ESSEN (dpa-AFX) - Ein schwächeres Handelsgeschäft wird den Energiekonzern RWE dieses Jahr ausbremsen. Während der Handel mit Energie Ende vergangenen Jahres die Ergebnisse noch beflügelt hatte, dürfte er 2023 nun deutlich schwächer ausfallen. Diesen Rückgang wird auch eine erwartete Ergebnissteigerung im Geschäft mit Solar- und Windenergie nicht ausgleichen können. Im Geschäft mit Kohle und Kernenergie erwartet RWE jedoch im Tagesgeschäft mehr verdienen zu können, wie der Konzern am Dienstag in Essen mitteilte. Insgesamt dürfte das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) deshalb 2023 mit 5,8 bis 6,4 Milliarden Euro zumindest im besten Fall besser ausfallen als im vergangenen Jahr. Die Aktionäre sollen sich so oder so freuen dürfen: RWE plant für dieses Jahr 1,00 Euro je Aktie Dividende auszuschütten, nach 0,90 Euro für 2022.

Die Essener hatten bereits Ende Januar Ergebnisse auf Basis vorläufiger Zahlen vorgelegt, diese wurden nun bestätigt. An der Börse war deshalb vor allem der Blick nach vorne interessant. Die Erwartungen des Managements hätten noch Luft nach oben, schrieb etwa Analyst Alexander Wheeler von der kanadischen Bank RBC. Anstatt einer für das Jahr 2023 vom Markt erwarteten stabilen Dividende von 0,90 Euro habe RWE mit einer in Aussicht gestellten Anhebung positiv überrascht. Damit sei die Messlatte bei nunmehr einem Euro je Aktie gelegt. Der Kurs von RWE legte am Vormittag im Dax rund zwei Prozent zu.

Den Großteil am operativen Ergebnis macht bei RWE das sogenannte Kerngeschäft aus. Dazu zählt der Konzern neben dem Energiehandel, das Geschäft mit Wasser, Biomasse und Gas ebenso wie die Bereiche Windkraft an Land und auf See sowie Solar. Insgesamt soll das Kerngeschäft dieses Jahr zwischen 4,8 bis 5,4 Milliarden Euro zum bereinigten Ebitda 2023 beitragen. 2022 waren es 5,56 Milliarden Euro gewesen.

Der vom RWE-Management in diesem Jahr erwartete Rückgang beim Energiehandel sowie beim Geschäft mit Wasser, Biomasse und Gas kommt nicht überraschend. Die beiden Teilgeschäfte hatten sich vor allem gegen Ende vergangenen Jahres deutlich besser entwickelt als angenommen. Die hohen Energiepreise sowie starke Preisschwankungen hatten das Ergebnis beflügelt.

Zudem erwartet RWE dieses Jahr, Teile der Gewinne in Europa und Großbritannien abgegeben zu müssen ("Übergewinnsteuer"). Beim bereinigten Nettoergebnis erwartet das Management deshalb mit 2,2 bis 2,7 Milliarden Euro einen deutlichen Rückgang im Vergleich zu 2022, als über 3,2 Milliarden Euro erwirtschaftet wurden.

Auf Konzernebene stieg 2022 das bereinigte Ebitda im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2021 um mehr als 70 Prozent auf 6,3 Milliarden Euro. RWE hatte auch von kurzfristig eingesetzten Kraftwerke zum Ausgleich schwacher Windverhältnisse profitiert. Auch dies dürfte sich RWE zufolge in diesem Jahr in dem Ausmaß nicht wiederholen. Der Konzern übertraf 2022 sowohl die eigenen Erwartungen als auch die der Analysten. Unterm Strich verdiente RWE 2,7 Milliarden Euro nach 721 Millionen Euro ein Jahr zuvor./lew/nas/stk