ROUNDUP/Europa rüstet auf

Waffenimporte verdreifacht 09.03.2026, 01:05 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

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STOCKHOLM (dpa-AFX) - Europa rüstet auf wie lange nicht. Davon profitiert die deutsche Rüstungsindustrie: Laut einem neuen Bericht des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri ist Deutschland inzwischen viertgrößter Waffenexporteur der Welt - und hat China überholt. Fast ein Viertel der deutschen Exporte flossen im Zeitraum zwischen 2021 und 2025 in die Unterstützung der Ukraine.

Weitere 17 Prozent wurden dem Bericht zufolge in andere europäische Länder exportiert. "Auch die Lieferungen in andere traditionelle Exportziele wie Ägypten und Israel sind gestiegen", sagte die Sipri-Expertin Katarina Djokic.

Europäische Staaten rüsten massiv auf

Die globalen Waffenlieferungen stiegen laut den Friedensforschern im Vergleich der vergangenen beiden Fünfjahreszeiträume um 9,2 Prozent. Die Sipri-Daten beziehen sich auf das Volumen von Rüstungslieferungen, nicht auf deren finanziellen Wert. Da dieses Volumen von Jahr zu Jahr je nach Auftragslage stark schwanken kann und es den Friedensforschern in ihren Berichten um langfristige Trends geht, vergleichen sie Fünfjahreszeiträume statt Einzeljahre, diesmal also die Jahre 2021 bis 2025 mit 2016 bis 2020.

Die europäischen Staaten verdreifachten ihre Waffenimporte in dieser Zeit. Größter Treiber dieser Entwicklung ist weiterhin der Krieg in der Ukraine. Die russische Bedrohung veranlasst die Länder Europas aber auch, ihre eigene Rüstungsfähigkeit zu stärken. "Russland ist eigenhändig für den starken Anstieg der europäischen Rüstungsimporte verantwortlich", sagte Djokic.

Auch die Unsicherheit darüber, inwiefern die USA ihre Nato-Partner im Ernstfall verteidigen würden, hat die Nachfrage nach Waffen unter den europäischen Nato-Staaten den Sipri-Forschern zufolge in die Höhe getrieben.

Größter Teil der US-Waffenexporte ging nach Europa

Gleichzeitig kauft Europa aber weiter vor allem in den USA ein: "Zum ersten Mal in zwei Jahrzehnten ging der größte Anteil der US-Waffenexporte nach Europa und nicht in den Nahen und Mittleren Osten", heißt es im Bericht. Der Anteil betrug 38 Prozent.

"Obwohl europäische Unternehmen ihre Waffenproduktion hochgefahren haben und die neuen Investitionshilfen der EU für die Rüstungsindustrie der Mitgliedstaaten zu einer Reihe von Aufträgen innerhalb der EU geführt haben, haben die europäischen Staaten auch im Zeitraum 2021 bis 2025 weiter US-Waffen importiert", sagte Sipri-Forscherin Djokic. Das gelte besonders für Kampfflugzeuge und Luftabwehrsysteme mit großer Reichweite. Diese würden in Europa weiterhin als besonders fähig wahrgenommen.

Länder wie Rumänien und Polen kauften auch in den USA ein, um die Partnerschaft zu den Amerikanern zu stärken. "Wenn man außerdem schon Systeme aus den USA hat - wie Deutschland zum Beispiel das Flugabwehrsystem Patriot - dann spricht logistisch und in Bezug auf die Ausbildung auch viel dafür, diese weiter zu nutzen", erklärte sie.

Nachfrage dürfte weiter wachsen - auch wegen des Iran-Kriegs

Die Spannungen und der Krieg im Nahen und Mittleren Osten dürften die Rüstungsnachfrage in Europa in Zukunft weiter wachsen lassen. Gleichzeitig könnten die US-Angriffe im Iran noch andere Folgen haben, so die Sipri-Expertin: "Wenn es in den USA zu Engpässen etwa an Abwehrraketen kommt, wie schon berichtet wird, könnte das dazu führen, dass das Land seine eigenen Streitkräfte priorisiert und die Lieferungen an andere Staaten einschränkt."

Das könnte für die europäischen Länder zum Problem werden. Die USA standen im Zeitraum 2021 bis 2025 für 42 Prozent aller internationalen Waffenlieferungen und exportierten Rüstung in 99 Staaten. Zweit- und drittgrößte Waffenexporteure waren in dem untersuchten Zeitraum Frankreich und Russland. Die russischen Exporte sackten um 64 Prozent ab.

Ganz oben auf der Liste der Importeure steht vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs weiter die Ukraine, gefolgt von Indien, Saudi-Arabien, Qatar und Pakistan.

Sipri ist ein unabhängiges Friedensforschungsinstitut mit Sitz in Stockholm. Es wird größtenteils staatlich finanziert und veröffentlicht jedes Jahr Berichte zu Waffenhandel, Rüstungsindustrie, Atomwaffen und Militärausgaben./wbj/DP/zb

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