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Rekord-Windrad in der Lausitz - Praxistest steht noch bevor 01.10.2026, 17:20 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

Nach schwierigen Wetterbedingungen und einigen Verzögerungen steht in Südbrandenburg die höchste Windenergieanlage der Welt. 365 Meter misst der Turm in Schipkau in der Lausitz. Die Region ist eher bekannt als traditionelle Braunkohleregion, setzt aber angesichts des vereinbarten Kohleausstiegs auf den Ausbau erneuerbarer Energien.

Bislang ist der Windrad-Koloss, der am Montag (28.9.) sein Rekordausmaß erreichte, eine Forschungsanlage, die das Dresdner Unternehmen Gicon entwickelt hat. In den kommenden Jahren muss sich zeigen, ob der XXL-Prototyp mit dem Ziel eines höheren Stromertrags Interessenten findet und weitere Windparks damit aufgerüstet werden. Ein wichtiger Schritt steht auch noch bevor: Die offizielle Inbetriebnahme des Höhenwindturms, der dann Strom einspeist, ist im November geplant, wie das Unternehmen ankündigte.

Was ist das Besondere an dem Windrad?

Das Windrad, das in einem bestehenden Windpark hochgezogen wurde, gilt als technische Innovation. Sie besteht aus einer Art Gitterturm und einer Stahlkonstruktion, die eher an Strommasten erinnert. "Mit über 2.000 Tonnen verbautem Stahl und 22.000 Einzelteilen ist der Gittermast ein ingenieurtechnisches Meisterstück", schwärmt Gicon.

Die Turbine wurde zunächst in gut erreichbarer Höhe montiert. Dann musste sie mit dem Innenturm mit einem Teleskopmechanismus in die finale Position gehoben werden. Rotorblätter kamen dazu. Die Nabenhöhe der Anlage beträgt laut Gicon 300 Meter, die Gesamthöhe erreicht dann 365 Meter. Ein Vergleich: Der Berliner Fernsehturm gilt mit 368 Metern als das höchste Bauwerk Deutschlands.

Handelt es sich tatsächlich um das weltweit höchste Windrad?

Nach derzeitiger Einschätzung des Bundesverbandes Windenergie handelt es sich um das größte Windrad der Welt. Windenergieanlagen herkömmlicher Art haben eine Nabenhöhe von deutlich unter 200 Metern.

Allerdings stehen laut Windenergie-Verband vor allem in Süddeutschland, wo es weniger Wind als etwa im Norden gibt, bereits besonders hohe Windräder. Max Bögl habe kürzlich einen 199 Meter hohen Hybridturm als Serienprodukt auf den Markt gebracht. Mit Rotorblättern seien die Anlagen insgesamt 280 Meter hoch, so der Verband.

"China, alle haben versucht, in diese Höhe zu kommen, und wir haben es geschafft", sagte Gicon-Chef Jochen Großmann.

Wer ist an der Pilotanlage beteiligt?

Die Gicon Gruppe in Dresden baut den Windturm im Auftrag der 2019 gegründeten Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND). Sie soll bahnbrechenden Ideen zum Durchbruch verhelfen und kann sie staatlich fördern. "SPRIND will die Brücke bauen zwischen Forschergeist und Unternehmertum", schreibt die Bundesagentur in Leipzig. Sie gibt die Baukosten für den Höhenwindturm mit 25 Millionen Euro an.

Warum wird ein Höhenwindturm gebaut?

In größeren Höhen herrschen in der Regel stärkere und gleichmäßigere Windverhältnisse. Dadurch könne der Windturm bei gleichem Rotordurchmesser etwa den doppelten Energieertrag einer konventionellen Windenergieanlage erzielen, heißt es von Gicon.

Zudem könnten Höhenwindtürme künftig innerhalb schon bestehender Windparks errichtet werden und so zusätzliche Energie liefern, ohne neue Flächen in Anspruch zu nehmen.

Es ist von einer konstanteren Einspeisung die Rede. Erneuerbare Energie soll so auch an Standorten mit geringem Windaufkommen besser erzeugt werden können etwa im Süden Deutschlands.

Der Höhenwindturm soll Strom für bis zu 7.500 Haushalte produzieren können. Die Pilotanlage wird dem Unternehmen zufolge mit einer Nennleistung von 3,8 Megawatt in Betrieb genommen. Künftige Anlagen sollen mehr als 7 Megawatt erreichen.

Meilenstein für die Zukunft der Windparks?

Das Projekt in Südbrandenburg bezeichnet der Windenergie-Verband zunächst vor allem als Machbarkeitsdemonstration: Der Gittermastturm sei kein Serienprodukt. "Entscheidend wird deshalb sein, welche Betriebsdaten die Anlage liefert und ob sie die in den Windgutachten prognostizierten Erträge tatsächlich erreicht", so der Verband.

Was plant das Unternehmen in Zukunft?

Gicon nennt Pläne, Anfang der 2030er Jahre mit der Serienfertigung zu beginnen. Doch bis dahin stehen noch einige Etappen bevor, bevor die Anlage Marktreife erlangt und zu einem Geschäftsmodell wird. Anfragen aus dem Ausland gebe es inzwischen, hieß es.

"Das, was wir gelernt haben, soll als Nächstes in einem kleinen Pilotwindpark, 3 bis 5 Anlagen, umgesetzt werden, wo wir dann den Schritt der Wirtschaftlichkeit, der Markteinführung gehen", sagte der Gründer und Leiter von Gicon, Großmann. In einem weiteren Schritt peilt er 100 Anlagen in Deutschland an.

Der Projektmanager bei der Bundesagentur für Sprunginnovationen, Julius Keil, sprach zudem von einem "Ausblick, weitere 1.000 bis 2.000 Anlagen nun in die Welt zu bringen". Allein in Deutschland sieht Gicon das Potenzial, bis zu 4.000 Höhenwindtürme in bestehenden Windparks als sogenannte "zweite Etage" nachzurüsten.

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