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Luftalarm über Litauen: Nato-Kampfjets schießen Drohne ab 15.09.2026, 13:11 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

Kampfflugzeuge der Nato haben erneut eine Drohne über dem Baltikum abgeschossen. In Litauen wurde in der Nacht zu Dienstag ein unbemanntes Flugobjekt von italienischen Eurofightern vom Himmel geholt, teilte das Verteidigungsministerium in Vilnius mit. Die Behörden hatte die Bevölkerung mehrerer Regionen des baltischen EU- und Nato-Landes zuvor über eine mögliche Bedrohung aus der Luft alarmiert. Genauere Angaben zur Herkunft und Typ der abgeschossenen Drohne gab es zunächst nicht.

"Ich danke den Einsatzkräften der Allianz für ihre schnelle Reaktion", schrieb Präsident Gitanas Nauseda auf der Plattform X. "Angesichts der zunehmenden Aggression Russlands gegen die Ukraine ist diese Bereitschaft für unsere Region von entscheidender Bedeutung. Gemeinsam mit unseren Nato-Verbündeten wird Litauen seinen Luftraum verteidigen." Auch Regierungschef Mindaugas Sinkevicius dankte den Verbündeten.

Einsatz aus Deutschland koordiniert

Nach Militärangaben war es das erste Mal, dass eine Drohne über Litauen abgeschossen wurde. Die Operation sei vom Luftoperationszentrum Uedem ("Combined Air Operations Centre" oder CAOC) in Uedem am Niederrhein koordiniert worden, teilte das Nato-Kommando für Luftstreitkräfte mit. Das CAOC überwacht und sichert den Nato-Luftraum nördlich der Alpen, von Island bis zur Ostflanke rund um die Uhr. Dazu gehört auch die Mission zur Sicherung des Luftraums in den baltischen Staaten.

Litauens Außenminister Kestutis Budrys sprach von einem "Paradebeispiel für die Einheit und Entschlossenheit des Bündnisses" und einem "klaren Signal", dass die Nato wachsam und einsatzbereit sei. Verteidigungsminister Robertas Kaunas betonte: "Die Anwohner wurden rechtzeitig informiert, der Einsatz verlief reibungslos."

Militär untersucht Absturzstelle

Nach Angaben des Leiters des nationalen Krisenmanagementzentrums, Vilmantas Vitkauskas, wurde die Drohne über einem ländlichen Gebiet nahe dem Dorf Pratkunai abgeschossen, das rund 50 Kilometer südöstlich der zweitgrößten Stadt Kaunas liegt. Der Abschuss erfolgte Verteidigungsminister Kaunas zufolge in der Nähe des Pumpspeicherkraftwerks Kruonis.

Nach ersten Erkenntnissen flog die Drohne wahrscheinlich vom Gebiet von Belarus nach Litauen ein. Sie soll sich etwa eine halbe Stunde lang auf litauischem Gebiet aufgehalten haben, wie Vitkauskas im Rundfunk sagte. Budrys kündigte an, dass Litauen eine diplomatische Note an Minsk überreichen und sich mit seinen Verbündeten beraten werde. Nauseda berief für Mittwoch eine Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates ein.

Keine größeren Schäden

Informationen über Verletzte oder Schäden gab es zunächst nicht. Im Abschussgebiet seien Trümmerteile einer Drohne gefunden worden, die vom Militär und den Einsatzkräften nun untersucht werden. Vitkauskas zufolge bestehe eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass das Flugobjekt einen Sprengsatz enthielt.

Einige Anwohner berichteten im litauischen Rundfunk, dass sie sowohl die Geräusche einer fliegenden Drohne als auch von Kampfjets gehört hätten und von diesen Geräuschen aufgewacht seien. Veröffentlichte Aufnahmen einer Überwachungskamera sollen zudem den Moment des Abschusses der eingedrungenen Drohne zeigen.

Exponierte Lage an Nato-Ostflanke

Litauen grenzt an die russische Ostsee-Exklave Kaliningrad sowie an Russlands Verbündeten Belarus. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine fühlt sich das Land in besonderem Maße bedroht. Litauens Militärgeheimdienst liegen nach Regierungsangaben Informationen vor, wonach Russland Angriffe auf kritische Infrastruktur in den baltischen Staaten erwägen könnte.

Die Bundeswehr baut derzeit eine deutsche Panzerbrigade in Litauen auf. Der gefechtsbereite und eigenständig handlungsfähige Kampfverband mit 4.800 Soldaten soll bis 2027 einsatzfähig sein.

Nato überwacht baltischen Luftraum

Im Zuge des Ukraine-Krieges hat es bereits mehrere Vorfälle mit Drohnen in Litauen und den beiden anderen Baltenstaaten Estland und Lettland gegeben. Bei ukrainischen Angriffen waren wiederholt fehlgeleitete unbemannte Flugkörper, mit denen Kiew Ziele im Nordwesten Russlands angegriffen hatte, in den Luftraum eingedrungen und abgestürzt. In Litauen waren in der Vergangenheit auch Drohnen russischen Fabrikats aus Belarus eingeflogen.

Größere Nato-Staaten übernehmen im Baltikum abwechselnd die Luftraumüberwachung der Mitgliedstaaten Estland, Litauen und Lettland, die keine eigenen Kampfjets besitzen. Die italienischen Kampfjets sind auf dem Militärflughafen Siauliai (Litauen) stationiert. Sie hatten zuletzt bereits im August eine aus Belarus in den Luftraum des benachbarten Lettlands eingeflogene Drohne abgeschossen. Auch in Estland wurde schon eine Drohne von Nato-Kampfjets vom Himmel geholt.

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