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Großaktionär Frasers will Hugo Boss übernehmen - Aktie steigt deutlich 11.06.2026, 10:10 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

Werte zum Artikel
Name Aktuell Diff. Börse
Frasers Group 8,375 EUR -4,29 % Quotrix Düsseldorf
Hugo Boss 39,33 EUR +0,04 % Lang & Schwarz

Der Großaktionär Frasers Group GB00B1QH8P22 will den schwäbischen Modehersteller Hugo Boss DE000A1PHFF7 übernehmen. Frasers will im Rahmen eines freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebots 38 Euro je Boss-Aktie bieten, wie das Unternehmen bereits am Mittwochabend nach Börsenschluss mitteilte. Das Angebot gilt für alle Aktien, die Frasers nicht bereits besitzt. Zuletzt kamen die Briten nach eigenen Angaben auf einen direkten Anteil von gut 26 Prozent. An der Börse kam das gut an.

Für die im Mittelwerteindex MDax DE0008467416 gelistete Aktie ging es im frühen Handel am Donnerstag zuletzt um 6,2 Prozent nach oben auf 38,72 Euro. Seit Jahresbeginn haben die Papiere etwas über sieben Prozent an Wert gewonnen, mit Blick auf die vergangenen zwölf Monaten jedoch leicht an Wert eingebüßt. Im vergangenen Jahr allerdings waren über Monate hinweg noch Kurse gezahlt worden, die mit bis zu 48 Euro deutlich über dem jetzigen Angebot lagen. 2023 lag ein Zwischenhoch sogar bei knapp 76 Euro. Der Rekord aus dem Jahr 2015 beträgt 120 Euro.

Für Analystin Chiara Battistini von JPMorgan erscheinen die angebotenen 38 Euro nicht besonders attraktiv. Sie beinhalteten lediglich einen vierprozentigen Aufschlag auf den letzten Xetra-Schlusskurs. Sie sehe allerdings keine offensichtlichen weiteren Interessenten. Battistini beobachtete vor der Bekanntgabe der Frasers-Offerte zudem eine vergleichsweise hohe Short-Quote bei der Aktie - also etliche Anleger, die über Leerverkäufe auf einen fallenden Kurs gewettet hätten.

Frederick Wild vom Analysehaus Jefferies sieht die Übernahmeofferte des Großaktionärs eher als Versuch, im Rahmen deutscher Gesetze weiter aufzustocken. Mit den gebotenen 38 Euro bilde man hier zunächst einen Boden für die Aktien.

Hugo Boss teilte am Mittwoch mit, dass das Übernahmeangebot nicht mit der Gesellschaft abgestimmt sei. Nach Veröffentlichung der Angebotsunterlagen werden Vorstand und Aufsichtsrat das Angebot prüfen und eine begründete Stellungnahme abgeben, so der Modehändler.

Zwischen dem Großaktionär und der Führungsspitze von Hugo Boss war es in jüngerer Zeit zu Unstimmigkeiten gekommen. So hatte Frasers dem Aufsichtsratschef Stephan Sturm im Dezember das Vertrauen entzogen. Streit gab es unter anderem um die Dividendenzahlung. Frasers ruderte jedoch am Dienstag dieser Woche zurück und drückte Unterstützung für Sturm und die Dividendenpolitik aus.

Frasers verfügt nach eigenen Angaben vom Mittwoch auch über weitere Finanzinstrumente für Hugo-Boss-Aktien. Die Briten hatten sogenannte Put-Optionen verkauft, ihnen hätten also von Aktionären und Inhabern der Optionen zu einem gewissen Preis Aktien angedient werden können. Bei Überschreiten der Schwelle von 30 Prozent der Anteile hätte Frasers dann ohnehin ein Pflichtangebot an die restlichen Aktionäre unterbreiten müssen. Frasers habe sich für ein freiwilliges Angebot entschieden, um das Investment in Hugo Boss zu festigen, hieß es von den Briten.

Frasers gehört mehrheitlich dem britischen Milliardär Mike Ashley, der bereits mehrere Mode-Engagements unter seinen Fittichen hat. Dem Unternehmen gehört etwa auch der Onlinehändler Sports Direct. Frasers sei ein langfristig orientierter Investor von Hugo Boss und stehe weiter zu Aufsichtsratschef Sturm sowie Vorstandschef Daniel Grieder, hieß es.

Für die restlichen knapp 74 Prozent der Hugo-Boss-Anteile müsste Frasers rund 2 Milliarden Euro hinblättern. Der gesamte Edelschneider würde so mit rund 2,7 Milliarden Euro bewertet. Einer Mindestschwelle unterliegt das Angebot nicht. Aufsichtsbehörden müssen dem Deal noch zustimmen.

Hugo Boss machte zuletzt eine verhaltene Konsumstimmung zu schaffen. Für das laufende Jahr erwartet das Management einen Umsatzrückgang auf währungsbereinigter Basis im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern soll 300 bis 350 Millionen Euro erreichen. 2025 wurde ein Umsatz von rund 4,3 Milliarden Euro bei einem operativen Ergebnis von 391 Millionen Euro verbucht.

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