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Hacker-Angriff: Kritik am Krisenmanagement in Berlin 07.09.2026, 15:14 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

Ein schneller Überblick, welche zum Teil vertraulichen Daten die Cyberkriminellen nach dem Hackerangriff auf die Berliner Verwaltung veröffentlicht haben, ist nach Einschätzung von Experten unrealistisch. "Abschätzen zu können, was im Detail abgeflossen ist, das kann sehr lange dauern, mindestens noch viele Wochen", sagte der Sprecher des Chaos Computer Clubs, Joachim Selzer, der Deutschen Presse-Agentur.

"Was wir jetzt brauchen, ist vor allen Dingen maximale Transparenz bei der Aufarbeitung. Das heißt, dass man auch in der Öffentlichkeit sagt, jetzt stellen wir uns hin und erzählen genau, was schiefgegangen ist."

Linke und Grüne wollen Debatte im Parlament

Linke und Grüne im Abgeordnetenhaus beantragten, bei der nächsten Sitzung des Landesparlaments in der Aktuellen Stunde am Donnerstag über das Thema "Versagen bei der IT-Sicherheit der Verwaltung, erneut miserables Krisenmanagement" zu diskutieren.

Die Berliner FDP forderte den Rücktritt des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner (CDU) und der Innensenatorin Iris Spranger (SPD). "Beide haben versagt. Aufklärung und Rücktritte schließen sich nicht aus - sie sind zwei Seiten derselben politischen Verantwortung."

Experte: Zugänge spät gesperrt

IT-Experte Selzer sieht ebenfalls vieles kritisch: "Es ist schon bemerkenswert, dass am Freitag vor zwei Wochen die ersten Vorab-Häppchen auf der Seite veröffentlicht wurden und dann nach meinen Informationen am Mittwoch Leute, die es getestet haben, immer noch auf die damals veröffentlichten Systeme draufgekommen sind mit den veröffentlichten Passwörtern", sagte er. "Und da frage ich mich, warum wurden nicht sofort nach dem Bekanntwerden dieser Vorab-Leaks alle Zugänge gesperrt?"

"Sorglosigkeit ist ein Phänomen, das nicht nur das Land Berlin betrifft, insofern ist das nichts, was mich großartig überrascht hat", sagte Selzer. "Mein Lieblingsbeispiel war ein eingescannter Reisepass von einer Mitarbeiterin, der auf dem Server zu finden war."

Einfache Passwörter

"Aber auch Passwörter von der Einfachheit, wie sie uns gerade vorliegen, sollten eigentlich nicht verwendet werden", ergänzte Selzer - und schon gar nicht im Klartext abgespeichert werden.

Der Hackerangriff auf Teile des Datennetzes der Berliner Verwaltung war am 14. August bekanntgeworden. Die Hacker-Gruppe Rhysida forderte 30 Bitcoin, umgerechnet rund zwei Millionen Euro. Der Senat zahlte nicht, die Cyberkriminellen veröffentlichten die Daten nach Ablauf ihres Ultimatums.

Senat: Keine Daten der nationalen Sicherheit

Nach Angaben des Senats wurden keine Daten gestohlen oder veröffentlicht, die für die nationale Sicherheit wichtig sind. Es seien nur Daten entwendet worden, die die niedrigste von vier Geheimhaltungsstufen gehabt hätten, sagte Digital-Staatssekretär Florian Hauer im Innenausschuss. Lediglich Daten mit der Einstufung VS-NfD (Verschlusssache - Nur für den Dienstgebrauch, die vierte von vier Sicherheitsstufen) seien betroffen.

Mit Blick auf Einrichtungen des Bundes, der Bundeswehr und die nationale Sicherheit bedeute das, dass keine Daten mit erhöhter Sensibilität und Sicherheitsrelevanz gehackt worden seien, sagte er.

Hauer betonte aber zugleich, die Prüfungen und Untersuchungen der mehr als 1,2 Millionen Dateien liefen noch. Einige Dateien hätten zwar auf den ersten Blick sensibel ausgesehen, es habe sich aber dann herausgestellt, dass keine Gefährdung vorliege. So sei es bei Dateien mit Bezug zum Militärischen Abschirmdienst (MAD) nur um Parkgenehmigungen gegangen.

Sicherheitsmaßnahmen für die Zukunft werden teuer

Zugleich wies Hauer darauf hin, dass bei weiteren Sicherheitsüberprüfungen des IT-Netzes der Verwaltungen höchstwahrscheinlich strukturelle Defizite festgestellt werden würden. Sie seien schon vor Jahren entstanden und müssten nun so schnell wie möglich abgestellt werden. Dafür müsse im Landeshaushalt Geld bereitgestellt werden. Derzeit würden parallel bereits strukturelle Maßnahmen geplant, "die auch nicht wenig Geld kosten werden, um das System kurzfristig auch zu erhärten".

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) besuchte am Freitagabend, als die gestohlenen Daten im Darknet veröffentlicht wurden, ein Basketballspiel. Er wurde nach Angaben der Senatskanzlei aber auf dem Laufenden gehalten. Er habe gemeinsam mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) an der Eröffnung der Basketball-Weltmeisterschaft der Frauen in Berlin teilgenommen, teilte eine Senatssprecherin auf Anfrage mit.

Auch Innen- und Sportsenatorin Iris Spranger (SPD) verfolgte das Spiel in der Halle. "Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass die Sportsenatorin das Eröffnungsspiel besucht", teilte ein Sprecher ihrer Senatsverwaltung mit.

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