ROUNDUP/Iran-Krieg trifft Deutschland

Sprit und Gas deutlich teurer 02.03.2026, 14:15 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

MÜNCHEN/FRANKFURT (dpa-AFX) - Rasant steigende Öl-, Sprit und Gaspreise, Aktien unter Druck, Sorgen um die Konjunktur: Der Iran-Krieg sorgt für große Unsicherheit und könnte die Wirtschaft in Deutschland treffen - sofern die Kämpfe länger andauern. Vor allem höhere Ölpreise gelten als Belastung für Verbraucher und Unternehmen, gerade in der Exportnation Deutschland. Zudem würde ein dauerhafter Anstieg der Ölpreise - ausgelöst durch die Blockade der Straße von Hormus - das Risiko einer höheren Inflation bergen.

Spritpreise ziehen kräftig an

An den Zapfsäulen zeigen sich die Kriegsfolgen direkt: Am Montag stiegen die Spritpreise kräftig, nachdem sie schon am Wochenende angezogen hatten. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Sonntags kostete laut ADAC ein Liter Super E10 mit 1,794 Euro bereits 1,6 Cent mehr als am Freitag, dem letzten Tag vor den Angriffen - und damit so viel wie seit Mai 2024 nicht mehr. Diesel verteuerte sich alleine von Freitag bis Sonntag um 1,3 Cent auf 1,759 Euro je Liter - den höchsten Wert seit April 2024.

Am Montag beschleunigte sich die der Preisanstieg: "Die Zahlen am Vormittag deuten auf eine Dimension von drei bis vier Cent", sagt der Kraftstoffmarktexperte des ADAC, Christian Laberer. Sollte sich das bestätigen, könnte bei Diesel der höchste Preis seit 2023 erreicht werden.

Und es könnte weiter nach oben gehen: "Sollte der Ölpreis nicht bald wieder nachgeben, kann der Aufwärtstrend auch über die nächsten Tage anhalten", sagt Laberer. Mittelfristig gebe es aber - sofern sich die Lage am Golf wieder beruhigen sollte - Hoffnung auf gemäßigtere Preise, da die Opec+ angekündigt hat, die Fördermengen zu erhöhen. Schnelle Besserung ist aber nicht in Sicht: "Während steigende Ölpreise meist sehr schnell an den Zapfsäulen ankommen, dauert es bei sinkenden Preisen oft länger", sagt der Experte.

Wer beim Tanken sparen will, dem rät Laberer zu den Abendstunden - dann ist Sprit in der Regel günstiger als am Morgen. Zudem lohne es sich jetzt erst recht, zu vergleichen, betont er. "Gerade in volatilen Zeiten können die Preisunterschiede zwischen einzelnen Tankstellen besonders hoch ausfallen."

Gas- und Heizölpreis steigt noch schneller

Beim Heizöl ist der Ausschlag noch deutlich stärker. Das Online-Portal Heizoel24 gab den Preis am Montagvormittag zwischenzeitlich mit mehr 120 Euro pro 100 Litern an. Noch am Freitag lagen die Preise unter 100 Euro. Die Preise entwickelten sich am Montag allerdings sehr dynamisch. Zudem verzeichnete die Seite bereits am Samstag und Sonntag eine sehr hohe Nachfrage nach Heizöl.

Auch der Großhandelspreis für Erdgas legte stark zu: Zum Handelsauftakt am Montag gab es den stärksten Preissprung seit August 2023: Der wichtige Terminkontrakt TTF verteuerte sich im Vergleich zu Freitag um etwa 25 Prozent. Wegen langfristiger Kontrakte dauert es aber üblicherweise eine Weile, bis Energieversorger Preisänderungen im Großhandel an Privatkunden weiterreichen.

Es kommt aufs Rohöl an

Der Ölpreis ist - in Kombination mit dem Dollarkurs - typischerweise der wichtigste Treiber für Veränderungen beim Sprit und Heizöl. Die Eskalation des Konflikts treibt den Ölpreis unter anderem auch deswegen, weil der Iran den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus eingeschränkt hat. Rund ein Fünftel der globalen Öltransporte passiert täglich die Meerenge in der ölreichen Region am Persischen Golf, auch Flüssiggastransporte müssen durch dieses Nadelöhr. Jede Störung kann die Energiepreise steigen lassen und die internationalen Märkte verunsichern.

Aktien unter Druck, Gold gefragt

An den Finanzmärkten sorgt der Iran-Krieg für Turbulenzen. Der deutsche Leitindex Dax gab am Montag zunächst deutlich nach um 2,3 Prozent oder mehr als 500 Zähler, bevor er seine Verluste eindämmte. Besonders stark sanken die Aktienkurse von Chemie- und Touristikkonzernen. Der Reiseverkehr in Nahost ist zum Erliegen gekommen, dort strandeten zahlreiche Urlauber. Der Luftraum ist weiträumig gesperrt, Flugzeuge starten nicht; auch Kreuzfahrtschiffe fahren nicht ab. Die Lufthansa etwa meidet den Nahen Osten weitgehend.

Investoren setzen wegen der Unsicherheit verstärkt auf den "sicheren Hafen" Gold. Der Preis für das Edelmetall zog an, zuletzt mussten für eine Feinunze (etwa 31,1 Gramm) fast 5.400 Dollar bezahlt werden - das Rekordhoch von fast 5.600 Dollar von Ende Januar rückt damit wieder näher.

Folgen für die Konjunktur?

Auch für die angeschlagene deutsche Wirtschaft birgt die Eskalation im Nahen Osten Gefahren. Bleibe es bei einem kürzeren Konflikt, seien die wirtschaftlichen Folgen begrenzt, meint Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank. Das Risiko läge in einem deutlichen Ölpreisanstieg bei einem länger anhaltenden Konflikt. "In diesem Falle wären die wirtschaftlichen Folgen signifikant."

Berechnungen der EZB zeigten, dass ein Ölpreisanstieg um 10 Prozent mittelfristig das Potenzialwachstum um 0,2 Prozent drücke, sagt Gitzel. Das wäre für die deutsche Wirtschaft die nach Einschätzung der Bundesregierung dieses Jahr um rund ein Prozent wachsen dürfte, bereits schmerzhaft.

Dass es bei einem nur wenige Tage dauernden Militärschlag bleibt, ist zumindest zweifelhaft. Nach Einschätzungen von US-Präsident Trump könnte der Krieg mit dem Iran noch vier Wochen dauern.

Öl als Schlüssel für Warentransporte

Die Finanzmärkte hatten sich bereits auf den Iran-Konflikt eingestellt, was die Rohölpreise von etwa 60 US-Dollar pro Barrel auf über 70 Dollar steigen ließ. "Sollte sich eine wochenlange, effektive Sperrung der Transportwege aus dem Golf abzeichnen, wären Preissteigerungen bis über 100 US-Dollar die Folge, danach sieht es aber zurzeit nicht aus", glaubt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank.

Dauerhaft hohe Ölpreise können den Transport von Waren spürbar verteuern, etwa über höhere Frachtraten für Schiffstransporte oder teureren Sprit für Frachtairlines. Die Exportnation Deutschland würde das besonders treffen.

"Dauerte der Krieg nur wenige Wochen, wäre die Wirtschaft hierzulande faktisch nicht betroffen", meint Commerzbank -Chefvolkswirt Jörg Krämer. "Zöge sich der Krieg dagegen mehrere Monate hin, würde die Inflation im Euroraum wohl mindestens um 1 Prozentpunkt steigen und das Wirtschaftswachstum einige Zehntel Prozentpunkte geringer ausfallen."/ruc/als/DP/mis

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