er bei seinem Abschied vom FC Liverpool erklärte. Das Energie-Thema hatte er aber gleich bei der Bekundung seines Interesses am DFB-Job abgeräumt. "Ich bin mehr als aufgetankt, ich bin bereit", sagte Klopp. Jetzt kann er loslegen.

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