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Nord-Stream-Anschlag - Prozess startet in Hamburg 14.10.2026, 07:35 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

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Rund vier Jahre nach den Anschlägen auf die Nord-Stream-Pipelines in der Ostsee muss sich der ukrainische Staatsangehörige Serhij K. von heute an vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg verantworten. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur wohl spektakulärsten Sabotageaktion der deutschen Nachkriegsgeschichte:

Was war geschehen?

Am 26. September 2022 detonierten in der Ostsee vor der dänischen Insel Bornholm in etwa 80 Metern Tiefe mehrere Sprengsätze. Die Gaspipelines Nord Stream 1 und 2 wurden dadurch beschädigt. Insgesamt gab es vier Lecks an drei der insgesamt vier Leitungen. Den Gasfluss nach Deutschland über Nord Stream 1 hatte Russland schon gut drei Wochen zuvor abgedreht - angeblich wegen technischer Probleme. Nord Stream 2 war wegen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine gar nicht in Betrieb gegangen.

Wie sind die Täter den Ermittlungen zufolge vorgegangen?

Laut Bundesanwaltschaft begab sich Serhij K. spätestens am 8. September 2022 mit sechs Mittätern - einem Schiffsführer, einem Sprengstoffexperten und vier Tiefseetauchern - im Hafen von Wiek auf Rügen auf die Segeljacht "Andromeda", die ein Mittelsmann für mehrere Wochen gechartert hatte. Die Gruppe soll dann bei Tauchgängen am Meeresboden vier mit Zeitzündern versehene Sprengsätze an den Pipelines befestigt haben. Es handelte sich den Angaben nach um im Militärbereich verwendete Hochleistungssprengstoffe mit massiver Zerstörungskraft, die auch unter Wasser explosionsfähig sind.

Welche Rolle könnte Serhij K. gespielt haben?

Der heute 50 Jahre alte Angeklagte soll damals Offizier einer Spezialeinheit der ukrainischen Streitkräfte und Drahtzieher der Sabotageaktion gewesen sein. Er wurde Ende August 2025 an der Adria-Küste im Urlaub mit seiner Familie gefasst. Über Monate wehrte Serhij K. sich gegen seine Auslieferung. Drei Monate nach seiner Festnahme wurde er schließlich am 27. November nach Deutschland überstellt. Einen Tag später setzte ein Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe den Haftbefehl gegen ihn in Vollzug. Serhij K. sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Anfang Juli wurde Anklage erhoben.

Was wird ihm vorgeworfen?

Die Anklage beschuldigt ihn eines Kriegsverbrechens, nämlich des Einsatzes verbotener Methoden der Kriegsführung durch einen Angriff gegen zivile Objekte. Zudem wird er verdächtigt, eine Sprengstoffexplosion herbeigeführt, Bauwerke zerstört und öffentliche Betriebe gestört zu haben. Um das zu klären, hat der Staatsschutzsenat in Hamburg - er ist auch für Mecklenburg-Vorpommern zuständig - bislang 16 Prozesstermine bis zum 17. Dezember bestimmt. Weitere Termine sollen im Januar und Februar 2027 folgen.

Was ist Nord Stream eigentlich?

Nord Stream 1 besteht aus zwei jeweils 1.224 Kilometer langen und 2011 beziehungsweise 2012 in Betrieb genommenen Pipeline-Strängen, die vom russischen Wyborg nach Lubmin bei Greifswald führen. Eigentümerin der rund 7,4 Milliarden Euro teuren Pipelines ist die Nord Stream AG, die wiederum zu 51 Prozent dem russischen Staatskonzern Gazprom US3682872078 gehört. Die Nord-Stream-2-Pipelines gehören über die Nord Stream 2 AG vollständig Gazprom. Die 9,5 Milliarden Euro teuren parallel zu Nord Stream 1 laufenden Leitungen wurden 2021 fertiggestellt, aber wegen des russischen Angriffskrieges nie genutzt.

Warum dürfen die Russen im Prozess nicht Nebenkläger sein?

Die Russen möchten im Prozess gerne als Nebenkläger auftreten, dürfen aber nicht. Der 3. Strafsenat des Hanseatischen Oberlandesgerichts lässt die Nebenklagen nicht zu. Dass durch den Anschlag - wie von der Nord Stream AG sowie der Nord Stream 2 AG vorgebracht - ein "existenzieller Schaden" entstanden sei und somit das Recht als Nebenkläger aufzutreten bestehe, sieht das Gericht nicht. Die Reparatur der Leitungen werde zwar wohl jeweils einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag kosten. Demgegenüber stünden jedoch Investitionskosten von fast 17 Milliarden Euro. Die Wiederherstellungskosten seien damit nicht so hoch, dass der Schaden nach üblichen Maßstäben als wirtschaftlicher Totalschaden zu bewerten sei, erklärte das Gericht.

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